II. BIBLIOGRAPHIE
 
1. Selbständig erschienene Texte
 
1.1. Epik

 

 

 

1.1.1. Romane

 

 

  1. Kraus, Kristian: Die Traumfahrt. Roman. Bonn: Albert Ahn 1911
  2.  

    Zweiteiliger Roman, nur der erste Teil spielt im Saarland. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein großes Grubenunglück in Dechen (vermutl. diente das Unglück von Reden 1907 als Vorbild). Detaillierte Darstellung des Arbeitermilieus.

     

  3. Dill, Liesbeth: Virago. Roman aus dem Saargebiet. 2. Aufl. Stuttgart und Berlin: Deutsche Verlags-Anstalt 1913
  4.  

    Spielt in "Neuweiler" (d.i.Neunkirchen) im Saarrevier. Schildert das tragische Schicksal einer Industriellentochter, die mit der damals konventionellen Frauenrolle nicht zurechtkommt. Sozialgeschichtlich interessant wird der Roman durch die plastische Darstellung des Streikgeschehens von 1889 an der Saar, das episodenhaft in das Geschehen eingewoben ist (S. 219 - 280): "Der zeitliche und örtliche Rahmen der Handlung macht diesen Text zu einem Stück romanhafter Sozialgeschichtsschreibung des Neunkirchener Raumes." (Scholdt: Liesbet Dill. In: Saarländische Lebensbilder S. 224) Vermischung autobiographischer Momente mit authentischem Geschehen. Teilweise Änderung von Orts- und Personennamen, so wurde der Streikführer Nikolaus Warken umbenannt in "Bickel", sein Spitzname "Eckstein" zu "Schellenwurzel".

     

  5. Schmauch, Klaus: Die Hundsgasser. Roman. Freiburg i.Br.: Herder 1933

  6. 3. u. 4. Tsd. 1936, 5. u. 6. Tsd. 1942

     

    Spielt während des 1. Weltkrieges in dem kleinen saarländischen Hochwalddorf Bachweiler (d.i. Hausbach) bei Mettlingen (d.i. Mettlach). Dank des Engagements des Dorflehrers Spangenberg gelingt es, die nichtseßhaften und kriminellen Nagelschmiede und Kesselflicker der Hundsgasse in die bäuerliche Gemeinschaft des Dorfes einzu-gliedern. Aus ihnen werden seßhafte Arbeiter. Darüber hinaus wird der Zerfall des Wilhelminischen Reiches, der alten Ständeordnung und der Beginn einer neuen Zeit versinnbildlicht. "Die Standes- und Klassenunterschiede werden verschwinden und jeder wird ein Plätzchen an der Sonne haben - auch die Hundsgasser." (S. 459) Enthält detaillierte Schilderung der Arbeitsbedingungen in der Steingutfabrik "Steinbuch & Faber" (d.i. Villeroy & Boch).

     

  7. Dill, Liesbeth: Wir von der Saar. Roman. Stuttgart: Thienemann 1934
  8.  

    Geschichte der Familie Helder in der Zeit vor 1914 bis 1934. Die Helders sind eine alteingesessene Saar-Familie, ein Zweig der Familie lebt in Frankreich. Edgar Helder, Besitzer einer Fabrik in Paris, hat nach 1870 die französische Staatsbürgerschaft angenommen, um seinen Besitz nicht zu verlieren (S. 18). Im Mittelpunkt steht das Schicksal des jungen Hans Helder, der an der Saar bei seinen Großeltern lebt. Anschaulich dargestellt werden anläßlich eines Besuches des franz. Teils der Familie an der Saar die aus unterschiedlichen politischen und kulturellen Traditionen erwachsenden Verständigungsschwierigkeiten. Der 1. Weltkrieg wird für die Familie zur Zerreißprobe: Ein tödlich verwundeter franz. Soldat, den Hans in einem Lazarettzug am Saarbrücker Bahnhof antrifft, übergibt ihm einen Brief an seine Eltern. Zu spät erkennt Hans, daß es sich um seinen Vetter Ferdinand handelte (S. 75 f). Nach 1918 lebt Hans zunächst bei seinem Vater in Halle, dann wieder im Saargebiet. Dargestellt werden Identitätsproblematik, auch praktische Probleme in der Zeit französischer Verwaltung (Einreise ins Saargebiet, Pässe).

    Während es Dill in Teilen des Romans durchaus gelingt, die schwierige Situation der Bevölkerung an der Saar und in Elsaß-Lothringen unter wechselnder nationaler Herrschaft differenziert, wenn auch nicht immer ohne Stereotypen (vgl. insbesondere zu Sexualstereotypen im Vergleich, Scholdt: Grenze und Region, S. 210), darzustellen, fällt sie am Schluß in einen hemmungslosen völkischen Propagandataumel: Der inzwischen erwachsene Hans reist zum Niederwald-Denkmal, um eine Hitler-Rede zu hören (S. 167 ff). Die Feier ist ihm uneingeschränktes Treuebekenntnis zu Deutschland.

    Arbeitswelt: Hüttenbesichtigung in Neunkirchen, S. 33 - 42; Bergwerksbesichtigung, S. 44 - 48; Stimmung der Bergleute nach 1918, S. 132 ff; tendenziöse Darstellung der Novemberrevolution aus Sicht des abstiegsbedrohten Bürgertums, S. 79 f, S. 129

     

  9. Regler, Gustav: Im Kreuzfeuer. Ein Saarroman. Paris: Editions du carrefour 1934. 2. Aufl. der Ausgabe Paris 1934. Und: Hildesheim: Gerstenberg-Verlag 1978. Exilliteratur Bd. 6. Und: mit einem Nachwort v. Gerhard Schmidt-Henkel. Frankfurt a.M.: Fischer Taschenbuch Verlag 1986. Verboten und verbrannt, Exil. Und: Gustav Regler. Werke. Hg.: Gerhard Schmidt-Henkel und Ralph Schock unter Mitarbeit von Günter Scholdt. Bd. 2. Hg. von Michael Rohrwasser. Basel, Frankfurt am Main 1994
  10.  

