2.6. Arbeiter-Zeitung (KP)

 

1922

 

  1. Lehmann (?): Offener Brief an den katholischen Pastor in Mittelbexbach. BEF. Nr. 107, 29.5., S. 3
  2.  

    Anlaß des Schreibens sind Äußerungen des katholischen Pastors in der Schule. Er habe - als im Ort ein Geldbeutel gefunden und vom Finder abgegeben wurde - geäußert, daß Lehmann und Komplizen - wohl die örtlichen Kommunisten - das Geld nicht zurückgegeben hätten, wenn sie es gefunden hätten. Auf den Vorwurf der Indoktrinierung von Schülern folgt ein breiter Exkurs über die Verbrechen der katholischen Kirche, dann wieder dörfliche Anekdoten: Der Pastor habe eine Sammlung für die hungernden Kinder Rußlands abgelehnt, außerdem sei einer Arbeiterfrau die Absolution nicht erteilt worden, da ihr Mann die AZ lese. Diese werde sich aber dem Terror der Kirche nicht beugen, sondern zukünftig hoffentlich auch selbst die AZ lesen. Der Brief schließt mit der Beschwörung des Ideals von Wahrheit, Liebe und Gerechtigkeit gegen das pfäffische Wesen.

     

  3. Herrig, Georg (Herrensohr): Auf zur Wahl! Gedicht. Nr. 124, 19.6., S. 3
  4.  

    Das Gedicht stellt eine Aufforderung an die Arbeiterschaft dar, am 25. Mai zur Wahl zu gehen und mit den Pfaffen, Schlotbaronen und der ganzen Kapitalistenkumpanei aufzuräumen, indem sie die Kommunisten wählen. Es enthält darüber hinaus umfassende Anklagen gegen die kapitalistische Ordnung und ihre kirchlichen Helfershelfer.

     

  5. Biewald, Wolfgang: In der Strecke. Skizze (Erzählung). Nr. 163, 5.8., S. 3
  6.  

    Das kurze Prosastück beschreibt das Schichtende in einem Bergwerk. Zwei Bergleute, ein Hauer und ein Schlepper, sind unter Tage bei der Arbeit. Diese wird z.T. lyrisch-ästhetisierend dargestellt, zwischen den beiden Arbeitern findet keine Kommunikation statt, sie denken lediglich daran, letzten Monat unter dem Mindestlohn abgeschlossen zu haben, ihre heutige Arbeit noch rechtzeitig zu beenden und verfluchen im Geiste den Steiger. Herkunft des Autors unklar.

     

  7. Anonym: Ohne Titel. Dialog. Nr. 178, 23.8., S. 3
  8.  

    Gespräch zwischen den beiden Frauen Katchen und Luwis über Ladenpreise und Politik in saarländ. Dialekt. Katchen beschwert sich über die Preise, Luwis meint, daran seien sie selbst schuld, weil sie sich nicht um Politik kümmerten. Katchens Frage, was Frauen denn von Politik verstünden, wird mit dem Verweis auf die AZ als empfehlenswerter Lektüre beantwortet.

     

  9. Anonym: Der streitbare "Häär" von Erbach; Kommentierter Nachdruck der Stimmungsbilder aus dem Saargebiet von Kaplan Helfrich aus dem "Westricher Tagblatt". BEF. Nr. 196, 13.9., S. 3
  10.  

    Um den Arbeitern die "edle Seele" des Kaplans zu zeigen, wird ein Artikel von ihm über die Lage der saarländischen Bergarbeiter wiedergegeben. Der Kaplan beklagt die neue Zeit, in der die Arbeiter sich zur Herrschaft aufgeschwungen hätten, übermäßige Löhne erhielten und pflichtbewußte Beamte aus dem Betrieb getrieben hätten. Infolgedessen seien aber inzwischen Beamte und Angestellte nach oben gelangt, über die die Arbeiterschaft sich beklage, obwohl sie selbst für deren Aufstieg verantwortlich sei.

     

    1925

     

  11. Anonym: Kulturarbeit der Saarpresse. Gedicht. Nr. 186, 22.8., S. 3
  12.  

    Anspruchslose Spottverse auf Redakteure saarländischer Zeitungen: Einer sieht zu sehr nach den Weibern, einer verdrehe die Wahrheit und gebe sich national, wohl Max Braun, einer wird der Frankophilie bezichtigt.

     

  13. Anonym: Zur Einweihung des Friedrich-Ebert-Denkmals in Kaltnackig (Herrensohr). Gedicht. Nr. 202, 10.9., S. 3
  14.  

    Dem Reichspräsidenten Löbe in den Mund gelegte "Vater unser"-Parodie. Kritisiert wird die kapital- und militärfreundliche Burgfriedenpolitik der Sozialdemokraten.

     

  15. Anonym: Zur Denkmalseinweihung in Kaltnackig. Gedicht. Nr. 207, 16.9., S. 3
  16.  

    Abdruck von Auszügen aus einem Artikel der VS zur Denkmalseinweihung. Danach ironisierende Verse: Loebes Festrede in Kaltnackig. Dieser preist den Denkmalszement, der gleichwohl aus gestohlenem Sand und Kies bestehe, und Ebert, dessen Leistung es zu verdanken sei, daß selbst Hindenburg die Sozialisten akzeptiere, und wünscht sich für die Zukunft, daß zahlreiche Gesangsvereine den Ort beglücken mögen.

     

    1926

     

  17. Anonym: Ein Zwiegespräch zwischen dem Sepp und dem Hannes aus dem Primsthal. Dialog. Nr. 76, 1.4., S. 3
  18.  

    Sepp erzählt von seiner Beschäftigung in Nalbach, wo er an einer Wasserleitung arbeitet. Hannes Frage, ob auch er dort eingestellt werden könne, bleibt ungeklärt, dies hänge von der Laune des Betriebsleiters ab. Gearbeitet wird zu stündlichem Tarif von 3,40 Francs, die jedoch nicht jeder erreicht. Sepp erzählt vom Windjackenheinrich, der ein richtiger Kapitalsknecht sei und sich durch devote Arbeitshaltung auszeichne, dieser soll ehemals Offizier gewesen sein. Das Gespräch endet mit Hannes Ratschlag, sie sollten sich einen Ausschußmann anschaffen (Dialog).

     

  19. Tewes, Fr.: Wie ich Hausierer wurde. AB. Nr. 125, 5.6., S. 3
  20.  

    Der Ich-Erzähler verdingt sich wegen Verschuldung als Hausierer. Er verkauft Stecknadeln. Bei einfachen Menschen hat er Erfolg, die Herrschaften drohen mit Polizei, kaum entgeht er seiner Verhaftung.

     

  21. Anonym: Ein Arbeiter zu den Wahlen. Gedicht. Nr. 176, 3.8., S. 3
  22.  

    Gedicht zur Wahl: Da alle Parteien einschließlich der Sozialdemokraten ("die eigenen Brüder/mit ihrem Rosateint") Bürger- und Kapitalinteressen vertreten, bleibt für den Saar-Arbeiter nur die KPD als Alternative.

     

  23. Schwarz, Josef: Ein Brief des parteilosen Bergarbeiters Josef Schwarz (Ensdorf) aus Sojwetrußland. BEF. Nr. 194, 24.8., S. 3
  24.  

    Euphorischer Brief aus Rußland, wo Schwarz sich als Delegierter der Grube Velsen aufhält. Er besucht ein Gefängnis, Betriebe und eine Kirche. Nachdrücklich wird betont, daß in der Sowjetunion völlige Religionsfreiheit herrsche.

     

  25. Anonym (L.B./G. (SB)): Leiferde - Maria - Veen. Lektüre für christliche Arbeiter. Selbsterlebtes von L.B. und G. REP. Nr. 220, 24.9., S. 3
  26. Verelendung durch die "Dawesierung Deutschlands" ist der Ausgangspunkt; beschrieben werden kirchliche Wohlfahrtseinrichtungen, die verarmten Arbeitern nichts als schlechtes Essen, harte Arbeit und überreglementierte Tagesabläufe böten.

