Zur Person
| Nachname: |
Harig |
Vorname: |
Ludwig |
| Pseudonym(e): |
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| Straße, Hausnummer |
Oberdorfer Str. 36 |
| Postleitzahl: |
66280 |
Wohnort: |
Sulzbach |
| Telefon: |
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Fax: |
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| E-Mail: |
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| Web-Site: |
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| Geburtstag: |
18.7.1927 |
Geburtsort: |
Sulzbach |
| Genre: |
Roman, Essay, Erzählung, Lyrik, Hörspiel |
| Zur Person: |
Am 18. Juli 1927 in der Sulzbacher Schlachthofstraße nahe der Grube Hirschbach geboren, entstieg ich dem Nährboden, aus dem erzählenswerte Geschichten wachsen. Schlachthof, Schlackenhalde, Schlammweiher: Orte des Schreckens und der Abenteuer! Doch den geschlachteten Schimmel verwandelte ich in den Hengst Falada, Schlackenhalde und Schlammweiher nahmen die Gestalt des ausgeglühten Feuerbergs hinter dem Wasser des Vergessens an. Schon als Kind der Verzauberungs- und Verwandlungskraft der Sprache ausgeliefert, war ich als Schüler einer nationalsozialistischen Lehrerbildungsanstalt nahe daran, von hohler Feierlichkeit und phrasenhaftem Pathos brauner Blut-und-Boden- und Parteilyrik verdorben zu werden. Doch die Lektüre eines Münchner Lesebogens für achtzig Pfennige hat mich unumkehrbar in Schillers fröhliches Reich des Spiels entführt, von dem er sagt, in ihm seien die Fesseln aller Verhältnisse gefallen und der Mensch von allem, was Zwang heiße, selbst im Moralischen entbunden.
Nach Kriegsende entdeckte ich in einer “Anthologie der Abseitigen” die deutschen Expressionisten und die französischen Surrealisten, 1949/50 lernte ich als Assistant d‘allemand in Lyon die Bücher von Saint-Exupéry und Vercors, von Sartre und Camus kennen, doch erst die experimentell erarbeiteten Texte der “Stuttgarter Schule” unter Max Bense gaben mir neues Vertrauen in die Literatur. Ich übersetzte den Gedichtband von Willy Alante-Lima, eines schwarzen Lyrikers von den Antillen und wagte mich mit Eugen Helmlé an die Nachdichtung der “Stilübungen” von Raymond Queneau, wofür wir in das Collège de Pataphysique berufen wurden, eine philosophisch-poetische Schule, die sich aller festgelegten Grenzen widersetzt und die These vertritt: “Die Pataphysik übersteigt die Metaphysik in dem Maße, wie diese die Physik übersteigt, in alle Richtungen ad libitum”.
Es war meine Großmutter, die mir gesagt hat, ich sei ein Luftkutscher. Ich war damals noch ein Kind, aber ich bin ein Luftkutscher geblieben und habe, wie jedermann weiß, die Luftkutscherei zu meinem Beruf gemacht. In den fünfziger Jahren, nach Schreibversuchen im Stile Rilkes und Gottfried Benns, habe ich zu schreiben und zu veröffentlichen begonnen: Experimentelle Romane, Hörspiele, Essays. 1970, nach zwanzigjähriger Tätigkeit als Volksschullehrer, quittierte ich den Schuldienst, schrieb “Die saarländische Freude”, meinen Rousseauroman und die Novelle “Der kleine Brixius”. Auf die Eindrücke ausgedehnter Reisen und Auslandsaufenthalte schrieb ich Reisetagebücher, die “Trierer Spaziergänge” und Reportagen, begann schließlich zu Anfang der achtziger Jahre mit Recherchen und Vorarbeiten zu meiner autobiographischen Romantriologie: “Ordnung ist das ganze Leben” (1986), “Weh dem, der aus der Reihe tanzt” (1990) und “Wer mit dem Wölfen heult, wird Wolf” (1996). Zum Abschluss meiner erzählten Chronik des deutschen zwanzigsten Jahrhunderts erscheint 2002 mein Buch “Und wenn sie nicht gestorben sind” mit weitererzählten Geschichten dieser Zeit.
Früh schon mit den Sprachkünsten der Märchen vertraut, bin ich von Anfang an über die Grenze hinweggestiegen, die so leichtfertig zwischen Wirklichkeit und Vorstellung gezogen ist. Lustvoll bin ich aus den “Verkehrtheiten des Lebens” in die “Wahrheit der Erzählung” übergewechselt, wie Jacob und Wilhelm Grimm diese Grenzüberschreitung beschreiben – und habe dabei, auch Erkenntnisse exakter Naturwissenschaften nutzend, Sein und Schein ineinander getauscht. Grenzüberschreitung, ein anspruchsvolles, ein pompöses Wort! Mein Hin- und Herpendeln von der realen in die erfundene Welt ist weder von politischen noch von moralischen, sondern einzig und allein von poetischen Beweggründen bestimmt. “Wer hätte Lust, der Poesie Grenzen abzustecken?” heißt es bei den Brüdern Grimm.