    Politischer Agitationsroman. Schildert den Abstimmungskampf im Saargebiet 1933 als Kampf der kommunistischen Arbeiter gegen die - meist faschistischen - Bonzen. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Werner, ein arbeitsloser Metalldreher aus Neunkirchen, und seine katholische Freundin Liesbeth Biesel, eine kleine Verkäuferin. Gerhard Schmidt-Henkel bezeichnet das Werk als "... einen kommunistisch-patriotischen Agitationsroman und einen Heimatroman zugleich". (Regler: Im Kreuzfeuer, Ffm. 1986, S. 235). Ralph Schock stellt den Roman von Inhalt und Struktur her in die Reihe der BPRS-Romane und -Erzählungen (Schock: Gustav Regler, S. 194). Bungert/Mallmann sehen darin "... Argumentationshilfen im antifaschistischen Kampf, ... ein Lehrbuch gegen die Nazis". Sie werten es als "saarländisches Braunbuch" in Romanform (Bungert/Mallmann: "Im Kreuzfeuer". In: Begegnung mit Gustav Regler, S. 30).

     

  11. Burger, Lisbeth: Ranks sieben Mädel. Roman. Donauwörth: Auer 1935
  12.  

    Sentimentaler Liebesroman. Schildert das Schicksal einer saarländischen Bergmanns-familie während des 1. Weltkrieges. Elemente des trivialen Heimat- und Frauenromans, dazu Grenzlandproblematik. Stark ausgeprägte Volksreligiosität neben deutsch-nationalen Tendenzen (z.B. anti-französische und antisemitische Anspielungen, Frauen-bild). Einzig bemerkenswerte Aspekte: Erwähnung der Berufstätigkeit von Frauen und Arbeitseinsatz von Frauen im Ersten Weltkrieg: "Viele Frauen arbeiten an der Drehbank, bei der Bahn, Post und Straßenbahn. Es gibt bald keine Männerarbeit mehr, die nicht in Frauenhände übergeht. Nur in das Bergwerk unter Tage dürfen sie nicht einziehen." (S. 48)

     

  13. Kirschweng, Johannes: Das wachsende Reich. Saarroman. Bonn: Verlag d. Buchgemeinde. Auslfg. Fr. Fleischer, Leipzig. 1935. Unterhaltende Schriftenreihe. Bonn, Bd. 11 (= Jahresreihe der Buchgemeinde, Bonn 1935, Bd. 1). 2. Aufl. 1937. Und: GW Bd. 5
  14.  

    Entwicklungsroman. Autobiographische Züge. Spielt in Wadringen (= Wadgassen) zu Beginn dieses Jahrhunderts. Schildert die Jugend von Ludwig Burgund, der aus einer alten Glasmacherfamilie kommt. Ludwig soll als das begabteste Kind der Familie studieren, um später Pfarrer zu werden. Diese für viele saarländische Arbeiterfamilien typische Situation beschreibt Kirschweng noch an anderer Stelle: "Da ist ein Junge in der Familie. Der Lehrer sagt, er sei besonders begabt, und der Pfarrer sagt es auch. Und sie kommen beide in das Bergmannshaus und erklären, wie sie helfen werden und wie andere noch helfen werden, damit aus dem Jungen etwas werden kann. Die Mutter sieht ihn schon am Altar stehen, und der Vater denkt heimlich für sich, er könnte doch auch Doktor werden oder sonst etwas in der Welt; sie sagen ja, und dann fängt für sie ein langandauerndes Martyrium an. Sie müssen ihren Fleiß zum Fanatismus steigern und ihre Sparsamkeit zum Geiz, und wenn ihre anderen Kinder die kleinen Freuden der Dorfkinder haben möchten, die doch ein paar Pfennig kosten, müssen sie sie abweisen. Jedes Pfund Butter von der Kuh muß verkauft werden und jedes Ei, das die Hühner legen. Und wenn der Mann schon längst ein Paar Schuhe notwendig hätte, dann sagt er, sie seien noch ganz gut, und er näht selber immer neue Stücke drauf, so daß das Gehen in ihnen schließlich eine Qual wird. Und die Frau, die noch jung ist, entschließt sich, zehn Jahre vor der Zeit alt zu sein und die Tracht der Alten zu tragen, weil das billiger ist." (GW Bd. 5, S. 123) Vgl. auch: Fischer, Wilhelm: Ein Bergmannssohn (Erz.). Im Handlungshintergrund noch andere Industrieberufe: Darstellung der Arbeit an der Walzstraße der Dillinger Hütte ( Kap. "Land an der Arbeit", GW Bd. 5, S. 143 ff). Frank Steinmeyer urteilte über Kirschwengs Verhältnis zu Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterschicht: "Der Autor ergreift ganz in der Tradition der katholischen Kirche an der Saar Partei für die Arbeiter, setzt sich für eine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen ein, ohne dabei jedoch zu einer wirklichen Analyse dieses Problems vordringen zu können." (Steinmeyer: Weil über allem Elend dieser Zeit, S. 189) Besonders im Kapitel "Land an der Arbeit" verweist Steinmeyer auf die "ästhetisierende Beschreibung des arbeitenden Menschen" (ebd., S. 193).

     

  15. Molter, Rudolf: Wetterleuchten an der Saar. Berlin: Verlag Junge Generation. 1935 (Die Bücher der Jungen Generation)
  16.  

    Mischung aus Roman und Autobiographie. Anfangs wird Jugend und Kindheit des Autors, dessen Vater Hüttenarbeiter in Neunkirchen war, erzählt.

    Einsatz weiblicher Arbeitskräfte während des Ersten Weltkrieges im Neunkircher Eisenwerk. Berichtet von Aufwiegelungen und Streiktendenzen der Arbeiter bereits während der letzten Kriegsjahre. Deutschnationale Tendenzen.

     

  17. Schmidt, August: Im Schatten der grauen Berge. Ein Bergmannsroman von der Saar. Saarbrücken: Malstatt-Burbacher Handelsdruckerei o.J. (1948)
  18.  

    Idyllisierender Heimatroman. Im Mittelpunkt steht das letzte Bergfest der Grube Reden im "Klinketal" vom Jahre 1910 bzw. 1912 (vgl. Rixecker, Hans: Bergmannsfest anno 1910. In: Heimatblätter 1987 für Heiligenwald, Landsweiler-Reden, Schiffweiler und Stennweiler, S. 59 f.). Die Schilderung beruht auf authentischem Material. Generationen-problem: Die Söhne der Hauptfigur Heinrich Körner "denken liberal"; ein Sohn "ist sogar sozialistisch angehaucht". Außerdem Konflikt durch überkommenes Standesdenken: Einfacher Bergmann soll nicht die Nichte des Steigers heiraten. Banale Liebesromanze.