     

  27. Anonym: Ein Kumpelgespräch auf Grube Velsen. Dialog. Nr. 285, 11.12., S. 3
  28.  

    Pitter (SPD), Schorch (christl.) und Sepp (KPD) im Gespräch. Schorch sieht in Röchling und in Dr. Max von Vopelius (DSVP) deutsche Patrioten, die auch seine Interessen (gegen Frankreich) vertreten. Er wird von den beiden anderen belehrt, daß deutsche nicht besser als französische Kapitalisten sind. Ausgehend vom Beispiel des englischen Bergarbeiterstreiks kommt man zu dem Schluß, daß dem Kampf der Arbeiter internationale Solidarität not tue. Sepp kann die anderen überzeugen, daß auch die Sozialdemokraten nur Sonntagsreden halten. Vom Völkerbund sei keine Besserung der Lage zu erwarten, nur eine Einheitsfront der Arbeiter könne Abhilfe schaffen.

     

  29. Selzer, P.: Die Röchlings-Delegation nach Genf. Gedicht. Nr. 297, 25.12., S. 5
  30.  

    Röchling wird in dem Gedicht nationalistischer Tendenzen bezichtigt. Außerdem verfolge er nur das Ziel, die französische Herrschaft durch seine eigene zu ersetzen.

     

    1927

     

  31. Anonym: "Enthüllungen". Gedicht. Nr. 49, 1.3., S. 3
  32. Gereimte Erwiderung auf einen Artikel der Volksstimme, in dem die Sowjetregierung der Zusammenarbeit mit der deutschen Regierung bezichtigt wird.

     

  33. Ott, André: Rationalisierung. Schauspiel. Beginn: Nr. 116, 20.5., S. 3
  34.  

    Der Autor des Theaterstücks wird von der Redaktion als ein den Arbeitern des Saargebietes seit langen Jahren bekannter klassenbewußter Proletarier vorgestellt. In dem Vorspann wird zwar der Eifer des Genossen Ott gelobt, der sich unter schwierigsten Bedingungen marxistisches Wissen angeeignet habe, allerdings behält man sich vor, sein Theaterstück nach der Veröffentlichung noch auf seinen künstlerischen und revolutionären Gehalt hin kritisch zu überprüfen. Das Stück handelt von Ratio-nalisierungsmaßnahmen im Hüttenwerk N.. Hauptfigur ist der alte Bergarbeiter Karl, der mit 56 Jahren - wegen seines Alters - entlassen wird. Im ersten Akt erwartet die Familie den Vater. Dieser kommt nach Hause und erzählt von seiner Entlassung. In einem Monolog beklagt er sein Los, das seiner Kinder und die Lethargie der Arbeiter. Sein Sohn Peter erkrankt, wegen seiner Unterernährung setzt ihm eine Grippe schwer zu, die er sich zugezogen hat, als er bei einem Sanitätsrat im Regen vor der Tür stehen mußte. Der zweite Akt zeigt einen Dialog zwischen einem Arbeitslosen und einem Arbeiter. Der Arbeiter vertraut in die bürgerliche Gesellschaftsordnung und hat kein Verständnis für revolutionäre Parolen. Ein Szenenwechsel zeigt wieder Karls Familie: Zwei Söhne sind inzwischen gestorben. Karl selbst hat erkannt, daß es in der kapitalistischen Gesellschaftsordnung keine Befreiung gibt, nur der Sowjetstaat kann Hoffnung bieten. Seine Frau zweifelt noch, ob ein derart gottloses Leben nicht Sünde ist. Schließlich erkrankt auch sie. Der dritte Akt zeigt den Obmann des Betriebes im Gespräch mit Arbeitern. Er hat ein Schreiben der Gewerkschaftsleitung erhalten, in dem es heißt, daß trotz der Entlassungen ein Streik nicht möglich wäre, da Rücksicht auf die internationale Konkurrenzfähigkeit deutscher Betriebe genommen werden müßte. In Reaktion darauf wird auf einer Arbeiterversammlung die Revolution beschlossen. Abschließend sind Karl und seine Frau zu sehen, die sich um ein weiteres erkranktes Kind kümmern. Die Mutter hat diesem eine Apfelsine mitgebracht, die einer reichen Frau in den Rinnstein gefallen war. Im Moment größter Hoffnungslosigkeit hören die beiden die Klänge der Internationale von der Straße und sehen bewaffnete Arbeiter. Karl erstarkt wieder und schließt sich dem Kampf an.

     

  35. Anonym: Ein Streifzug durch die "Werkszeitung" der Neunkircher und Homburger Eisenkönige. BEF. Nr. 117, 21.5., S. 3
  36.  

    Zitate aus Werkszeitungen, die den sittlichen Wert der Arbeit betonen, werden mit bissigen Kommentaren versehen. Als besondere Dreistigkeit wird die Übernahme eines Freiligrath-Gedichtes gegeißelt ("Ehret die Arbeit!"). Grundtenor der Kritik ist der Vorwurf, daß die Arbeitgeber eine Idealisierung der Arbeit betrieben, anstatt mehr Lohn zu bezahlen, und daß diejenigen die Arbeit loben würden, die selber nie welche verrichtet hätten.

     

  37. Weber, Hugo (Hostenbach): Meine Eindrücke im roten Berlin. AB. Nr. 137, 17.6., S. 1
  38. Der Autor berichtet von einem Aufenthalt in Berlin, wo er an einer Demonstration der KPD teilgenommen hat.

     

  39. Arbeiter-Korrespondent 888: Die Lieblinge der Saar-Regierung. Dialog. Nr. 143, 24.6., S. 1
  40.  

    Arbeiter auf Grube Velsen werden vom Obersteiger angetrieben und beschimpft. Als dieser verschwindet, entwickelt sich ein Dialog zwischen Schorch (christlicher Gewerkschafter), Schang (SPD), dem parteilosen Pitt und Hannes (KPD), der wohl prototypisch vorführen soll, wie kommunistische Aufklärungsarbeit zu leisten ist. Den Vorwurf, daß die Kommunisten mit der Regierungskommission unter einer Decke steckten und die Gewerkschaften zerstören wollten, kann Hannes entkräften. Das Gespräch endet damit, daß die Arbeiter sich entschließen, der KPD beizutreten und auch ihre Ehefrauen von dieser Notwendigkeit zu überzeugen.

     

  41. Anonym (Pit.): Eine drollige Geschichte aus dem Saargebiet. Sketch (Anekdote). Nr. 156, 9.7., S. 2
  42.  

    Szene in den Redaktionsräumen der sozialdemokratischen Zeitung in Saarbrücken. Der Leitartikler M. Brill ringt nach Einfällen für die nächste Ausgabe. Ein Anruf, in dem glänzende Siege der Sozialdemokraten bei den Wahlen zur Luftreederei in Mecklenburg mitgeteilt werden, erlöst ihn von seinen Qualen und gibt Stoff für einen anti-kommunistischen Artikel. Dies hilft ihm auch darüber hinweg, daß er der gerade ein-getroffenen Arbeiter-Zeitung entnehmen muß, wieder als Nationalist verspottet worden zu sein.

     

  43. Arbeiterkorrespondent 98: Nalbacher Allerlei. Dialog. Nr. 175, 1.8., S. 3
  44.  

    Matz und Klos unterhalten sich über die Zustände in Nalbach. Matz erzählt, daß der Pastor die Feuerwehr aufgelöst habe, da er sie kommunistischer Umtriebe verdächtige. Überhaupt wisse man nicht so genau, wer eigentlich Pastor und wer Bürgermeister sei. Neu gegründet worden sei dagegen ein Kriegerverein, dessen Vorsitzender der einst radikale Merten geworden ist, offenbar ein ehemaliger Sozialist, der durch diese Postenvergabe korrumpiert wurde. Zum Schluß nimmt man sich vor, in Nalbach eine Abteilung des Rotfrontkämpferbunds zu gründen.

     

  45. Arbeiter-Korrespondent 472: Burbacher Hütte. Wege zur Neutralität. Dialog. Nr. 177, 3.8., S. 3
  46.  

    Gespräch zwischen Sepp und Hannes in der Frühstückspause am Hochofen. Das Gespräch kreist um einen möglichen Krieg gegen die Sowjetunion. Hannes versteht sich als neutral: Er habe genug vom letzten Krieg und werde sich aus einem weiteren raushalten. Sepp weist ihm nach, daß er im Ernstfall nicht neutral bleiben könne, sondern gezwungen würde, gegen die SU zu kämpfen. Die pazifistischen Parolen der "Volksstimme" (SPD) würden diese Zusammenhänge nur vernebeln. Was Not tue, sei die Gefahr zu erkennen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Hannes entschließt sich, die AZ zu abonnieren und am nächsten Sonntag zur Antikriegsdemonstration zu gehen.