Sulzbach, 24.5.2002 |
| Mitglied in literarischen bzw. Berufsorganisationen |
VS Saar |
| Die wichtigsten Auszeichnungen |
Kunstpreis des Saarlandes (1966) Stipendium für die Cité Internationale des Arts in Paris (1972) Stipendium des Berliner Senats (1974) Stipendium des Berliner Kunstpreises (1975) Kunstpreis der Stadt Saarbrücken (1977) Marburger Literaturpreis (1982) Turmschreiber von Deidesheim (1983) Ehrengast der Villa Massimo (1984 Raben-Preis für kreative Kritik (1985) Carl-Zuckmayer-Medaille (1985) Lesezeichen-Preis für Poesie und Politik (1986) Stadtschreiber-Literaturpreis des ZDF und der Stadt Mainz (1987) Hörspielpreis der Kriegsblinden (1987) Heinrich-Böll-Preis (1987) Friedrich-Hölderlin-Preis (1994) Kunstpreis der Stadt Saarbrücken (1999) |
Werke
| Bücher: |
- „haiku hiroshima”. Stuttgart 1961. (= Reihe ,rot’ Nr. 5).
- „Zustand und Veränderungen”. Wiesbaden (Limes) 1963.
- „Reise nach Bordeaux”. Wiesbaden (Limes) 1965.
- „Das Geräusch. Hörspiel”. Neuwied, Berlin (Luchterhand) 1965.
- „Starallüren”. Sonderdruck aus „Die Funkpostille”. Saarbrücken (Saarländischer Rundfunk) 1966.
- „Das Fußballspiel. Stereophones Hörspiel”. Stuttgart (Edition Hansjörg Mayer) 1967.
- „im men see”. Berlin (Fietkau) 1969. (= Schritte 15)
- „Ein Blumenstück. Texte zu Hörspielen”. Eingel. von Johann M. Kamps. Nachwort von Max Bense. Wiesbaden (Limes) 1969.
- „zufällig änderbar”. Mit Siebdrucken von Paul Schneider. Zweibrücken (Edition Monika Beck) 1969.
- „Muster möglicher Welten”. Eine Anthologie für Max Bense. Hg. von Elisabeth Walther und Ludwig Harig. Wiesbaden (Limes) 1970.
- „wir spielen revolution. ein wort ton bild stück”. Ton: Clemens Kremer. Wiesbaden (Breitkopf & Härtel) 1970.
- „miß mary”. Mit Siebdrucken von Lukas Kramer. Zweibrücken (Edition Monika Beck) 1970. Auch in: antiquarium. 1970. H. 9.
- „Wir beginnen ein Spiel”. Frankfurt/M. (Verlag der Autoren) 1971.
- „Sprechstunden für die deutsch-französische Verständigung und die Mitglieder des Gemeinsamen Marktes. Ein Familienroman”. München (Hanser) 1971. Taschenbuchausgaben: München (Deutscher Taschenbuch Verlag) 1974. (= dtv sonderreihe 125). Frankfurt/M. (Fischer) 1988. (= Fischer Taschenbuch 9153).
- „Lichtbogen”. Mit Siebdrucken von Lukas Kramer. Zweibrücken (Edition Monika Beck) 1971.
- „o mann o weib o welt”. In: Akzente. 1971. H. 3. S. 230-233.
- „Zwei Dutzend Sonette an Orpheus von Rainer Maria Rilke”. Mit Linolschnitten von Axel Hertenstein. Pforzheim (Harlekin Presse) 1972.
- „Die Aufhebung der Schwerkraft”. Zusammen mit Jan Voss. Stuttgart (Manus Presse) 1973. (= Konzepte 14).
- „Allseitige Beschreibung der Welt zur Heimkehr des Menschen in eine schönere Zukunft”. München (Hanser) 1974.
- „Drei mal drei Fünfsätze”. Mit Serigraphien von Günter Neusel. (3. bibliographile Veröffentlichung von Jürgen Brenner). Stuttgart 1974.
- „Wie kommt Leopold Bloom auf die Bleibtreustraße”. Berlin (Literarisches Colloquium) 1975. (= LCB-Editionen 40).