     

  19. Petto, Alfred: Und die Erde gibt das Brot. Roman. Mit e. Nachwort v. W.H. Reckten-wald. Saarbrücken: Minerva-Verlag 1951. Und: Saarbrücken: Club der Buchfreunde 1959. Ersch. 1948 u.d.T. "Das lockende Feuer" als Vorabdruck in der Saarbrücker Zeitung
  20.  

    Spielt vermutlich in der Zeit nach der Jahrhundertwende ( Erscheinen des "Halley'schen Kometen" im Jahr 1910 wird erwähnt) in dem fiktiven Dorf Lampenest, das stellvertretend für das typische saarländische Bergmannsdorf steht. Petto erzählt das Schicksal der Bergmannsbauernfamilie Mattes. Geschildert werden Arbeitsplatz und Alltagswelt, im Vordergrund stehen jedoch weniger soziale Probleme, sondern menschliche Konflikte. Im Generationskonflikt zwischen Vater Jakob und Sohn Emil Mattes wird symbolhaft das Auflösen der alten Ordnung - Arbeit, Hausbau und Familie - demonstriert.

     

  21. Betzner, Anton: Die schwarze Mitgift. Roman. Graz: Verlag Styria 1956
  22.  

    Ursprünglich im Manuskript als zweibändiger Roman ("Die schwarze Mitgift" und "Die Tochter des Mars") konzipiert, vom Autor jedoch zur einbändigen Fassung gekürzt. Zeigt Leben und Wiederaufbau im Industriegebiet der unteren Saar nach dem Zusammenbruch von 1945. Vor der Folie der saarländischen Industrielandschaft rollt sich die tragische Liebesgeschichte zwischen Georg, dem aus dem Krieg heimgekehrten Sohn eines Hüttenmaurers, und Angelika, der Tochter eines ehemaligen Hausierers und Kriegsgewinnlers, ab. Den Erinnerungen an Elend, Grausamkeit und Zerstörung, aber auch einer zunehmend von Zweckrationalismus und Wohlstandschauvinismus geprägten Gegenwart versuchen sie durch Flucht in unbedingte Liebe zu entgehen, die angesichts der sozialen Schranken in der Katastrophe endet. Angelikas Vater, ein brutaler Empor-kömmling, jetzt Textilfabrikant, duldet die Verbindung zwischen dem einfachen Arbeiter und seiner jüngsten Tochter nicht. Die Liebenden widersetzen sich dem Verdikt des Alten, sind aber seiner kompromißlosen Rachsucht ausgeliefert, so daß ihnen nur ein nahezu mittelloses Vagabundenleben bleibt. Der Tod Angelikas nach der Geburt eines Sohnes und der sich anschließende Freitod Georgs führen schließlich zur Zerstörung auch der Arbeiterfamilie. Der Roman endet mit einer Wallfahrt der psychisch zerrütteten Mutter.

    Als wiederkehrende Motive eingestreut in die Handlung sind Erinnerungen an den Krieg und an die NS-Zeit, Verstrickungen und Opposition (S. 201, S. 262), auch Situation der Zwangsarbeiter nach der Befreiung (S. 62). Allgegenwärtig ist christlich motivierte Zivilisations-, Technik- und Materialismus-Kritik, dargestellt werden die Auswirkungen der Auflösung traditioneller Gesellschaftsstrukturen.

    Besonders Kapitel 20: Besuch bei einer Bergmannsfamilie (S. 193 - 203). Bergmanns-bauern als aussterbender Stand, Generationenproblem. "Bis zum vergangenen Herbst haben sie noch ihr Bergmannsland gebaut. Jetzt streiken die Kinder. Wo vier verdienen wollen sie nach Feierabend nicht mehr auf dem Acker schuften. Bei den Alten gehörte es zum Dasein. Es gab ihnen die Freiheit in der Ernährung und füllte ihr Leben aus. Bei der aufgeblühten Wirtschaft ließen viele ihre Äcker brachliegen und versteppen; Bauplätze, Wertobjekte; Streitobjekte für die Erben." (S. 192)

     

  23. Wilms, Bernhard: Flötenblas. Roman. Darmstadt: Bläschke 1978
  24.  

    Spielt nach dem Zweiten Weltkrieg in der Lüneburger Heide, dann in der russischen Besatzungszone und in Berlin. Kap. 5 (S. 178 - 231) im Saarland. Titelheld war Pianist und wird nach Kriegsverletzung Arbeiter in einer Stahlbüromöbelfirma, später Hüttenarbeiter.

     

  25. Römbell, Manfred: Rotstraßenzeit. Roman. Landau/Pfalz: Pfälz. Verlagsanstalt 1989
  26.  

    Geschichte der saarländischen Familie Schöber von 1945 bis 1956, erzählt aus der Perspektive des Sohnes Andreas. Der Großvater war Bergarbeiter, der Vater zunächst auch, später dann Vertreter (Aufstiegsproblematik, S. 87). Nachkriegsgeschichte aus regionaler Perspektive, verbunden mit Erzählungen insbesondere des Vaters über Krieg und NS-Zeit. Gruben-Beschreibungen und Darstellung von Lebensgewohnheiten der Bergarbeiter (S. 178, S. 212ff).

     
  27. Raubuch, Christel: Kains Schwester. Roman. Püttlingen: Lea-Verlag 1996
  28.  

    Liebes- und Kriminalroman, der zum Teil im Hüttenarbeitermilieu (Völklingen) spielt.

    Die Darstellung insbesondere der Protagonistin, deren psychische Situation auch über die Konstruktion einer mutterlosen Kindheit nur bedingt plausibilisiert werden kann, schwankt zwischen sozialer Milieuschilderung und moralisierender Schuldzuschreibung (insbesondere in bezug auf Alkoholkonsum und Promiskuität).

    Arbeitswelt: Reaktion einer Arbeiterfrau auf Entlassung ihres Mannes, S. 23; Beschreibung des Stahlwerkes, S. 26; Arbeiterdemonstration, S. 38; Selbstmord der Arbeiterfrau, S. 39 f; verzweifelter Versuch eines Jugendlichen, sozial aufzusteigen, S. 141.