     

  47. Arbeiter-Korrespondent 87: Armes Saarwellingen! Gedicht. Nr. 208, 7.10., S. 5
  48.  

    Der Gemeinderat von Saarwellingen hat beschlossen, in den Amtsgebäuden eine Zentral-heizung zu installieren. Zwei Angebote liegen vor, eines kommt von einem Kommunisten und ist billiger als das andere. Dies ändert sich auch nach einer neuen Ausschreibung nicht. Schließlich nimmt die Mehrheit (das Zentrum) unter Einschaltung des Baurats das teurere Angebot an. Das Gedicht endet mit einer Aufforderung, künftig nur noch Kommunisten ins Parlament zu schicken.

     

  49. Anonym: Der katholische Kumpel. Erzählung. Nr. 220, 21.10, S. 2
  50.  

    Ein katholischer Bergarbeiter muß seine Arbeitsleistung beständig vergrößern, um seine Familie ernähren zu können. Der sonntägliche Kirchenbesuch verschafft ihm erhebende Gefühle, auch die Pracht der Kirche bewundert er, ohne den Widerspruch zu seiner kläglichen Situation zu bemerken. Schließlich wird das Elend so groß, daß er mit seinen Kollegen zusammen streikt. Dabei fällt ihm ein kommunistisches Flugblatt in die Hände, in dem die Errungenschaften der SU dargestellt werden. Er und die anderen katholischen Arbeiter erkennen, daß sie ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen müssen. Sie beenden die Rede ihres Verbandsvertreters durch Zwischenrufe.

     

  51. Anonym (von einem Bergarbeiter): Wir streiken. Gedicht. Ebda.
  52.  

    Das Gedicht, angeblich von einem Bergarbeiter, beschwört den gemeinsamen Kampf der Arbeiterklasse gegen ihre Unterdrücker. Der einzelne zerschundene Prolet sei nichts, gemeinsam könne man aber das Rad drehen, das die Welt bewegt. Noch bestehe der Kampf darin, die Arbeit zu verweigern.

     

    1928

     

  53. Tewes, F.: In den Verließen des Bergmannes. REP. Nr. 6, 7.1., S. 4
  54.  

    Beschreibung einer Grubeneinfahrt, die der Autor offenbar als Journalist mitmacht. Stumm verrichten die Arbeiter ihr Tagwerk, schieben - Pferden gleich - Kohlewagen. Der zurückhaltende Ton vermittelt ein eindrucksvolles Bild vom bergmännischen Arbeitsalltag.

     

  55. G., R. (Gottschalk): Presseball. Was sozialdemokratische Arbeiter nicht wissen dürfen. BEF. Nr. 26, 31.1., S. 1
  56.  

    In der Burbacher Hütte schuften die Lohnsklaven. Zur gleichen Zeit beginnt auf dem Presseball die Nachtschicht der Bourgeoisie. Für 50 Francs Eintritt gibt man sich bei Sekt und Leckerbissen wohltätig. Mit dabei: Max Braun und seine Frau, Genossin Braun-Stratmann. Während diese heute voller Verachtung auf die Proletarierfrauen blicke, werde sie schon morgen in schlichter Kleidung um deren Stimmen werben. Durch den Kampf der Arbeiter solle diese Wohltätigkeit zum Teufel gejagt werden.

     

  57. G., R. (Gottschalk): Ein Nachwort zum Presseball. BEF. Nr. 32, 7.2., S. 2
  58.  

    Der Autor reagiert auf eine Kritik seines Artikels zum Presseball in der Volksstimme. Wer sich aufrege, werde wohl etwas zu verbergen haben. Ansonsten werden eine Reihe gängiger Vorwürfe gegen die Sozialdemokratie kompiliert und schließlich noch mit einem Marx-Zitat garniert.

     

  59. Schwarz, Georg: Stimmen aus der Tiefe. Namenlose Bergarbeiterdichtungen. BEF. Nr. 32, 7.2., S. 4
  60.  

    Der Autor kontrastiert Bergarbeiterdichtung mit bürgerlicher Literatur. Der Arbeitsalltag des Bergmannes disponiere diesen geradezu zum Schreiben, die stille Arbeit mache Grübler, Denker und Dichter. Innerhalb der Arbeiterdichter wird zwischen solchen mit Klassenstandpunkt und Freunden der Bourgeoisie unterschieden. Es folgen einige Beispiele zur Illustration, die allerdings wohl nicht aus dem Saarland stammen.

     

  61. Anonym: Ein Meister auf Grube Clarenthal, der durchdringt. Dialog. Nr. 48, 25.2., S. 5
  62.  

    Ein Meister von Grube Clarenthal sieht seine Hauptaufgabe darin, Arbeiter zu verdächtigen und beim Ingenieur anzuschwärzen. Schorsch weiß im Gespräch mit Pitter die Anekdote zu berichten, daß der Meister in seiner Urlaubszeit in der Zentralschmiede in ein Fenster gefallen sei. Mitschuld an diesem Verhalten treffe aber auch die Belegschaft, die keine Gegenmaßnahmen ergreife.

     

  63. G., R. (Gottschalk): Erlauchtes. Sketch (Anekdote). Nr. 50, 28.2., S. 1
  64.  

    Szene in der Redaktion der SPD-Zeitung. Der Chefredakteur liest die liebgewonnene "Landestante", wohl die Saarbrücker Landes-Zeitung (ein Blatt, das 1920 aus dem Zusammenschluß der beiden "feindlichen" katholischen Zeitungen "St. Johann-Saarbrücker Volkszeitung" und "Saarpost" entstanden ist). Zu seiner Überraschung entdeckt er einen Leitartikel, der sich kritisch gegen die Sozialdemokratie wendet. Er ruft bei dem Chefredakteur der Zeitung, dem Doktor (Johannes Hoffmann?), an und ermahnt ihn, daß die SPD auf diese Art und Weise ihrer historischen Mission, der Ablenkung der Arbeiterklasse von ihren Interessen, nicht gerecht werden könne. Man einigt sich darauf, die Sache abzubiegen, indem man den Artikel durch eine kommunistische Infiltration der Zentrums-Presse erklärt.

     

  65. Arbeiter-Korrespondenz: Das Profitsystem auf Grube Von der Heydt. Dialog. Nr. 54, 3.3., S. 3
  66.  

    Zwei Bergleute unterhalten sich in saarländischem Dialekt über ihre Arbeitsbedingungen. Das Gespräch kreist um die Unterschiede zwischen kapitalistischer und kommunistischer Rationalisierung, um mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen und um die fehlerhafte Berichterstattung der Saarbrücker Zeitung, die mit der Arbeiter-Zeitung verglichen wird.

     

  67. Anonym (H.D.): Arbeiter-Theater-Bund, Ortsgruppe Friedrichsthal-Saar. BEF. Nr. 88, 14.4., S. 3
  68.  

    Im ersten Teil des Artikels wird die Aufführung des Stückes "Mag auch die Liebe weinen" durch den Arbeiter-Theater-Bund-Friedrichsthal wohlwollend besprochen. Es schließt sich eine harsche redaktionelle Kritik an: Arbeiter müßten sich die Aufführung solcher Stücke durch ihre eigenen Organisationen verbitten. Durch sentimentale Rührstücke dieser Art würden Schund und Schmutz in die Reihen der Arbeiterbewegung eindringen, kritisiert wird auch der Verein in Ludweiler. Als Aufführungsempfehlung werden gegeben: Strzelwicz, Walter Troppenz, Berta Lask.

     

  69. Anonym: Aus dem Leben einer Saarbrücker Verkäuferin. AB. Nr. 91, 18.4., S. 3
  70.  

    Lebensbericht einer Verkäuferin in Ich-Perspektive. Gegen den Willen ihrer Mutter, die sie zur Serviererin machen wollte, wurde die Autorin Verkäuferin. Zunächst in einer Schnittwarenhandlung, wo hauptsächlich Personal aus herrschaftlichem Hause einkaufte. Davon weiß sie vornehmlich Positives zu berichten. Der Aufstieg zur Verkäuferin in einem der elegantesten Saarbrücker Geschäfte brachte einen Wechsel: Sie sieht sich jetzt den Launen bürgerlicher Frauen und tyrannischer Abteilungsleiter ausgesetzt.