- „Die saarländische Freude. Ein Lesebuch über die gute Art zu leben und zu denken”. München (Hanser) 1977. Taschenbuchausgaben: München (Deutscher Taschenbuch Verlag) 1979. (= dtv sonderreihe 5464). München (Deutscher Taschenbuch Verlag) 1981. (= dtv neue reihe 6322).
- „Dudweiler Rede”. Dudweiler (Eigendruck der Bezirksverwaltung Dudweiler) 1977.
- „Die Ballade vom schwarzen Kater Willy”. Ein Bilderbuch für groß und klein, mit Bildern von Petra Dahlem. Pforzheim (Harlekin Presse) 1977.
- „Rousseau - Der Roman vom Ursprung der Natur im Gehirn von Ludwig Harig”. Mit Schallplatte. München (Hanser) 1978. Taschenbuchausgabe: München (Deutscher Taschenbuch Verlag) 1981. (= dtv 1728).
- „Nachbarn im Dreieck. Ausschnitte von Eindrücken zwischen Saar und Mosel”. Mit Fotos. Völklingen 1979.
- „Heimweh. Ein Saarländer auf Reisen”. München (Hanser) 1979. Taschenbuchausgabe: Frankfurt/M. (Ullstein) 1982. (= Ullstein Buch 26061).
- „Der kleine Brixius. Eine Novelle”. München (Hanser) 1980. Taschenbuchausgabe: Frankfurt/M. (Ullstein) 1982. (= Ullstein Buch 26061).
- „Pfaffenweiler Blei”. Achtzehn alexandrinische Sonette. Mit Lithographien von Olaf Reeck. Vorwort von Michael Krüger. Pfaffenweiler (Pfaffenweiler Presse) 1980.
- „Logbuch eines Luftkutschers”. Stuttgart (Reclam) 1981. (= Reclams Universal-Bibliothek 7691).
- „Heilige Kühe der Deutschen. Eine feuilletonistische Anatomie”. München (Hanser) 1981. Taschenbuchausgabe: München, Wien (Heyne). 1984. (= Heyne Cartoon und Satire 41).
- „Tafelmusik für König Ubu”. Mit Linolschnitten von Erich Schönig. Pforzheim (Hertenstein-Presse) 1982.
- „Die Ballade vom großen Durst. Bilder und Verse zur Enzyklopädie der Bierflasche”. Mit Zeichnungen von Kurt Halbritter. München (Hanser) 1983.
- „Trierer Spaziergänge”. Mit Zeichnungen von Hans Dahlem. München (Hanser) 1983. Taschenbuchausgabe: München (Goldmann) 1985. (= Goldmann Taschenbuch 6873).
- „Zum Schauen bestellt. Deidesheimer Tagebuch”. Mit Zeichnungen von Hans Dahlem. Landau (Pfälzische Verlagsanstalt) 1984.
- „Das Rauschen des sechsten Sinnes. Reden zur Rettung des Lebens und der Literatur”. München (Hanser) 1985.
- „Sieben Tiere. Kleines Bestiarium in alexandrinischen Sonetten”. Mit Linolschnitten von Axel Hertenstein. Pforzheim (Hertenstein-Presse) 1985.
- „Ordnung ist das ganze Leben. Roman meines Vaters”. Mit Tonbandcassette. München (Hanser) 1986.
- „Die Laren der Villa Massimo. Ein römisches Tagebuch”. Mit Zeichnungen von Hans Dahlem. Landau (Pfälzische Verlagsanstalt) 1986.
- „Logbuch eines Luftkutschers”. Stuttgart (Reclam) 1987. (= Reclams Universal-Bibliothek 7691).
- „Märchen und Mythen”. Hg. von Wolfgang Werner. Reinbek (Einhorn-Presse) 1987.
- „Und über uns der grüne Zeppelin. Essener Tagebuch”. Hamburg (Rigodon) 1987. (= Schreibheft Sonderdruck 4).
- „Gauguins Bretagne. Ein Tagebuch”. Mit Illustrationen von Paul Gauguin. Hamburg (Ellert & Richter) 1988.
- „Hundert Gedichte. Alexandrinische Sonette, Terzinen, Couplets u. a. Verse in strenger Form”. München, Wien (Hanser) 1988.
- „Lauter Limitrofs, Nachbarn aus der Provinz für morgen”. Festrede anlässlich der Erweiterung der „Charte de coopération universitaire SAAR-LOR-LUX” um die Universitäten Arlon, Kaiserslautern und Trier am 26. Februar 1988 in Metz. Saarbrücken (Universität des Saarlandes) 1988.
- „Mainz, bewegte Stadt”. Mit Illustrationen von Karlheinz Oswald. Mainz (Schmidt) 1989.