     
    1.1.2. Erzählungen
     
  29. Fauth, Adolf: Der Agitator. Fürs Volk erzählt. Barmen: Verlag d. Wuppertaler Traktat-Ges. 1878
  30.  

    Erschien zur Zeit der Sozialistengesetze. Wurde vom Verfasser, der evangelischer Pfarrer war, bewußt gegen den Einfluß der Sozialdemokraten an der Saar eingesetzt. Sehr polemisch. Bezichtigt die sozialdemokratischen "Agitatoren" der Volkverhetzung und -verführung. "Wovon leben diese Aufhetzer, die herumziehen und das Volk unzufrieden machen mit thörichtem Gerede? - Vom Schweiße der Arbeiter!" (S. 32) Gründung von Handwerkervereinen als Gegenmittel. Fauth selbst hatte in Gersweiler 1885 den ersten "Evangelischen Arbeiterverein" an der Saar gegründet. Es bestand zudem eine enge Verbindung zum "Evangelischen Wochenblatt", dessen Herausgeber Fauth war (vgl. Groth: Vor hundert Jahren... In: 200 Jahre Evangelische Kirche Gersweiler, S. 36 f). Seine Haltung gegenüber der Sozialdemokratie brachte er auch zum Ausdruck in der Schrift: Die Sozialdemokraten, was sie wollen, was sie sind. Ein Wort der Belehrung und ernsten Mahnung an die deutschen Arbeiter. Herborn 1890.

     

  31. Fauth, Adolf: Ein verlorener Sohn. Fürs Volk erzählt. 2. Aufl. Elberfeld Könker 1881
  32.  

    Spielt im saarländischen Bergmannsbauernmilieu. Volkserzieherische Tendenzen: Kindererziehung, Rolle der Hausfrau. Alkoholismus bei Arbeitern.

     

  33. Fauth, Adolf: Die Zwillinge. Eine Erzählung aus dem Handwerksleben. Elberfeld : Könker 1882
  34.  

    Darin: Kap.II.: "Was soll aus dem Jungen werden?" S. 5 - 8. Problem Berufswahl, Diskussion für und wider den Bergmannsstand. "Die Bergleute müssen den ganzenTag tief drunten in der Erde herumkrabbeln, in den engen Gängen und Strecken sich bücken und drücken, im Schmutz auf und ab klettern - das ist meine Sache nicht, ich bin ein Freund von Luft und Licht und Freiheit, von Sonnenschein und Vogelsang." (S. 7)

     

  35. Fauth, Adolf: Der Kostgänger. Erzählung. Barmen: Klein o.J. (um 1884). (Familien-Bibliothek für's deutsche Volk, Nr. 74)
  36.  

    Im Mittelpunkt steht der Bergmann Lorenz Becker, der aus der bayrischen Rheinpfalz eingewandert ist und sich als Kostgänger die Zuneigung einer reichen Bauerntochter erschleichen will. Besonders Kap. 6: "Fährlichkeiten", S. 57 - 69, Arbeit unter Tage.
     
     

  37. Fauth, Adolf: Gestörtes Glück. Eine Erzählung aus gemischter Ehe. Barmen: Verlag d. Wuppertaler Traktatges. o.J.
  38.  

    Wendet sich gegen "Mischehe", die nach Fauths Ansicht zum Unglück führt. Fauth plädiert für eine strikte Trennung der Konfessionen. Polemisiert gegen Katholiken, ihr (damals) häufiger Kirchenbesuch wird als Ursache für ihre Armut hingestellt. "Der Alte ist Tagelöhner, der ein Haus voll Kinder hat. Die Mutter läuft jeden Tag in die Früh-messe und in die Vesper, statt ihre Arbeit zu tun. Schmutz und Schlamperei ist im Hause und Schmalhans meist Küchenmeister. Die Mädel arbeiten in den Ziegeleien und verstehen von der Hausarbeit keinen Deut."(S. 2) Die evangelische Familie dagegen wird folgendermaßen charakterisiert: "Wir sind durch Fleiß und Sparsamkeit vorwärts gekommen, daß wir ein schuldenfreies Haus und einen schönen Garten und ein paar Äckerlein unser Eigen nennen dürfen." (S. 2 f.) Historischer Hintergrund: In das ursprünglich protestantische Gebiet des ehemaligen Nassau-Saarbrücken kamen im 19. Jahrhundert vorwiegend katholische Arbeiter aus den kurtrierischen Landen, Hunsrück und Lothringen. Sie stellten das Proletariat; dagegen hatte die dünne protestantische Oberschicht die Führungspositionen inne. Laut Mallmann befürchtete der evangelische Pfarrer Petersen aus St. Johann bereits 1856 "eine uns überflutende katholische Bevölkerung", die ein "besonders unsittliches und leibliches Proletariat" aufweise; eine Wiederholung des "Teufelsjahres 1848" (Mallmann: "Aus des Tages Last machen sie ein Kreuz des Herrn." In: Schieder: Volksreligiosität in der modernen Sozialgeschichte, S. 155 f.)

     

  39. Fauth, Adolf: Giftige Früchte. Eine Erzählung aus dem Volksleben. Barmen: Verlag d. Wuppertaler Traktat-Ges. o.J. (1886)
  40. Gegen Schundliteratur: Arbeiterfamilie verelendet durch Lektüre von minderwertigen Kolportageromanen.

     

  41. Laven, Hermann: Der Sang von Lao-Fumtse. Ein chinesisches Gedicht aus den Kohlen-bergwerken der Provinz Schansi. Verdeutscht von F.H. v. N.-e. Trier: Paulinus Verlag 1887. 2. Aufl. 1889
  42.  

    Erschien erstmals 1881 im Feuilleton der "Saar-Zeitung", und 1887 als Broschüre anläßlich der Reichstagswahl. Die beiden ersten Publikationen enthielten keine Autorenangabe (vgl. Mallmann: "Aus des Tages Last ..." In: Schieder: Volksreligiosität, S. 169. Und: Mallmann: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung, S. 93). Satire. Schlüsselerzählung. "Sittengemälde des Saarreviers der 80er Jahre" (Bungert/Mallmann) des vergangenen Jahrhunderts. Prangert die katastrophalen Zustände im staatlichen Saarbergbau auf sozialkritisch pointierte Weise an. Enthüllt Korruptionspraktiken. "Der Sulzbacher Pfarrer Hermann Laven kannte bereits in den 1880er Jahren keine andere Parallele als chinesische Kohlenbergwerke, um auf die bedrückende Lage der Arbeiter im Saarbergbau hinzuweisen." (Mallmann/Steffens: Lohn der Mühen, S. 97). Mallmann ist der Auffassung, daß Laven damit indirekt auch die Saarbergleute kritisierte, die solche Zustände zuließen. (vgl. Mallmann: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung, S. 93). Zur Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte: Laut Bungert/Mallmann war die erste Auflage der Satire der Aufmerksamkeit der Bergwerksdirektion entgangen, beim Erscheinen der zweiten Auflage wurde Strafantrag gestellt, die Broschüre konfisziert. Laven konnte der strafrechtlichen Verfolgung entgehen, die Anklage gegen den Verlag wurde schließlich eingestellt. (vgl. Bungert/Mallmann: "Der Sang vom Lao-Fumtse", S. 3). Wie breit die Schrift in Arbeiterkreisen tatsächlich rezipiert wurde, ist unklar.
     