     

  71. Anonym (E.G.): Aus dem Leben der Stenotypistin. AB. Nr. 97, 25.4., S. 3
  72.  

    Autorin beschreibt, wie sie sich bei einem Eisenwerk als Stenotypistin bewirbt. Wegen guter Referenzen erhält sie die Stellung, obwohl es 30 Anwärterinnen gibt. Das Gehalt beträgt 700 Francs im Monat, wovon man kaum leben könne. Die acht Mädchen, die in dem Raum arbeiten, werden von dem Bürovorsteher zu beständiger Arbeit angehalten. Die diktierenden Herren sind unwillig und grob. Abschließend wird beklagt, daß die Mehrzahl der Büroangestellten noch nicht zu proletarischem Bewußtsein gekommen sei, obwohl ihr Platz auf Seiten der Arbeiterklasse sei.

     

  73. Anonym: Zwischen den Puffern. REP. Nr. 102, 1.5., S. 5
  74. Beschreibung der nächtlichen Rangier-Arbeit am Saarbrücker Bahnhof, kurzes Gespräch mit dem Rangierleiter. Möglicherweise auch von Fr.Tewes (s. Nr. 1429)

     

  75. Anonym: Allerlei aus Von der Heydt. Dialog. Nr. 118, 22.5., S. 2
  76. Dialog zwischen Jaeb und Pitt in saarländ. Dialekt. Erzählt werden Anekdoten aus dem Arbeitsalltag und dem dörflichen Leben.

     

  77. Anonym: Wertunssingen Neunkirchen-Ottweiler. BEF. Nr. 127, 2.6., S. 2
  78.  

    Kritik des Wertunssingens im Saalbau Neunkirchen, an dem 15 Arbeitergesangvereine teilnahmen. Aufgelistet werden jeweils die gesungenen Lieder, dann folgt ein kurzer Kommentar. Besondere Häme erntet der SPD-nahe Volkschor "Einigkeit" aus Neunkirchen.

     

  79. Arbeiterkorrespondent 48: Soll Grube Altenwald ein Massengrab werden? REP. Nr. 151, 2.7., S. 7
  80.  

    Bericht von einem Unfall auf Grube Altenwald, der allerdings keine Opfer forderte. Zurückgeführt wird der Vorfall auf mangelhafte Sicherheitsvorkehrungen, diese wiederum auf die Profitsucht der Arbeitgeber. Schließlich wird zum gemeinsamen Kampf der Arbeiter aufgerufen.

     

  81. AK 64: Schachtanlage Calmelet, der Schrecken der Umgegend. REP. Nr. 155, 6.7., S.3
  82.  

    Calmelet, unweit der Grube Louisenthal gelegen, wird als Wahrzeichen des französischen Kapitalismus dargestellt. Während der Direktor, ein Herr Rosenbeck, den Wahlspruch "Ordnung, Sicherheit, Leistung" auf seine Türe geschrieben habe, herrsche tatsächlich das genaue Gegenteil: Kein Tag ohne Arbeitsunfall. Abhilfe schaffen könne nur die Organisierung der Arbeiter in der KPD. Vgl. Nr. 1096.

     

  83. Niebergall, Philipp: "..Ich schäm’ mich bald meiner Heimat!". Bericht über den Spaziergang meiner Frau und mir am Sonntag, den 8. Juli 1928. REP. Nr. 162, 14.7., S. 3
  84.  

    Am 8. Juli sollte in Saarbrücken eine Demonstration des Roten Frontkämpferbundes mit überregionaler Beteiligung stattfinden, die durch die Völkerbundkommission verboten wurde und offenbar durch massiven Einsatz von Sicherheitskräften verhindert werden sollte. Der Bericht von Niebergall stellt Übergriffe von Landjägern gegen z.T. unbeteiligte Zivilisten dar. Die Berichte von Arbeiterkorrespondenten ("Ein ehemaliger USP-Mann als Landjäger", ebda. und "Der 8.Juli und die Burbacher Hütte") thematisieren ähnliche Vorfälle am selben Tag.

     

  85. Anonym: Zum 8. Juli. Gedicht. Nr. 164, 17.7., S. 3
  86. Mit dem Gedicht wird gegen das Vorgehen der Polizei am 8.Juli protestiert.

     

  87. Anonym: Der einsame Bergmann. Erzählung. Nr. 174, 28.7., S. 7
  88.  

    Franz Berger ist in die Jahre gekommen. Zwar erwägt er, sich krank schreiben zu lassen, arbeitet aber mit Rücksicht auf seine Familie weiter. Er wird von unliebsamen Gedanken gequält. Ein Unfall, bei dem ein junger Kollege verletzt wird, wird ihm angelastet, ohne daß etwas bewiesen werden könnte. Danach schikaniert ihn der Steiger, Berger ist der Situation nicht gewachsen und stirbt in Folge eines Unfalls.

     

  89. Anonym: Mer sinn bankrott! Gedicht. Nr. 199, 27.8., S. 3
  90. Spottverse auf einen St. Ingberter Finanzskandal (in Dialekt).

     

  91. Anonym (C.M.): Der Finanzskandal von St.Ingbert. Gedicht. Nr. 207, 5.9., S. 5
  92.  

    Gedicht zum Finanzskandal in St. Ingbert, bei dem sechs Millionen Reichsmark verloren gegangen sein sollen. Während die Kommunisten Rechenschaft forderten, versuche die SPD in Einvernehmen mit der Stadtverwaltung den Skandal zu vertuschen.

     

  93. Anonym: Ein Zwiegespräch. Eine Nachricht von Brettar Karl. Dialog. Nr. 224, 25.9., S. 1
  94.  

    Jäb erzählt Willem von seinem Urlaub in Hamburg. Dort habe er Brettar Karl getroffen, offenbar einen sozialdemokratischen Arbeiter. Dieser war zuvor aus Saarbrücken verschwunden. In Hamburg arbeitet er jetzt als Monteur. Auf Jäbs Frage, ob er am neuen Panzerkreuzer mitbaue, errötet er. Willem und Jäb entschließen sich, aus der SPD aus- und in die KPD einzutreten.

     

  95. Anonym (E.K.): Kämpfe zu Hause! Gedicht. Nr. 235, 7.10., S. 5
  96.  

    Nachdruck eines Gedichtes aus dem SB-Abendblatt. In dem Gedicht wird einer kritischen Haltung zum Völkerbund und zu Abrüstungsbeteuerungen von England und Frankreich Ausdruck verliehen und zum Kampf im eigenen Land aufgerufen. Im Kommentar wird gefragt, was wohl Landestante und Röchlingonkel zu dieser Ent-gleisung sagen werden.

     

  97. AK 401: Zwiegespräch zweier Kumpels von Reden. Dialog. Nr. 247, 21.10., S. 5
  98.  

    Gespräch über Erhard, eine Aufsichtsperson in der Grube. Der ist im Kriegerverein, hat seine Position aber doch durch Opportunismus gegenüber den Franzosen erreicht. Sein Nationalismus sei nichts als eine Rückversicherung für den Fall einer Rückgliederung des Saargebiets.

     

  99. Anonym (Hans.): Arbeiter-Theaterspieler. BEF. Nr. 252, 27.10., S. 3
  100.  

    Artikel zu einem Kritik-Spiel des Saar-Arbeiter-Theater-Bundes. Anwesend waren vier Ortsgruppen: Obermiesau ("Der Wagen"), Elversberg ("Der Renegat"), Neunkirchen ("Die Arbeiterhände"), Friedrichsthal ("Zum Tode verurteilt"); die schauspielerische Leistung scheint sehr unterschiedlich ausgefallen zu sein. Kritisiert wird schließlich noch die Auswahl der Stücke, das Stück "Arbeiterhände" wird gar als kleinbürgerlicher Kitsch bezeichnet. Der Autor stellt fest, daß es außer den acht im Theater-Bund organisierten Ortsgruppen noch eine ganze Reihe nicht-angeschlossener Arbeiter-Theater- und Agitationsgruppen gäbe.

     

  101. Anonym: Zwiegespräch am Schacht. Dialog. Nr. 252, 27.10., S. 4
  102.  

    Gespräch vor der Einfahrt während eines Stromausfalls über Arbeitsbedingungen und -kollegen. Aufstieg zu einer Steigertätigkeit könne nur durch Schinden von Proleten und Opportunismus gegenüber den Franzosen erreicht werden.

     

  103. Anonym (W.R.): Arbeiter-Theaterspieler. Rote Matrosen in Ludweiler. BEF. Nr. 257, 3.11., S. 2
  104.  

    Der Arbeiter-Theaterbund spielte Bruno Möllers Revolutionsstück vor vollem Haus. Zuvor gab der gerade aus der Lerchesflur entlassene Reinhard eine historische Einleitung. Das Stück zeigt das Elend des Krieges und den Beginn der Revolution.