- „Mainzer Moskitos. Tagebuch des Stadtschreibers”. Mit Zeichnungen von Hans Dahlem. Landau/Pfalz (Pfälzische Verlagsanstalt) 1989.
- „Gnädige Frau, Ihr Weihnachtsmenü 1990”. Zusammen mit Margarethe Bacher und Claudia Pomofski. Hg. von Monika Beck. Homburg-Schwarzenacker/Saar (Edition und Galerie Beck) 1990.
- „Die neue saarländische Freude. Ein Lesebuch über die gute Art zu leben und zu denken”. Frankfurt/M. (Fischer) 1990. (= Fischer Taschenbuch 10535).
- „Raus aus dem Dreck”. Zusammen mit Pit Kinzer. Hg. von Monika Beck. Homburg-Schwarzenacker/Saar (Edition und Galerie Beck) 1990.
- „Shakespeares Land. Eine Reise durch Mittelengland”. Mit Fotografien von Walter Mayr. Hamburg (Ellert & Richter) 1990.
- „Weh dem, der aus der Reihe tanzt. Roman”. München, Wien (Hanser) 1990.
- „Die Hortensien der Frau von Roselius. Eine Novelle”. München, Wien (Hanser) 1992.
- „Der Uhrwerker von Glarus. Erzählungen”. München, Wien (Hanser) 1993.
- „Das weiße Blatt oder Wie anfangen?”. Mit dem ersten Kapitel eines neuen Romans von Ludwig Harig. Bearbeitet von Friedrich Pfäfflin. Marbach am Neckar (Deutsche Schillergesellschaft) 1994. (= Marbacher Magazin 68).
- „Bilder des Sommers wechselnd. Johannes Kühn als Maler”. Rede zur Eröffnung einer Ausstellung mit Bildern von Johannes Kühn 1994. Warmbronn (Keicher) 1995.
- „Das Saarland”. Zusammen mit Siegfried Layda. Hamburg (Ellert & Richter) 1996.
- „Wer mit den Wölfen heult, wird Wolf. Roman”. München, Wien (Hanser) 1996.
- „Simplicius Simplizissimus. Ein Hörspiel”. Hg. von Christine Paar. Frankfurt/M. (Lang) 1997. (= Trouvaillen 15).
- „Spaziergänge mit Flaubert. Reisegeschichten”. München, Wien (Hanser) 1997.
- „Der Wiedergeborene. Reportagen”. Heidelberg (Wunderhorn) 1997.
- „Eier und Bücher. Das Buch des Bibliothekartags”. Zum 88. Bibliothekartag in Frankfurt/M. 1998. Mit Holzschnitten von Anne Büssow. Wuppertal (Edition Schwarze Seite) 1998.
- „Pelés Knie. Sechs Verführungen”. München, Wien (Hanser) 1999.
- „Reise mit Yoshimi. Japanische Reportagen”. Lüneburg (Zu Klampen) 2000.
- „Kreter und Pleter. Tagebuch einer Reise nach Kreta”. Mit Fotos von Alfred Diwersy. Blieskastel (Gollenstein) 2001.
- „Zarte Liebe fesselt mich. Das Liederbuch der Fürstin Sophie Erdmuthe von Nassau-Saarbrücken”. Teiledition. Mit Nachdichtungen von Ludwig Harig. Hg. von Wendelin Müller-Blattau. Saarbrücken (Institut für Landeskunde im Saarland) 2001. (= Veröffentlichungen des Instituts für Landeskunde im Saarland 39).
- "Im Geschwirr der Espenblätter. Lieder und Balladen". Blieskastel: Gollenstein, 2002
- "Und wenn sie nicht gestorben sind. Aus meinem Leben." München: Hanser, 2002
- "Da fielen auf einmal die Sterne vom Himmel. Begegnungen mit Dornröschen und dem Eisenhans - eine Märchenreise im Jugendstil." Lüneburg: zu Klampen, 2002
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| Beiträge: |
- „Das Fußballspiel”. In: Ein Tag in der Stadt. Hg. von Dieter Wellershoff. Köln (Kiepenheuer & Witsch) 1962. S. 118-167.
- „Metamorphosen”. In: Lyrische Hefte. 1966. H. 28. S. 4 f.
- „Porträt G. B”. In: Centaur. Almanach der Galerie im Centre 1965/66. Hg. von Heinz Raumschüssel. Göttingen 1966. S. 63.
- „Permutationen: Quadrate, Ausstellungseröffnung”. In: Außerdem. Deutsche Literatur minus Gruppe 47 gleich wieviel. Hg. von Hans Dollinger. München (Scherz) 1967. S. 129-130.