     

  43. Fauth, Adolf: In der Schule des Lebens. Eine Erzählung fürs Volk. Herborn: Buchhandlung. d. Nassauischen Colportagevereine 1890
  44.  

    Volkserzieherisch-moralisierend, aber auch sozialkritisch. Arbeitermilieu wird sehr anschaulich dargestellt. Wendet sich hauptsächlich gegen frühe Eheschließungen in Arbeiterkreisen, "durch welche das Proletariat vermehrt werde..." (S. 90). Geschildert wird zuerst (Kap. I u. II) das Leben des braven Bergmanns Friedrich Bohnenberger. Erschöpft durch die Doppelbelastung von Gruben- und Feldarbeit, durch die andauernden Schikanen der Vorgesetzten, ist er schon früh "bergfertig". Seine geringe Pension reicht nicht aus, die Familie zu ernähren; also verdingt er sich noch im Tagelohn. Später erhält er eine Stelle als Feld- und Waldhüter. Das negative Gegenbild zu diesem recht-schaffenen Mann ist seine Tochter Mariechen. Durch Flatterhaftigkeit und Faulheit verliert sie nacheinander ihre Stellungen als Kindermädchen, Dienstmädchen, Köchin, um schließlich in der Fabrik zu arbeiten. Danach heiratet sie den ebenso unsoliden Bergmann Ferdinand Schnabel. Sie läßt den Haushalt verkommen, treibt ihren Mann in den Alkoholismus, die Familie in die Verelendung. Fauth fordert, daß sich Frauen vor ihrer Hochzeit durch Stellungen als Dienstmädchen Kenntnisse in Haushaltsführung erwerben. "Eine Arbeiterfrau muß kochen können, sonst ist ihr Mann übel beraten." (S. 75) Daneben geht Fauth auf die Arbeit von Frauen in Fabriken ein. Dies ist für ihn die Wurzel allen Übels. "In dieser Fabrik arbeiteten Männer und Mädchen in denselben Räumen, und dieses nahe Zusammensein führe gar leicht zu bösen Dingen. Er erklärte ferner dem Mariechen, daß die Fabrikarbeiterinnen dem häuslichen Leben ganz entfremdet und meist schlechte Hausfrauen würden." (S. 81) Sein Ideal ist ein patriarchalischer Fabrikherr, der das Leben seiner Untergebenen überwacht und lenkt. Zeitkritischer Aspekt: Stellung der Frau in Ehe und Berufsleben.
     
     

  45. Freimuth, Herbert (d.i. Hermann Laven): Kaiser und Arbeiter. Erzählung. Neunkirchen: Verlag der Neunkirchener Volkszeitung 1890
  46.  

    Bibliographisch nicht nachweisbar; laut Mallmann sind Exemplare vorhanden im Kreisarchiv Saarbrücken, Landeshauptarchiv Koblenz, Stadtarchiv Friedrichsthal. "Ein Berliner Gelegenheitsschriftsteller, 'Doktor Kurt', bereist darin das Saarrevier, um die sozialen Mißstände zu eruieren - Wilhelm II. im literarischen Vexierspiegel als Arbeiterkaiser und rettender Erzengel zugleich. Trotz dieser unschwer erkennbaren Absicht wurde das Pamphlet am 8. Oktober 1890 beschlagnahmt, da es den Inhalt des verbotenen 'Sang von Lao-Fumtse' partiell referierte." (Mallmann: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung, S. 220)
     
     

  47. Crone, Max: Auf und unter der Erde. Erzählungen. Darin: 1. Durch Scheidewand getrennt, 2. Ein Gnadengesuch. Leipzig: Ph. Reclam jun. 1895 (Universal-Bibliothek. Nr. 3365)
  48.  

  49. Kettner, Emma: Glück auf! Bergmannserzählungen. Berlin (u.a.): Hillger 1915. (Kürschners Bücherschatz; 1039). Darin: Der erste Streit, S. 7 - 15; Die Brüder, S. 16 -52; Lebendig begraben, S. 53 - 57; Heimkehr, S. 58 - 72; In der Stunde der Gefahr, S. 73 - 86; Der Sieger, S. 87 - 95; Wenn man Glück hat, S. 96 - 103; Die letzte Schicht, S. 104 - 111
  50.  

    Erzählungen aus Arbeitswelt und Alltagsleben saarländischer Bergleute. Laut E. Rein-hard hat die Autorin noch zwei weitere Erzählbände u.d.T. "Bergmannsblut" und "Schla-gende Wetter" verfaßt, die jedoch bibliographisch nicht nachweisbar sind.
     
     

  51. Schmauch, Claus: Hammer und Schlägel. Saarlouis: Hausen o.J. (1928). Erzählungen, Abhandlungen und Gedichte aus dem Leben des Bergmannes, von Claus Schmauch und anderen Autoren. Darin: Schmauch: Der Berggeist. Eine alte saarländische Bergmannssage, S. 11 - 13; Anonym: Grubenfahrt, S. 19 - 24; Anonym: Schicht (Ged.), S. 24; Anonym: Knappengebet (Ged.), S. 26; Anonym: Schlagende Wetter (Ged.), S. 28 - 30; Anonym: Eine Heldin (gekürzt), S. 38 - 41; Schmauch: Die zweite Schicht, S. 42 - 45; Lux, Hanns Maria: Bergmannsfest. In Erinnerung an vergangene Tage (Ged.), S. 45 - 46
  52.  

  53. Schmauch, Claus: Saarländische Bergmannsbauern. Erzählungen. Saarbrücken: Buchgewerbehaus AG. Neustadt/Weinstr.: NSZ Rheinfront-Verlagsges. Saarbrücken: SDV. Saarlautern: Hausen Verlagsges. in Gem. o.J. (Erlebte deutsche Welt. Nr. 26. Arbeitsstoffe und Erzählungen für die deutsche Schule. Hg.: F. Fahnemann). Darin: Die zweite Schicht des Wendelsdick, S. 2 - 6; Die Ickerchen und der Heumond, S. 6 - 10; Das neue Brot, S. 10 - 13; Sein Schrebergarten, S. 13 - 16
  54.  
     