     

  105. Anonym: Zum kommenden Lichtfest in Saarbrücken. Gedicht. Nr. 258, 5.11, S. 3
  106.  

    Anlaß für die Gedichteinsendungen ist wohl eine Aktion der Saarbrücker Verkehrs-betriebe. Das Gedicht kontrastiert unter Verwendung von Licht- und Schatten-metaphorik das Leben der Elenden mit dem der Satten.

     

  107. Anonym: Fünfhundert Meter unter uns! Gedicht. Nr. 259, 6.11., S. 3
  108.  

    Gedicht über den Kumpel, der 500 Meter unter uns schuftet und bei mühsamer Arbeit lediglich Aussicht auf ein armseliges Alter hat, so daß ihm nur der Ausweg bleibt, die Hacke ins Genick seines Feindes zu rammen.

     

  109. AK 602: Ein Zwiegespräch um Mitternacht an Obermanns Eck. Dialog. Nr. 276, 27.11., S. 5
  110.  

    Gespräch zwischen Lud und einem Landjäger. Der Landjäger will wissen, wo Frau B. wohnt. Lud meint, das wisse er wohl selbst am besten, der Landjäger aber versichert, daß andere Landjäger immer dort hingingen, ihm dies aber angelastet werde. Sie beobachten einen zweiten Landjäger, wie er ins Haus der Frau B. gehen will, seine Absicht aber - als er sich beobachtet sieht - unausgeführt läßt.

     

  111. Anonym (ein Arbeitsloser): Zum Lichtfest in Saarbrücken. Gedicht. Nr. 281, 2./3.12., S. 5
  112.  

    Ähnlich dem Gedicht 1455 werden Arme und Reiche einander gegenübergestellt. Für Geld gibt es Licht - die anderen stehen im Schatten; besser wäre es gewesen, man hätte der Armen gedacht.

     

  113. Anonym (O.C.): Zum Lichtfest. Gedicht. Nr. 283, 5.12., S. 2
  114.  

    Die unzähligen Lichter, die in der Nacht aufleuchten, vermag doch nur einer zu schaffen: der Arbeiter. Trotzdem muß er im Dunkeln hausen. Wer aber solches schaffen kann, dem muß auch die Befreiung gelingen.

     

    1929

     

  115. Anonym: Nalbacher Allerlei. Dialog. Nr. 37, 13.2., S. 3
  116.  

    Matz, Weiss und Klos unterhalten sich über die Aktivitäten des Kriegervereins Nalbach. Es wird über die Honoratioren gespottet und festgestellt, daß die größten Hurra-Patrioten im Krieg die feigsten Soldaten waren. Es folgt die notorische Konsequenz, daß kommunistische Organisierung notwendig ist.

     

  117. Joecklé, Robert: Gedenktag der Katastrophe am 26. März vom Schacht Remeaux-Merlebach. Gedicht. Nr. 73, 27.3., S. 5
  118. Gedicht zur Grubenkatastrophe.

     

  119. Anonym (Mephistopheles): Saarabische Dichteritis. Eine Blütenlese karfreitäglicher, lenznacht-idyllischer, osterfestlicher Ergüsse christlich-sozialdemokratischer Dichterlinge. BEF. Nr. 78, 4.4., S. 3
  120.  

    Gedichte zum Osterfest aus verschiedenen saarländischen Zeitungen, von Albert Korn, Gertrud Lemke, Ruth Schumanns, Kurt Block, Wolfgang Federau und Kurt Haage, werden als Beispiele für Feld-, Wald- und Wiesendichtung präsentiert, die soziale Unterschiede verschleiere: Das Osterfest des Proletariers ist noch nicht gekommen.

     

  121. Anonym: Der rote Saargänger. Eine wahre Begebenheit. Gedicht. Nr. 87, 14./15.4., S. 5
  122.  

    Gedicht in Dialekt: Sepp wohnt im Deutschen Reich und arbeitet in Frankenholz. Doch die Francs, die er verdient, reichen nicht zum Leben. Durch Radfahren versucht er, Fahrgeld zu sparen. Da er müde und abgespannt ist, kommt es dann in der Grube zu einem Arbeitsunfall.

     

  123. Anonym: Matz und Sepp aus Bettingen. Dialog. Nr. 108, 11.5., S. 5
  124.  

    Sepp ist kommunistischer Arbeiter, Matz ein Bauer. Sepp wirft dem Matz vor, daß die Bauern immer auf der Seite ihrer Unterdrücker stünden und sich von den örtlichen Priestern manipulieren ließen. Am Beispiel eines Geschenks für einen Bettinger Primizianer kann er Matz verdeutlichen, wie es um die eigentlichen Interessen der katholischen Kirche bestellt ist.

     

  125. AK 2: Ebbes von da Neikerjer Hitt! Gedicht. Nr. 123, 30./31.5., S. 5
  126. Gedicht zu Ausschußwahlen: Warnung vor den "Schmarotzern" - Meister und Beamte - und vor den christlichen, reformistischen und Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften.

     

  127. Anonym (ein Saarkumpel): Der Werkfaschist. Erzählung. Nr. 163, 17.7., S. 3
  128.  

    Jupp Fatums Clique ist ein verschworener Haufen, der wirksame Techniken entwickelt hat, unliebsame Steiger fertigzumachen. Besonderer Gegner ist der Bergschüler K.H, der ständig klug daherredet, den Kumpels den Kaffee austrinkt und den Tabak stiehlt und der ein Stahlhelmabzeichen trägt. Die Geschichte endet mit einem Sieg von Jupp Fatums Clique: Der Bergschüler erträgt das Spießrutenlaufen nicht mehr und kündigt. Trotz Angabe "ein Saarkumpel" ist die Herkunft aus dem Saargebiet etwas zweifelhaft.

     

  129. Anonym (Br., Alfred): Den toten Kameraden. Gedicht. Nr. 180, 6.8., S. 3
  130. Antikapitalistisches Gedicht zu einem Grubenunglück

     

  131. Anonym (R. K.): Hundert Jahre Stadt St.Ingbert. Gedicht. Nr. 188, 15./16.8., S. 5
  132.  

    Eine Festrede zum hundertjährigen Bestehen der Stadt wird immer wieder durch sozialkritische Zwischenrufe unterbrochen, der verunsicherte Festredner findet Rettung durch das Kommen des Sozialdemokraten R.

     

  133. Anonym (Gerte.): Verunglückter Waffentransport: Waffen geklaut! In Dillingen. Gedicht. Nr. 191, 20.8., S. 3
  134.  

    Nach Entlassungen bestellt die Werksleitung Waffen, um die Hütte zu schützen. Diese verschwinden, die Kommunisten werden verdächtigt. Die haben die Waffen aber nicht und brauchen sie nicht, denn sie stehen auf Seiten der Proleten.

     

  135. Anonym (Br., Alfred): Der Sklave vom Schacht. Gedicht. Nr. 202, 1./2.9., S. 5
  136. Gedicht: Arbeitssklaven bergen den schwarzen Diamant, werden aber um ihren Lohn betrogen. Warum lassen sie sich das immer noch gefallen?

     

    1930

     

  137. Heuer, Fr.: Die Teufelstruhe. Satirisches Lustspiel in drei Aufzügen von Gustav Burg (Erstaufführung durch Arbeitertheaterspieler im Saargebiet). BEF. Nr. 9, 11.1., S. 2
  138.  

    Die lobende Besprechung der Aufführung verbindet sich mit einer Kritik am Stand der Arbeiter-Theater-Kunst an der Saar. Bemängelt wird, daß immer noch zu viele bürgerliche Kitsch-Stücke aufgeführt werden und daß den Aufführungen der Klassen-standpunkt fehle.

     

  139. Anonym: Anna und Gret über die Mission. Dialog. Nr. 32, 7.2., S. 5
  140.  

    Während Anna die traditionelle religiöse Bindung verteidigt, prangert Gret die Praktiken der Kirche an: Den Armen predigt man das Evangelium und die Reichen fressen die Kotletten. Gegenstand der Kritik ist insbesondere die Sexualmoral der Kirche. Anna nimmt sich vor, künftig kommunistische Versammlungen zu besuchen.

     

  141. Anonym: Ein Prolet aus den Baracken der Großstadt Saarbrücken. REP. Nr. 37, 13.2., S. 3
  142. Erlebnisbericht aus Burbach: Proletarisches Elend, ein Kind stirbt, weil sich der Arzt nach Ende seiner Sprechstunde nicht mehr um kranke Arbeiter kümmern will.