- „Guten Tag, Herr Hitler”. In: Kürbiskern. 1967. H. 4. S. 149-152.
- „der monolog der terry jo”. (Mit Max Bense). In: Neues Hörspiel. Hg. von Klaus Schöning. Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1969. S. 57-91.
- „brot fürs ohr”. In: Neues Hörspiel. Essays, Analysen, Gespräche. Hg. von Klaus Schöning. Frankfurt/M. (Suhrkamp) 1970. S. 202-208.
- „Familienähnlichkeiten und Entstehung einer Wortfamilie”. In: Akzente. 1970. H. 1. S. 21-25.
- „11 von 13 decollagen”. (Mit Reinhard Döhl). In: Richard Wagner, stunden lecker. Hg. von Jochen Lobe. Hof (Verlag für neue Literatur) 1970.
- „wir wollen wulle ludwig harig”. In: Aller Lüste Anfang. Zusammengest. von Dieter Hülsmanns und Friedolin Reske. Stierstadt (Eremiten-Presse) 1971.
- „Lektion vom Nutzen der Wörter”. In: Akzente. 1972. H. 5. S. 449-457.
- „Morgenwind und Gockelhahn. Schulkinder übersetzen französische Gedichte”. In: Akzente. 1974. H. 2. S. 161-165.
- „Einmalig und doch anders”. In: manuskripte. 1974. H. 45. S. 57.
- „Das süße Gift der roten Lehrer”. In: Birne und kein Ende. Herrenberg 1974. S. 12-13.
- „Alle machen alles”. In: Neue Expeditionen. Deutsche Lyrik von 1960-1975. Hg. von Wolfgang Weyrauch. München (List) 1975. S. 138-141.
- „Körperhaltung”. In: Akzente. 1975. H. 5. S. 429-433.
- „Mein realistisches Geschäft”. In: SALZ. Salzburger Literatur-Zeitung. Dezember 1975. H. 2.
- „Mein realistisches Geschäft (I)”. In: Realismus - welcher? Sechzehn Autoren auf der Suche nach einem literarischen Begriff. Hg. von Peter Laemmle. München (edition text + kritik) 1976.
- „Mein realistisches Geschäft (III)”. In: SALZ. Salzburger Literatur-Zeitung. Mai 1976. H. 4.
- „Die Harmonie der Widersprüche. Eine kleine saarländische Sprachkunde”. In: Akzente. 1976. H. 2. S. 154-157.
- „Rousseau besucht Diderot im Turme von Vincennes”. In: Tintenfisch 9. Berlin (Wagenbach) 1976. S. 64-95.
- „Rousseau und Emil gehen in die Natur”. In: Neue Rundschau. 1976. H. 3. S. 416-428.
- „So sind die Saarbrücker: die Saarbrücker sind nicht so”. In: Saarbrücken. Fotos von Hermann Weisweiler. Frankfurt/M. (Weidlich) 1977.
- „Rede über die Notwendigkeit der Luftkutscherei”. In: Akzente. 1979. H. 1/2. S. 212-221.
- „Max und Moritz, unverdrossen. Eine persönliche Betrachtung der Literatur in den fünfziger Jahren”. In: Vom ,Kahlschlag’ zu ,Movens’. Hg. von Jörg Drews. München (edition text + kritik) 1980. S. 90-96.
- „Übersprungene Symmetrien. Die Geschichte zweier Nietzsche-Porträts”. In: Literaturmagazin 12. Hg. von Jürgen Manthey. Reinbek (Rowohlt) 1980. S. 126-140.
- „Muskeln und Moral. Lobrede auf Hans Zender”. In: Kunstpreis des Saarlandes. Saarbrücken (Saarbrücker Druckerei und Verlag) 1980.
- „Ein deutsches Narrenspiel”. In: Zurück zur Narrtur. Materialien und Dokumentation. Duisburger Akzente 1981. Im Auftrag der Stadt Duisburg hg. von Karl Riha. Duisburg 1981. S. 83-99.
Weitere unzählige Beiträge in Hörfunk, Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften. Eine genaue Bibliographie bietet Werner Jung: "Bibliographie Ludwig Harig". Bielefeld: Aisthesis, 2002 |
| Übersetzungen: |
- Guillaume Apollinaire: "Am grünen Ufer in Rolandseck. Gedichte". Aus dem Französischen von Ludwig Harig. Mit Radierungen von Hans Dahlem. Kaiserslautern (Vereinigung Pfälzer Kunstfreunde) 1991.
- "Die Weihnachtsgeschischt". Ins Saarländische übertragen von Ludwig Harig. Saarbrücken (Lehnert) 1995.