  55. Jörg, Theo: Die Rettung. Erzählung. Leipzig: Strauch o. J. (1934). (Geschichten von der Saar. 1.)
  56.  

    Polemisch, franzosenfeindlich. Spielt zur Zeit des Völkerbundes im Saargebiet. Rührselige Geschichte um die sog. "Domanialschulen". Die französische Verwaltung zwang die Kinder der Bergleute in die Grubenschulen, andernfalls drohten Repressalien, z.B. Degradierung, Arbeitsplatzverlust, Kündigung der Werkswohnung. In der vorliegenden Erzählung bringt ein Grubenunglück "Rettung". Das wundersame Entkommen aus Todesgefahr gibt der Hauptfigur, dem Steiger Bertram, wieder Mut, der französischen Grubenverwaltung zu trotzen und sein Kind doch nicht auf die Domanialschule zu schicken.

    Französische Domanialschulen gab es im Saargebiet von 1920 bis 1935. Im Versailler Vertrag war die Einrichtung französischer Schulen für die Beschäftigten der französischen Grubenverwaltung legitimiert worden. Eigentümer der Domanialschulen war die französische Bergverwaltung Saarbrücken, die eine eigene Schulabteilung unterhielt. Die Schulen wurden bald auch saarländischen Volksschulkindern geöffnet. 1920 öffneten die ersten Schulen in Sulzbach und Saarlouis, "1925 gab es im gesamten Saargebiet 21 Orte mit französischen Schulen und etwa 5000 bis 5300 Schülern" (Ilgemann: "Franzosenschulen". Die französischen Domanialschulen in der Völkerbundszeit, S. 3; vgl. auch Lempert: "Das Saarland den Saarländern!", S. 71 - 74). Zum Teil wurde die Schülerwerbung offenbar mit Druck auf die Arbeitnehmer und ihre Familien betrieben, gleichzeitig wurden für den Fall eines Besuchs der Schule finanzielle Vergünstigungen in Aussicht gestellt. Bis 1933 wendeten sich fast alle Saar-Parteien gegen die Schulen, nach anfänglichem Zögern auch die KP. Die Schulpolitik der Regierungskommission wurde von Teilen der Saar-Bevölkerung als Versuch einer "pénétration pacifique" angesehen, was zum Teil wohl auch tatsächlich Überlegungen der französischen Verwaltung entsprach (Ilgemann, S. 6). Allerdings muß betont werden, daß die Domanialschulen im Verhältnis zur einheimischen Konfessionsschule fortschrittlich ausgerichtet waren (Koedukation, Interkonfessionalität, Verbot der Prügelstrafe, Lernmittelfreiheit; vgl. Mallmann/Steffens: Lohn der Mühen, S.164 ff).

    Der sog. Schulkampf wurde von Anfang an im Zeichen völkischer und nationalistischer Propaganda und mit unbelegten und maßlosen Unterstellungen (angebliche Sex-Affären an den Schulen, Atheismus-Vorwurf) geführt, wobei der Einfluß des Klerus angesichts der laizistischen Ausrichtung der Schulen auch eine Rolle gespielt haben dürfte. Insbesondere für die sozialdemokratische und kommunistische Opposition stellte sich das Problem, daß eine Kritik der Domanialschulen mangels Alternativen ein Votum für die Konfessionsschule werden mußte.

     

  57. Schroeder, Matthias Ludwig: Alle Achtung Männer! 8 Werkmannsgeschichten. München: Langen u.a. 1936 (Die junge Reihe). Darin: Die Muffe, S. 5 - 13; Die Blume im Schrott, S. 14 - 25; Der Sturz, S. 26 - 31; Monteur Michel, S. 32 - 36; Der Sprung, S. 37 - 42; Taucher Jim, S. 43 - 48; Hundert Zentner Eisenbolzen, S. 49 - 52; Im Bauwagen am Ofen, S. 53 - 61
  58.  

    Erzählungen aus der Arbeitswelt, verschiedene Berufe werden dargestellt. Gemeinsames Thema: Arbeitsunfälle. Die einzelnen Geschichten enthalten zwar keine Ortsangaben, spielen aber wahrscheinlich nicht im Saarland.

     

  59. Kirschweng, Johannes: Das Haus. Saarlautern: Hausen 1937 (=Erbgut dt. Schrifttums. Nr. 157/158). Und: Das deutsche Wort. Die literarische Welt. Nr. 44, 26.10.1934, S. 5 - 6. Und: Zwischen Welt und Wäldern. 3. Aufl. 1935, S. 29 - 35. Und: An der Schwelle. Lesebuch für 13 - 14jährige. Saarbrücken 1951, S. 75 - 79. Und: Die Stimme der Heimat. Blätter für Bildung und Unterhaltung. Nr. 2. Beil. zur Saarbrücker Landeszeitung. Und: Zwischen Welt und Wäldern. 5. (erw.) Aufl. Saarbrücken: Sbr. Druck 1962. Und: Schacht und Heim. 1963, S. 21 - 22. Und unter dem Titel: Das Haus meines Großvaters. In: Saarbrücker Zeitung, 31.10./1.11.1970, S. 24. Und: Ders.: Sterne überm Dorf. (Bildschmuck von Werner Hesse) Saarlautern: Hausen 1938. 2. Aufl. 1939. 5. Aufl. 1942, S. 47 - 55. Und: Kleine Geschichten aus dem Saarland. Hg.: Goerg, Elisabeth. Stuttgart: Engelhorn 1989, S. 35 - 44. Und: GW Bd. 1, Erzählungen 1, S. 27 - 32
  60.  

    Kirschwengs bekannteste Erzählung (laut GW Bd. 1, Anmerkungen S. 332) beruht auf authentischer Vorlage. Kirschweng erzählt von Bau und Erwerb des großväterlichen Hauses. Schicksalhaft ist Leben und Tod des Großvaters mit dem Haus verwoben: Er stirbt nach Begleichung der letzten Rate. Verdeutlicht den Stellenwert des eigenen Hauses für den saarländischen Arbeiter. Lebensziel ist es, ein schuldenfreies Haus zu haben. Typische Einstellung: "Aber als der Großvater heiratete, da überkam ihn das unwiderstehliche Verlangen, für sich zu sein mit seiner jungen Frau und etwas zu haben, was ihnen beiden ganz gehörte und den Kindern später einmal." (GW, Bd.1, S. 27).
     