     

  143. Barthen, Jakob: Justiz und Stahlhelmaufmarsch. Gedicht. Nr. 83, 8.4., S. 3
  144.  

    Gedicht zu einer Auseinandersetzung zwischen Kommunisten und Stahlhelmleuten: Während die wirklichen Landfriedensbrecher laufen gelassen werden, inhaftiert man die Kommunisten.

     

  145. Barthen, Jakob: Nun erst recht! Gedicht. Nr. 97, 27./.28.4., S. 3
  146. Zunehmende Arbeitslosigkeit ist Ausdruck "der Herrschaft derer, die nichts schaffen" und erfordert den Widerstand des Proleten.

     

  147. Anonym (Mty/Metty Schneider ?): Get eis me Lohn. REP. Nr. 102, 4./5.5., S. 3
  148.  

    Situation italienischer Bergarbeiter in den Bergwerken des Saar-Lor-Lux-Raumes: Diese leben wie Parias, noch schlechter als die anderen Lohnsklaven. Beschrieben wird dann ein wilder Streik im Jahr 1910, der schließlich unter Einsatz des Militärs beendet wurde, wobei drei Menschen zu Tode kamen.

     

  149. Anonym: Dein Blatt ist die AZ!; frei nach Sublimer. Gedicht. Nr. 122, 28.5., S. 3
  150.  

    Werbegedicht für die AZ, Spottverse auf Saarbrücker Zeitung ("Mit Volksgemeinschaft und Courths-Mahler verpestet sie noch manches Haus"), die katholische Zeitung ("Landestante") und die Volksstimme.

     

  151. AK: Das Ausbeuterregiment auf Murksgrube Velsen. REP. Nr. 144, 26.6., S. 3
  152.  

    Berichte von Schikanen auf Grube Velsen. Besonders Steiger Dahm, "ein berühmter deutscher Franzose", steht im Mittelpunkt der Kritik. Die Zustände in Velsen werden als Ausdruck einer Tendenz zur zunehmenden Unterdrückung der Arbeiter gewertet. Auch die "Gewerkschaftsbonzokratie" würde dagegen nichts tun, geworben wird für die Revolutionäre Gewerkschaftsopposition.

     

  153. Anonym: Sepp und Matz über Mussolini. Der Vorsteher von Bettingen. Dialog. Nr. 189, 17./18.8., S. 5
  154.  

    Gespräch über Bettinger Lokalpolitik, Sepp vertritt den kommunistischen Part. Baus, ein ehemaliger Mann der Arbeiter, habe jetzt für die Kürzung der Erwerbslosenunter-stützung gestimmt. Sein Sohn allerdings habe zu seiner Primiz einen Goldkelch erhalten (1464). Kohr, der Ortsversteher, Mussolini von Bettingen, paktiere mit dem Millionär Dittgen und schustere diesem Aufträge zu.

     

  155. AK: Proletarische Faust auf eine Revolverschnauze! Dialog. Nr. 222, 25.9., S. 3
  156.  

    Rangeleien zwischen Arbeitern und Vorgesetzten auf der Halberger Hütte. Ein Prolet greift den Betriebsleiter an. Von der Redaktion wird Verständnis geäußert, aber auch Kritik an der individualistischen Aktion geübt.

     

  157. Anonym: Em Matz und seiner Frau in’s Album. Gedicht. Nr. 250, 28.10., S. 3
  158. Dialektgedicht, in dem das luxuriöse Leben von Matz, wohl Max Braun, und seiner Frau angeprangert wird.

     

  159. Anonym: Trauerfeier in Maybach. Gedicht. Nr. 254, 1./2.11., S. 5
  160. Gedicht zur Beisetzung von Bergarbeitern, die bei einem Grubenunglück gestorben sind: Verlogene Reden der Honoratioren, wahre Trauer liegt im Treue- und Kampfschwur der Arbeiter.

     

  161. Anonym: Nazi-Stammtisch. Anekdote. Nr. 288, 13.12., S. 7
  162.  

    Ein Nationalsozialist erzählt seiner Frau, daß er zu einer Parteiversammlung gehe. Sie nimmt die Parteizeitung zur Hand und stellt fest, daß er tatsächlich zum Stammtisch "Hitler" ins Gasthaus Hemmerling gegangen ist. Er kommt mitten in der Nacht betrunken nach Hause.

     

  163. AK: Wer ausgelernt, fliegt....Wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing. REP. Nr. 289, 14./15.12., S. 5
  164.  

    Der Bäcker Georg Zimmer aus Altenwald entließ einen verwaisten Jungen, als er ihm nach jahrelanger Tätigkeit seinen Gesellenlohn auszahlen sollte. Vom Bürgermeisteramt wird er wieder an den Bäcker verwiesen, dieser bietet ihm 10 Francs Lohn pro Woche an. Der Artikel endet mit einem Boykottaufruf.

     

  165. AK: Wir Kommunisten lassen uns nicht kaufen! Geistliche drohen mit Hölle und Kerker (Lisdorf). REP. Nr. 298, 25./26.12., S. 7
  166.  

    Ein kommunistischer Arbeitsloser aus Lisdorf lehnt das Angebot des Pfarrers ab, seinen Kindern Schuhe zu kaufen, wenn er dafür wieder in die Kirche eintrete. Daraufhin wird die Familie von dem Pfarrer öffentlich verleumdet.

     

  167. AK: Landjäger stürmen einen Weihnachtsbaum. Die Bestien der Satten. REP. Nr. 299, 28./29.12., S. 5
  168.  

    Trotz Verbots demonstrierten am Neunkircher Stummdenkmal 10 Arbeiter mit einem Tannenbaum, der mit Plakaten behängt war. Landjäger stürmen die Demonstration und vertreiben unbeteiligte Passanten. Diese Aktion wird als Erfolg gewertet, die Landjäger werden als verblendete Klassenverräter angesehen.

     

    1931
    (Verbot vom 26. Februar bis zum 27. März)

     

  169. Barthen, Jakob: Fünfundsechzigtausend. Gedicht. Nr. 8, 10.1., S. 5
  170. Thema: Streik.

     

  171. Anonym: Hunderttausend Frank in der Not. Gedicht. Nr. 10, 13.1., S. 3
  172. Aufforderung, Spenden für die Waffe der Saararbeiter, die Arbeiter-Zeitung, zu zahlen.

     

  173. Anonym (Ibikus): Das Ziel. Die Hunderttausend. Gedicht. Nr. 12, 15.1., S. 3
  174.  

  175. Anonym: Korrespondenz eines Dienstmädchens. Das Leben der Dienstmädchen im "Restaurant" Dansauer. REP. Nr. 21, 25./26.1., S. 5
  176.  

    Kritik an den Arbeitsbedingungen bei Dansauer, Aufforderung an andere Mädchen zur Berichterstattung in der AZ und zur Organisierung in der Revolutionären Gewerkschafts- Opposition.

     

  177. Selzer, P.: Die Bilanz der Not. Gedicht. Nr. 25, 30.1., S. 3
  178. Gedicht: Nur die revolutionäre Aktion kann dem zunehmenden Elend ein Ende bereiten.

     

  179. Anonym (ein Kumpel): An die Grzesinski-Knüppelproleten. Gedicht. Nr. 33, 8./9.2., S. 5
  180. Das Gedicht wendet sich an die Proleten in Uniform, Landjäger und Polizei, die gegen ihre eigenen Interessen handelten und fordert den Kampf für ein Sowjetdeutschland.

     

  181. Ott, André: Werktätige Frauen erwachen! Gedicht. Nr. 50, 27.3., S. 7
  182. Das Gedicht beschwört die Emanzipation der proletarischen Frau im Prozeß einer gleichberechtigten Partizipation am revolutionären Kampf.

     

  183. Barthen, Jakob: Noch sind wir Sklaven dieser Meute! Gedicht. Nr. 79, 1.5., S. 5
  184.  

    Proletarisches Kampfgedicht, wieder Lichtmetaphorik: Die proletarischen Höhlen-bewohner schwingen sich auf, um den morschen Bau dieser Gesellschaftsordnung zu zerschlagen.