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| Herausgeber: |
- „Ich nehme an, daß mein Vater sagt. Aufsätze von Volksschülern”. Hg. von ihrem Lehrer Ludwig Harig. München (Hanser) 1971.
- „Und sie fliegen über die Berge, weit durch die Welt. Aufsätze von Volksschülern”. Hg. von ihrem Lehrer Ludwig Harig. München (Hanser) 1972. (= Reihe Hanser 100).
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| Mitherausgeber: |
- „Netzer kam aus der Tiefe des Raumes. Notwendige Beiträge zur Fußballweltmeisterschaft”. Hg. von Ludwig Harig und Dieter Kühn. München (Hanser) 1974. (= Reihe Hanser 146).
- „Händedruck. Neue Gedichte aus Luxemburg”. Hg. zusammen mit M. Krüger. Andernach (Atelier-Verlag) 1981.
- „Hans Dahlem und die Poesie”. Hg. von Ludwig Harig und Andrei Miron. Mit Texten von Guillaume Apollinaire. Illustrationen von Hans Dahlem. Saarbrücken (SDV) 1998.
- "Französisch heitres Tageslicht. Deutsche Schriftsteller reisen nach Frankreich." Hg. von Ludwig Harig, Herbert Heckmann und Fred Oberhauser. Edenkoben: K.F. Geißler, 2001
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| Tonträger: |
- „Deutsch für Deutsche. Eine Lehrstunde politischer Gemeinschaftskunde”. Aus dt. Lauten zusammengeschnitten und dt. nachempfunden von L. H. und Michael Krüger. Berlin (Wagenbach) 1975. (= Quartplatte 14).
- „Staatsbegräbnis I und II”. Lichtenberg (Ramm) 1975.
- „Ludwig Harig spricht”. Schallplatte der Buchhandlung Bock & Seip. Saarbrücken 1977.
- „Rousseau”. München (Hanser) 1978.
- „Der Gott aus der Maschine. Eine Weihnachtsgeschichte”. Saarbrücken 1979.
- „Staatsbegräbnis 1 und 2 - Konrad Adenauer und Walter Ulbricht. 2 Collagen”. Produktionsjahr 1974/75. CD. Stuttgart (Klett) 1988.
- „Ludwig Harig liest Kreter und Pleter. Tagebuch einer Reise nach Kreta”. 3 CDs. Blieskastel (Gollenstein) 2
Tonbandkassetten
- „Sprechstunden für die schöne bunte Kuh”. Düsseldorf, München (S Press Tonband Verlag) o. J. (= No. 12). „Ordnung ist das ganze Leben”. München (Hanser) 1986.
- „Drei Männer im Feld”. Stuttgart (Klett-Cotta) 1987. (= Cotta’s Hörbühne).001.
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| Stücke: |
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| Filme: |
- „Das ABC von Fenétrange”. Saarländischer Rundfunk. 1972.
- „Tief unten windet sich die Saar”. Saarländischer Rundfunk. 1973.
- „Man kann nicht mehr auf allen Vieren gehen”. Saarländischer Rundfunk. 1978.
- „Brennender Berg - rauchende Lydia”. ZDF. 1980.
- „Staubperle - Kleineleuteperle”. Südwestfunk. 1987.
- „Zu ergründen die eigene Heimkehr”. ZDF. 1987.
- „Arm Saarvögelein - reich Saarvögelein”. Südwestfunk. 1987
- „Mainzer Feste”. ZDF. 1989.
- „Ordnung ist das ganze Leben. Mit Ludwig Harig auf den Feldern von Verdun”. Westdeutscher Rundfunk. 1996.
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| Videos: |
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| Rundfunkbeiträge: |
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| Fernsehbeiträge: |
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| Hörspiele: |
- „Das Geräusch”. Süddeutscher Rundfunk. 1963.
- „Das Fußballspiel”. Saarländischer Rundfunk / Südwestfunk. 1966.
- „Les Demoiselles d’Avignon”. Süddeutscher Rundfunk / Saarländischer Rundfunk. 1967.
- „Starallüren”. Saarländischer Rundfunk / Süddeutscher Rundfunk. 1967.
- „Ein Blumenstück”. Saarländischer Rundfunk / Süddeutscher Rundfunk / Südwestfunk / Hessischer Rundfunk. 1968. Neuproduktion: Norddeutscher Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk. 1979.
- „Der Monolog der Terry Jo”. (Mit Max Bense). Süddeutscher Rundfunk / Bayerischer Rundfunk. 1968.
- „Haiku Hiroshima”. Saarländischer Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk. 1969.
- „Staatsbegräbnis”. Saarländischer Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk. 1969.
- „Katzenmusik”. (Mit Peter Hoch). Saarländischer Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk / Bayerischer Rundfunk. 1970.