  61. Kirschweng, Johannes: Der harte Morgen. 1. - 5. Tsd. Stuttgart: Engelhorn 1938 (= Neue Engelhorn - Bücherei. 9.) Und: 6.-10. Tsd. Stuttgart: Speemann 1948. (Hg.: Theodor Brüggemann. Lirensa) Bochum: Kamp 1960 (= Deutsche Gaben). Und: GW Bd. 1, Erzählungen 1. S. 177 - 219
  62.  

    Proletarisierung einer Bauernfamilie. "Peter Pflumm besaß ein kleines Anwesen an der mittleren Saar. Es hätte ihn und die Seinen ernähren können, wenn alles seinen ruhigen und sicheren Gang gegangen wäre, wenn der Kreislauf von Saat und Ernte, von Aufzucht und Verkauf der Rinder und Schweine nicht immer wieder von der gewalttätigen Hand des Schicksals auseinandergerissen worden wäre. So gab es Hagelschlag und Mißernten, Seuchen unter dem Vieh und unaufhörliche Sorgen, und da fing der bis dahin nüchterne Mann, Peter Pflumm, an zu trinken, um das Quälende zu vergessen. Er vergaß es immer wieder, bis es ihm über den Kopf gewachsen war und ihn und Frau und Kinder aus dem kleinen warmen Bauernhaus hinausstieß."(GW, Bd. 1, S. 177) Pflumm wurde Fuhrmann auf der Wadringer (=Wadgasser) Glashütte, "bekam ein sicheres, wenn auch nicht allzu reichliches Brot und wohnte mit vielen Familien zusammen in einem der großen Häuser, die zur Hütte gehörten." (ebd., S. 177 f.) Verlust des Besitzes und der Heimat bedeutet Entwurzelung und soziale Deklassierung. Im Erzählgeschehen ausführliche Schilderung der Arbeitssituation in der Glasfabrik.
     
     
     

  63. Barth, Oskar: Saar - Bergleute. Gotha 1940. Aus: Gothaisches Tageblatt 1940, 14. - 18.3., Nr. 63 - 66
  64.  

    Sentimentale Geschichte um Standesbewußtsein und Bodenständigkeit der saar-ländischen Bergleute.

     

  65. Kirschweng, Johannes: Der Trauring. Erzählung. 1. - 10. Tsd. Jena: Diederichs 1940. Deutsche Reihe. Bd. 95. 11. - 20. Tsd. 1941. Und: GW Bd. 11, S. 29 - 77.
  66.  

    Konflikt zwischen zwei Schwestern. Die eine, Katrin Holler, hat ihre alte Erbtante gepflegt. Sie wurde durch die Erbschaft zwar eine wohlhabende Frau, mußte aber auf Familie und persönliches Glück verzichten. Ihre Schwester Elisabeth dagegen heiratete einen einfachen Arbeiter. Sie ist arm, aber glücklich. Katrin beneidet sie um dieses Glück. Schilderung des Arbeitermilieus: Heimkehr von der Schicht, Haushalt und Familie, aber auch Bedürftigkeit.

     

  67. Petto, Alfred: Das Saarbergmannskind. Bildnis einer Jugend. Erzählung. Mit Zeichnungen von Fritz Zolnhofer. 2. Aufl. Neustadt a.d. Weinstr.: Westmark-Verlag 1940. Und: Ludwigshafen/Rh.: Westmark-Verlag 1943 (Feldpost-Ausgabe)
  68.  

    Recktenwald: " ... Abriß der Kindheit eines Jungen, der wie Vater und Großvater in ein Leben 'unter Tage' wächst, zeichnet an einem Einzelfall den ewigen Schichtwechsel des Lebens" (Über das Einfache und Volkstümliche in der Erzählkunst. Nachwort zu Pettos Roman "Und die Erde gibt das Brot", S. 278). Die Erzählung spielt gegen Ende des 19. Jahrhunderts in einem nicht näher benannten saarländischen Bergmannsdorf. Die Hauptfigur, Peter Hunsicker, ist Bergmann in der dritten Generation. Bereits 1847 ist sein Großvater als Bauernbub in das Kohlendorf gekommen. Hunsicker wächst in der Zeit der großen Streikwelle auf. Detaillierte Schilderung von Arbeitsplatz und Arbeitsvorgängen, Beschreibung der Industrielandschaft, Beleuchtung des sozialen Umfeldes. Eingestreut sind Geschichten, Sagen und Anekdoten. Laut Wilhelm Dillinger war diese Erzählung ursprünglich eine Auftragsarbeit mit dem Ziel, "eine Darstellung des saarländischen Bergmanns zu geben; eine Analyse, die soziologische und psychologische Gegebenheiten herausarbeiten sollte" (Dillinger: Alfred Petto gest.)
     
     

  69. Croon, Maria: Das Werk einer Magd. Trier 1954
  70.  

    Geschichte der Magd Margret Märtel. Diese wächst in ärmlichen Verhältnissen, ausgestoßen aus der Dorfgemeinschaft, auf. Sie erzieht Heini, den Sohn ihrer Schwester. Letztere beleiht kurz vor ihrem Tod das Familienland. Es gelingt Margret, das Land selbst zu ersteigern. Um die Summe aufzubringen, muß sie aber in die Stadt ziehen und sich als Wäscherin und Haushälterin verdingen. Mit Hilfe der wenigen ihr wohlwollenden Dorfbewohner gelingt es ihr, Heini Haus und Hof zu erhalten und für ihn weitere Landgüter für den Aufbau eines selbständigen Bauernhofes zu erwerben. Die verzehrende Arbeit in der Stadt rafft sie schließlich dahin, nachdem sie ein letztes Mal das eigene Haus gesehen hat. Thematisiert wird insbesondere der Stadt-Land-Gegensatz (S. 40 f, S. 68 f) und die Situation der in die Stadt abgewanderten Dorfbevölkerung (Arbeit am Hochofen, S. 90 ff). Dies geschieht bei aller Sensibilität für die Grausamkeit dörflicher Ausschließungsmechanismen aus einer deutlich modernitätskritischen, z.T. Land und "Scholle" idyllisierenden Perspektive.

     

  71. Hoffmann, Bernhard: Einfach gelebt haben. 6 Arbeitslegenden. o.O. (1975). Darin: Die vierte Dimension, S. 5 - 10; Fließband, alles Fließband, S. 15 - 24; Betrieb, S. 25 - 41; Verfall, S. 42 - 47
  72.  