     

  185. Barthen, Jakob: Vollständige Pleite des SPD - Maiaufmarsches - Wuchtige Kampfdemonstration der roten Einheitsfront. Gedicht. Nr. 81, 5.5., S. 6
  186. Gedicht zu den Maifeiern

     

  187. Albert, Michel (Püttlingen): Prolet und Bonze! Gedicht. Nr. 82, 6.5., S. 3
  188.  

    Zunächst preist das Gedicht den klassenbewußten Proletarier, der sich selbst treu bleibt. Im zweiten Teil wird dem der ehemalige Proletarier (M.) entgegengestellt, der jetzt nur noch sein beschauliches Leben sichern will. Es schließt mit der Verheißung, daß letzterer am Tag des großen Gerichts auf der anderen Seite stehen wird.

     

  189. Anonym (Diesel): Ein Saararbeiter berichtet über seine Operation in einem russischen Sanatorium. AB. Nr. 87, 12.5., S. 5
  190.  

    Brief aus Leningrad, der die "Greuelpropaganda" gegen die Sowjetunion widerlegen soll. Der Autor, der bis vor kurzem an Krähenfüßen litt und deswegen von einem Neunkircher Kollegen als Mann mit den Knollenfüßen bezeichnet wurde, läßt sich in Leningrad, wo er jetzt arbeitet, operieren. Wegen des gut funktionierenden Gesundheitssystems ist dies kein Problem. Besonders hervorgehoben wird die Religiosität des behandelnden Arztes, deren Ausübung auch in der SU nichts im Wege stünde.

     

  191. Schneider, Metty: Für zehn Pfund Weizen in den Tod. Erzählung. Nr. 89, 14./15.5., S. 9
  192.  

    Auf einer Zeitungsnotiz basierende Erzählung des saarländischen Kommunisten Metty Schneider. Die Arbeiterjungen Hans und Karl versuchen für ihre hungernden Familien Weizen aus Holland nach Deutschland zu schmuggeln - jeweils zehn Pfund im Schulranzen. Als sie Zöllner sehen, versuchen sie durch die Wurm, den Grenzbach, zu entkommen. Dabei ertrinkt Hans.

     

  193. Anonym: Tote auf Urlaub. Gedicht. Nr. 90, 16.5., S. 7
  194.  

    Bergarbeiter sind Tote auf Urlaub, die tief im Erdeninnern schuften. Manchmal endet der Urlaub, schnell vergeht die wohlfeile Trauer der Herren. Es bedarf des Kampfes gegen diese Ordnung.

     

  195. Anonym (eier Pitt vom Kohwehof): Ei wo gescht donn du hinn, Pitt? Gedicht. Nr. 150, 28.7., S. 3
  196. Erfahrungen beim Verteilen der AZ und bei der Werbung neuer Parteimitglieder.

     

  197. Anonym: Schmuschen. Gedicht. Nr. 159, 7.8., S. 2
  198. Üppiges Zechen und Fressen beim "Genossen Chef", garniert mit einigen Faust-Zitaten: So treibens die Sozialdemokraten.

     

  199. Ott, André: Es riecht nach Brand. Gedicht. Nr. 215, 11./12.10., S. 6
  200.  

    Jede Strophe beginnt mit einer Arbeitslosenzahl, dann werden Reaktionen der Herrschenden und der "Sozialfaschisten" dargestellt, es riecht nach Brand. Schließlich werden die Kommunisten verhaftet. Doch das kann den Brand nicht löschen: Befreiung kann erst kommen, wenn aus dem morschen Gebälk des Kapitalismus die Flammen hochschlagen. Die in der 5. Strophe aufgegriffene Formulierung ("An der Saar soll im Winter niemand hungern und frieren") geht wohl auf die Gräfin von Siersburg zurück, die mit diesem Satz auch in AZ Nr. 237 zitiert wird.

     

  201. Anonym: Ein Genie im politischen Kabarett. Gedicht. Nr. 229, 28.10., S. 5
  202. Spottverse auf Georg Schulte, Redakteur einer sozialdemokratischen Stadtzeitung in SB, und auf Max Braun

     

  203. Anonym (ac): In memoriam. Dem verstorbenen Bonzen. Frei nach dem Epos der Volksstimme. Gedicht. Nr. 237, 6.11., S. 5
  204. Gedicht zum Tod des Sozialdemokraten Franz Schwaninger, der als "Bonze" und "Reformist" beschimpft wird (vgl. Volksstimme 1931, Nr. 258, S. 1).

     

  205. Barthen, Jakob: Genossen, werbt! Gedicht. Nr. 273, 19.12., S. 3
  206. Aufforderung, Abonnenten für die AZ zu werben, um dadurch ein Bollwerk gegen die braune Flut zu schaffen.

     

    1933

     

  207. AK: Allerhand Neues aus Bliesen. Frondienst der armen Bauern - Faschisten stoßen auf Widerstand. REP. Nr. 155, 11.7., S. 5
  208.  

    Bericht aus Bliesen: Nach den Märzwahlen wurde eine Ortsgruppe der NSDAP und des Kyffhäuserbundes gegründet. Einige Jugendliche haben sich überreden lassen, in ein Arbeitsdienstlager einzutreten, haben aber schlechte Erfahrungen gemacht. Bei einer Tanzveranstaltung kam es zu Tumulten zwischen Kommunisten und Nationalsozialisten.

     

  209. Weinert, Erich/Arma, Paul: Steht auf - ihr jungen Millionen. Lied. Nr. 212, 14.9., S. 3
  210. Revolutionäres Anti-Kriegslied; Paul Arma war Bartók-Schüler und komponierte auch die Melodie des "Roten Saarliedes".

     

    1934

     

  211. Lisman, P. (Landsweiler-Reden): In den Kerkern Blut-Hitlers. AB. Nr. 8, 10.1., S. 5
  212.  

    Erlebnisbericht eines wohl kommunistischen oder den Kommunisten nahestehenden Arbeiters, der in Deutschland verhaftet wurde, fünf Monate in Haft war, schließlich aber freigelassen werden mußte (nur der Schluß).

     

  213. Regler, Gustav: Kumpel Karl. Erzählung. Beginn: Nr. 33, 8.2., S. 5
  214.  

  215. Regler, Gustav: Der Exodus. Aus dem neuen Saar-Roman "Im Kreuzfeuer". Nr. 122, 3./4.6., S. 6
  216.  

  217. Regler, Gustav: Der Patriot Röchling am Pranger. Die Völklinger Kundgebung der Freiheitsaktion brandmarkt den Granatenlieferanten Frankreichs. BEF. Nr. 127, 9.6., S. 3
  218.  

  219. Nikolay, Fritz (Dudweiler): Hinter elektrisch geladenen Drähten. Bericht aus Dachau. REP. Nr. 141, 26.6., S. 3
  220.  

    Bericht des Kommunisten Fritz Nikolay aus Dudweiler, der auch als Redner in Veranstaltungen zur Saarabstimmung auftrat, über seine Internierung im Konzentrations-lager Dachau. Besonders herausgehoben wird das Schicksal eines siebzehnjährigen Katholiken, der versucht, den sonntäglichen Kirchgang zu organisieren und die Öffentlichkeit über die Vorfälle zu informieren. Er wird mißhandelt und in Arrest gesperrt.

     

  221. Anonym (Weinert, Erich): Der Diktator von Saarbrücken. Gedicht. Nr. 143, 28.6.,S. 4
  222.  

    Spottgedicht auf Dr. Neikes, OB von Saarbrücken, und NS-Anhänger. Getragen wird der Spott von der Überzeugung, daß der Nationalsozialismus 1935 schon abgewirt-schaftet haben wird. Das Gedicht stammt wohl von Weinert (längere Fassung in: Ralph Schock: Haltet die Saar Genossen!, S. 163)

     

  223. Regler, Gustav: Im Kreuzfeuer. Roman. Beginn: Nr. 171, 1.8., S. 5
  224.  

  225. Weinert, Erich: Nein hat die Mehrheit! Gedicht. Nr. 187, 19./20.8., S. 5
  226. Trotz aller Einschüchterungen werden sich die Arbeiter nicht einschüchtern lassen und bei der Abstimmung mit "Nein" votieren.

     

  227. Weinert, Erich: Einheitsfront wachse! Gedicht. Nr. 195, 28.8., S. 6
  228.  

    Auf der Sulzbacher Kundgebung vorgetragenes Gedicht: Beschworen wird die Not-wendigkeit des Abwehrkampes gegen das faschistische Deutschland. Auseinandersetzung mit dem Separatismus-Vorwurf: Niemand würde bestreiten, daß die Saar deutsch sei, aber Deutschland sei vom Feind besetzt. Arbeiter, Bauern und Mittelstand, Sozialisten, Juden und Christen müßten für ein anderes Deutschland kämpfen. Einigermaßen realistische Einschätzung über die große Zahl der Verblendeten.