- „Fuganon in d”. Westdeutscher Rundfunk / Saarländischer Rundfunk. 1970.
- „Türen und Tore”. (Mit Jürgen Becker, Reinhard Döhl, Johann M. Kamps). Westdeutscher Rundfunk. 1971.
- „Hercule Poirots zwölf Arbeiten des Herkules”. Süddeutscher Rundfunk. 1971.
- „Versammelt euch, daß ich euch verkündige, was euch begegnen wird in künftigen Zeiten”. Westdeutscher Rundfunk / Saarländischer Rundfunk. 1971.
- „Darum sorget nicht für den anderen Morgen, denn der morgende Tag wird für das seine sorgen”. Westdeutscher Rundfunk. 1972.
- „Entstehung einer Wortfamilie”. Bayerischer Rundfunk / Westdeutscher Rundfunk. 1972.
- „Das Glück dieser Erde”. Norddeutscher Rundfunk. 1973.
- „Wahrlich, ich sage euch, dies Geschlecht wird nicht vergehen, als bis dieses alles geschehe”. Westdeutscher Rundfunk / Saarländischer Rundfunk / Hessischer Rundfunk. 1973.
- „Zeit und Raum verschwinden mit den Dingen”. Folge 1-7. Norddeutscher Rundfunk. 1974/75.
- „Dichten und Trachten, Gespräche aus dem deutschen Volks- und Geistesleben”. Folge 1-10. Norddeutscher Rundfunk. 1976- 1978.
- „Ein deutsches Narrenspiel”. Westdeutscher Rundfunk. 1977.
- „Warum kann ich nicht vom Truge in die Wahrheit übergehn”. Westdeutscher Rundfunk / Saarländischer Rundfunk. 1978.
- „Wer will haben, der muß graben”. Saarländischer Rundfunk. 1980.
- „Zitate sprangen vor mir auf dem Schreibtisch herum”. Norddeutscher Rundfunk. 1980.
- „Ein Fest für den Rattenkönig”. Westdeutscher Rundfunk / Saarländischer Rundfunk. 1981.
- „Willkommen und Abschied”. Norddeutscher Rundfunk. 1983.
- „Simplicius Simplicissimus”. Teil 1-8. Sender Freies Berlin / Westdeutscher Rundfunk. 1984.
- „Till Eulenspiegel”. Teil 1-7. Sender Freies Berlin / Norddeutscher Rundfunk. 1984.
- „Kriegsende”. Westdeutscher Rundfunk / NCRV Hilversum. 1985.
- „Drei Männer im Feld”. Westdeutscher Rundfunk. 1986.
- „Amol is gewejn a Jiddele”. Zusammen mit Espe. Westdeutscher Rundfunk. 1988.
- „Rousseau und Robespierre tanzen unter dem Freiheitsbaum”. Westdeutscher Rundfunk. 1989.
- „Voraus ins Blaue. Unmögliches Interview mit Jean Jacques Rousseau”. Südwestfunk. 1991.
- „Guanahani oder Was sind das für Menschen?”. Westdeutscher Rundfunk / RIAS Berlin. 1992.
- „Drei Sonette”. Westdeutscher Rundfunk. 1992.
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| Fremdsprachlich: |
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| Sonstiges: |
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Aus dem literarischen Schaffen
Textprobe:
kanzlerwort
wir sind wieder wer
wir sind wer wieder
wir wieder sind wer
wir wieder wer sind
wir wer sind wieder
wir wer wieder sind
sind wir wieder wer
sind wir wer wieder
sind wieder wir wer
sind wieder wer wir
sind wer wir wieder
sind wer wieder wir
wieder wir sind wer
wieder wir wer sind
wieder sind wir wer
wieder sind wer wir
wieder wer wir sind
wieder wer sind wir
wer wir sind wieder
wer wir wieder sind
wer sind wir wieder
wer sind wieder wir
wer wieder wir sind
wer wieder sind wir
Aus: im men see
Wolfgang Fietkau Verlag, Berlin 1969
Things to come
Für Dizzi Gillespie
1952
Tausend Fackeln tragen Brand
- nichts dergleichen ihres Fleißes -
schon ist jede Stadt ein heißes
rotes Haus am Kraterrand.
Geigen kreischen, Trommeln irrn,
wilde Jazztrompeten fetzen,
Finger auf Gitarren hetzen,
abgetrennt von Rumpf und Hirn.
Einer in die Nacht hinaus
- Erd und Himmel im Gesichte -
wendet sich vom heißen Lichte:
hell in Flammen steht das Haus.
Sterne kreisen ihre Bahn,
alle Finger aufwärts fassen,
Füße stehn in Magmamassen,
unten brodelt der Vulkan.
Und ein andrer geht hinein,
öffnet Tor dem Lavastrome,
um beim Tanze der Atome
mit dabei zu sein.
Aus: Hundert Gedichte
Carl Hanser Verlag, München 1988
Der Schimmel Falada
Als ich eines Tages zu nahe an das eiserne Tor des Schlachthauses geraten war und sehen musste, was ich nicht fassen konnte, war auch niemand da, der mich an die Hand genommen und es mir erklärt hätte. Das Tor war nur angelehnt, ich drückte dagegen, und es sprang vollends auf. Da sah ich den Schimmel vom Fuhrmann Andes an einen Ring gekettet, ein Mann in blauweiß gestreiftem Kittel hielt dem Schimmel einen Bolzen an die Stirn, und als es nun plötzlich in dem Bolzen ein kurzes, trockenes, gar nicht so lautes Knacken gab, stürzte der Schimmel in sich zusammen, und ich hörte, wie die Knochen auf den Boden schlugen. Der Schimmel fiel über seine Beine, die unten an den Hufen ganz gelb behaart waren, und es sah aus, wie wenn eine Marionette im Puppentheater plötzlich zusammenknickt. Ich stand wie angewurzelt da und sah mit an, wie der tote Schimmel an einer Winde hochgezogen und mit langen Messern ausgeweidet wurde. Herz und Nieren plumpsten in einen roten Eimer, die Därme quollen über den gekachelten Boden, die Metzger griffen tief in den Leib des Tieres und brachten immer neue Organe zum Vorschein. Als aber der Leib fast leer war und auch kein Blut mehr aus den Adern floss, klaffte der Kiefer des Schimmels auseinander, die großen, gelben Zähne bleckten aus dem Maul, und der Kopf des Schimmels vom Fuhrmann Andes war mit einem Male in den Kopf des Hengstes Falada aus dem Märchen von der Gänsemagd verwandelt. Ich schaute auf die Nüstern, die sich blähten, und auf die gelben Zähne, die sich auftaten, und hörte, wie der Schimmel sagte: "Wenn das deine Mutter wüsste, das Herz tät' ihr zerspringen." Ich habe meine ganze Kindheit dort am Schlachthaus verbracht, habe die Kühe und die Schafe von der Rampe oberhalb der Schutthalde aus den Güterwagen stolpern und durch das Hürdengatter in den Schlachthof eilen sehen, ich habe die Kühe brüllen, die Schafe blöken und die Schweine in ihrer Todesangst schreien gehört, aber erst, als ich den Hengst Falada des Fuhrmanns Andes sprechen hörte, war ich gerettet.
Aus: Weh dem, der aus der Reihe tanzt. Roman. Carl Hanser Verlag, München 1990
Der Mensch I
Begehrlich schaut der Mensch. Ist dieser Blick platonisch?
Die Rätsel der Natur hat er sich auserkoren,
und Neugier plagt sein Hirn, den harten Kern zu bohren,
wo sie geborgen sind, verschleiert und dämonisch.
Er bricht die Schale auf. Der blanke Kern, plutonisch,
solange widersteht, bis alle Drähte schmoren.
In diesen Orkus schaun die klugen Professoren:
ein Haupt, sie spalten es, betrachtet sie gorgonisch.
Ist es der Forschertrieb, das Streben nach Erfindung,
der Drang nach immer mehr Entwicklung und Entbindung,
dass er ganz faustisch ruft: Im Anfang war die Tat?
Doch bleibt nichts mehr zu tun. In reiner Überwindung
gibt er sich schliesslich auf, verliert den Halt, die Bindung
und alles geht von selbst: der Mensch wird Apparat.
Der Mensch II
Noch fremd und unerforscht, im Ganzen amazonisch,
erzeugt das Menschenhirn aus Fakten und Faktoren
ein Arsenal der Macht: Maschinen und Motoren,
Gewerbe, Industrie: sein Forscherdrang ist chronisch.
Was einst elektrisch war, ist heute elektronisch.
Es braucht der Apparat nicht Nase, Mund und Ohren.
Gespeichert ist das All. In Mikroprozessoren
erwächst binäres Glück, gesteuert und harmonisch.
Die Neue Poesie verachtet die Empfindung.
Es dichtet der Magnet, die Wicklung und die Windung.
Hier im Elektrofeld regiert der Kupferdraht.
Zu Ende ist die Zeit mit Schöpfungsqual, mit Schindung,
und droht dem Dichter einst Verstummung und Erblindung:
die sterbliche Person ersetzt sein Automat.
Aus: Hundert Gedichte
Carl Hanser Verlag, München 1988