     

  229. Weinert, Erich: An die katholischen Kameraden! Gedicht. Nr. 196, 29.8., S. 5
  230. Mahnung an katholische Arbeiter, das Schicksal von Priestern und Christen im 3. Reich zu bedenken und die freie Saar bis zur Befreiung von ganz Deutschland zu verteidigen.

     

  231. Anonym (Regler, Gustav): Das ist die neue Welt des Proletariats. BEF. Nr. 214, 19.9., S. 3
  232. Brief aus der Sowjetunion.

     

  233. Anonym: Eine Unterhaltung zwischen Nationalsozialisten. In der Püttlinger Front gärt’s. Dialog. Nr. 219, 25.9., S. 8
  234.  

    Unterhaltung in einer Püttlinger Kneipe zwischen Anhängern der "Deutschen Front" über Kraft durch Freude-Fahrten nach Deutschland, die Zustände im 3. Reich und die Unfähigkeit der Führer der "Deutschen Front".

     

  235. Anonym (Gr. N.): Freiheitsmarsch der Saar. Lied. Nr. 226, 3.10., S. 2
  236. Lied, zu singen nach der Melodie "Roter Wedding", in dem zum Kampf gegen Hitler und Röchling und zur Verteidigung des Status quo aufgerufen wird.

     

  237. Weinert, Erich: Nur noch hundert Tage. Gedicht. Nr. 228, 5.10., S. 1
  238. Kampfgedicht zur Saarabstimmung.

     

  239. Anonym: Der Schwur von Sulzbach. Wir Saarländer. Nr. 229, 6.10., S. 7
  240. Treueschwur, in dem der Wille zur Verteidigung der Saar gegen Hitler bekräftigt wird. Wahrscheinlich gesprochen auf der Sulzbacher Kundgebung der Einheitsfront vom 26. August.

     

  241. Schäfer, Max (Püttlingen): An das Saarvolk. Gedicht. Nr. 246, 9.11., S. 7
  242. Gedicht über den Terror der "Deutschen Front" im Saargebiet.

     

  243. Salomon, Bruno von: Bauernsorgen an der Saar. REP. Nr. 253, 17.11., S. 4
  244.  

    Gespräch mit einem Bauern. Dieser beklagt sich über Abgaben und Arbeitslast. Obgleich er Mitglied der "Deutschen Front" ist, verspricht er sich keine Verbesserung seiner Lage durch Hitler, insbesondere das "Erbhofgesetz" beurteilt er kritisch. Aber der Druck der öffentlichen Meinung mache eine Befürwortung des Status quo unmöglich. Der Autor ermuntert ihn zur Gründung eines Bauernkomitees.

     

  245. Balk, Theodor: Herr Freiherr, darf ich heiraten? Von Stumm-Hilger bis Hitler. REP. Nr. 259, 25./26.11., S. 4
  246.  

    Gespräch mit einem alten Arbeiter, der von Sozialistenverfolgung und paternalistischer Betriebsführung unter Carl Ferdinand von Stumm-Halberg und seinem Bergwerks-direktor Hilger berichtet. Das Gespräch zielt darauf ab, die zu erwartenden Zustände nach Anschluß an Deutschland mit der Stumm-Zeit gleichzusetzen.

     

  247. Weinert, Erich: Das Greuelmärchen. Erzählung. Nr. 264, 1.12., S. 4
  248.  

    Der Lehrer Schneider hält in einer Saarbrücker Gaststätte eine Rede gegen den Status quo. Indes kommt sein Neffe, Karl aus Grießheim, der von Folterungen gezeichnet ist, in die Kneipe. Den Besuchern der Versammlung erzählt er, daß er, obwohl zunächst überzeugter Nationalsozialist, interniert wurde, da er für die Durchführung der sozialen Revolution plädierte. Nur mit Mühe hätte er entkommen können. Dies löst bei den Anwesenden einen Reflexionsprozeß aus.

     

  249. Klemm, Hans: Siebenhundertachtundachtzig Nein! Erzählung. Nr. 265, 2./3.12., S. 7
  250.  

    Erzählung aus dem "Reich", die wohl auch auf das Saargebiet abzielt: Den gerade aus dem Kozentrationslager entlassenen Kommunisten Emil und Bernhard gelingt es in ihrem Dorf, in die Tageszeitungen heimlich Flugblätter einzulegen, die zu einem ablehnenden Votum bei der Volksabstimmung am 18. August auffordern. Das Ergebnis: Sieben-hundertachtundachtzig Nein-Stimmen.

     

  251. Regler, Gustav: Offener Brief. Nr. 265, 2./3.11., S. 11
  252. Brief zu seiner Ausbürgerung nach Unterzeichnung eines Aufrufes für den Status quo an der Saar.

     

  253. Anonym (Theodor Balk): Ein Sklave des Königs Stumm erzählt. REP. Nr. 266, 4.12., S. 8
  254.  

    Kneipengespräch mit einem alten Arbeiter. Der erzählt aus seiner Zeit unter Stumm. Ein Neffe des Alten, Karl, kommt dazu und erzählt vom Arbeitsdienst in Deutschland. Wehmütig denkt der Alte nur an 1918 zurück. Von Hitler erwartet er eine Restauration der alten Zustände oder Schlimmeres.

     

  255. Weiskopf, Franz Carl: Der Schein trügt. REP. Nr. 267, 5.12., S. 7
  256.  

    Stimmungsbild aus Saarbrücken: Überall NS-Symbole und Propaganda. Dies sei aber nur der Schein, tatsächlich seien viele Menschen im Herzen für den Status quo, wofür dann einige Äußerungen als Beleg gegeben werden.

     

  257. Balk, Theodor: Was wird aus dem Handwerk? Aus dem Buch: Hier sprich die Saar;. REP. Nr. 268, 6.12., S. 8
  258. Gespräche mit Handwerkern über ihre Haltung zur Rückgliederung.

     

  259. Anonym (E.T.): Saarländische Kriegsopfer in der UdSSR. BEF. Nr. 268, 6.12., S. 8
  260. Brief von einem der Delegations - Teilnehmer, der begeistert von den Zuständen in der Sowjetunion berichtet.

     

  261. Balk, Theodor: Gespräch mit Jakob Pirro. REP. Nr. 271, 9./10.12., S. 6
  262.  

    Interview mit Pirro, der sich in seiner Zuversicht bezüglich des Ausgangs der Saarab-stimmung im Sinne der "Deutschen Front" nicht beirren läßt. Er hofft zwar auf eine schonende Behandlung der Status quo-Anhänger, nimmt aber "Landesverräter" - Sozial-demokraten und Kommunisten - ausdrücklich davon aus.

     

  263. Anonym: Meyers Fahrt ins 3. Reich. Ein Bildbericht, der von der Goebbels-Filmzensur nicht zugelassen wurde.BEF. Nr. 276, 15.12., S. 5
  264.  

    Meyer, überzeugter Hitler-Anhänger und Status quo - Gegner, reist nach Deutschland, um sich das neue Reich anzusehen: Menschen stehen nach Kartoffeln Schlange, ein Metzger wird verhaftet, Katholiken werden von der SA verprügelt, Männer werden für Hungerlöhne zur Landhilfe verpflichtet, während Parteibonzen und Industrielle prassen. Im letzten Moment entschließt sich Meyer, für den Status quo zu stimmen.

     

  265. Regler, Gustav: Ihr letztes Argument. BEF. Nr. 277, 16./17.12., S. 4
  266.  

    Essay zum "letzten Argument" der "Deutschen Front": Man dürfe, gerade weil das Vaterland in Not ist, dieses jetzt nicht im Stich lassen. Gerade deren Anhängern und den Nazis wird das Recht abgesprochen, sich als Patrioten zu bezeichnen.

     

    1935

     

  267. Balk, Theodor: Zurück aus dem Lager Feinerde. Aus: Hier spricht die Saar. REP. Nr. 9, 9.1., S. 8
  Gespräch mit Anton, einem jungen Saarländer, der sich in Deutschland zum Arbeitsdienst meldete, weil ihm für die Zeit danach eine Arbeitsstelle bei Röchling versprochen wurde. Der Arbeitsdienst schreckte ihn ab, die Stelle bei Röchling hat er trotz Ableistung des Dienstes nicht erhalten.

 
 

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