    Kein typischer Saarlandbezug

     

  73. Jungmann, Kurt: Aus Gruben und Stuben. Berschmannsguddsjer. Saarbrücken: Wons-Verl. 1982
  74.  

  75. Mackay, John Henry: Die Menschen der Ehe. Schilderungen aus der kleinen Stadt. Freiburg im Breisgau 41985
  76.  

    Der anarchistische Dichter beschreibt einen Besuch in Saarbrücken, wo er Teile seiner Jugend verbrachte. Beobachtungen zur Sozialstruktur, Bürgertum und Arbeiter, Kritik der spießbürgerlichen Lebensverhältnisse und patriarchaler Unternehmensführung. Vgl. Volksstimme (1067)

     
     
    1.1.3. Autobiographien, Reise- und Erfahrungsberichte
     
     
  77. Osterroth, Nikolaus: Vom Beter zum Kämpfer. o.O. 1920. Berlin, Bonn 21980.
  78.  

    Jugenderinnerungen des Gründers der sozialdemokratischen "Saarwacht" und späteren Partei- und Gewerkschaftsfunktionärs. Geschildert wird eine von starrem Katholizismus und schwerer körperlicher Arbeit im Tonbergbau geprägte Jugend in der Rheinpfalz, die mit der Bekehrung zu den Idealen des Sozialismus ihren Abschluß findet. Probleme der politischen Emanzipation in dörflichen Strukturen, Volksfrömmigkeit an Rhein und Saar, Darstellung der Arbeit im Tonbergbau.

     

  79. Osterroth, Nikolaus: Nach der Jahrhundertwende im Saargebiet. (unveröffentl. Manuskript, LASB, Sammlung Handfest). Auszug (Als das Saarrevier noch saarabisch war) in: Vorwärts-Almanach 1921, S. 89 - 92. Auszüge in: Emmerich (Hg.): Proletarische Lebensläufe. (In der Ziegelfabrik, Bd.1, S. 221 - 224. Unsere erste Maifeier, Bd. 1, S. 357 - 359)
  80.  

    Vier ausführliche Kapitel Osterroths zu seiner Zeit im Saarrevier, geplant als Fortsetzung seiner Jugenderinnerungen. Dargestellt werden die Geschichte der Arbeiterbewegung an der Saar (Rückblick auf den Rechtsschutzverein) und Osterroths eigene Tätigkeit nach 1901 in zum Teil anekdotischer Form: Versuche, die SPD regional zu verankern, Wahlkandidaturen, Reorganisierung des Bergarbeiterverbandes, Krämer-Hilger-Prozeß, Verbreitung der Broschüre "Saarabien vor Gericht", Gründung der "Saarwacht" und mehrfache Inhaftierung. Bemerkungen zur Mentalität der regionalen Parteimitglieder: Die Rückständigkeit des Bürgertums habe eine besonders radikale, antirevisionistische Ausrichtung der Sozialisten an der Saar bewirkt, was aber gleichzeitig die Art von Sozialismus gewesen sei, die der Reaktion für ihre Unterdrückungspläne am willkommensten gewesen sei.

     

  81. Osterroth, Franz: Nikolaus Osterroth. Leben eines Bergarbeiters. (unveröffentl. Manuskript, LASB, Sammlung Handfest)
  82.  

    Franz Osterroths Biographie arbeitet im wesentlichen die von seinem Vater überlieferten Materialien auf. Es liegen zwei Kapitel vor ("Sturmjahre in 'Saarabien'" und "Der Redakteur der 'Saarwacht'"), die Teile eines umfangreichen Manuskriptes zu sein scheinen.

     

  83. Trittelvitz, Bernhard: Meine Patienten, die Kumpels und ich. 27 Jahre Arzt an der Saar. Leipzig: Koehler & Amelang 1934
  84.  

    Erfahrungen und Beobachtungen eines Knappschaftsarztes in den Bergarbeiterdörfern um Elversberg (Tittelvitz war ein bekanntes Original, er wohnte in Elversberg). Schildert das Leben der Bergleute, Armut und Krankheit. Ortsnamen wurden verändert. Teilweise stark nationalsozialistisch engagiert. Vgl. Scholdt: Grenze und Region, S. 75 - 82

     

  85. Triem, Jakob: Im Schein der Grubenlampe. Ein Tagebuch. Bochum o.J.
  86.  

    Triem stammt aus einer Bergarbeiterfamilie aus dem pfälzischen Lambsborn (bei Landstuhl). Ebenso wie sein Vater fährt er 1918, mit 15 Jahren, auf der saarländischen Grube Heinitz ein: "Unsere Großväter konnten sich noch von Landarbeit ernähren. Die Väter aber mußten, weil der Raum zu eng wurde, zu den Hüttenwerken und Kohlengruben, die dreißig Kilometer von unserem Heimatort entfernt liegen. Wir haben also nur zu entscheiden, ob wir zur Hütte oder zur Zeche wollen." Schonungslos realistische Darstellung der Arbeitsverhältnisse unter Tage, soziale Ungerechtigkeiten, Hunger und Not der Kriegsjahre.

     

  87. Dahlem, Franz: Jugendjahre. Vom kath. Arbeiterjungen zum prolet. Revolutionär. Berlin: Dietz 1982. Bes.: 1. Kap.: Aus der Zeit der Kindheit u. Jugend. S. 19 - 185. 2. Kap.: Lehrjahre. S. 186 - 391
  88.  

    Lebensbeschreibung aus klassenkämpferischer Sicht. Schildert die ersten 27 Lebensjahre des späteren SED-Parteifunktionärs. Kindheit und Jugend im damals noch deutschen Lothringen (vgl. Biographie). Grenzlandproblematik vorherrschend. Besonders: Streik auf den Solvaywerken in Saaralbe 1906 (S. 121 f.). Einfluß der Kirche auf Arbeiterschaft verbunden mit der langsamen Ausbreitung der Sozialdemokratie (Reichstagswahlen 1907, S. 126 f.). Darstellung der Industriestadt Neunkirchen (S. 226 f.).

     

    1.1.4. Anekdoten

     

  89. Bungert, Gerhard/Mallmann, Klaus-Michael: Bergmannsgeschichten von der Saar. Illust. v. Michael Hardt. Bd. 1. Saarbrücken: Saarbrücker Zeitung Verlag u. Druckerei 1979
  90.  

  91. Bungert, Gerhard/Mallmann, Klaus-Michael: Kaffeekisch unn Kohleklau. Weitere Bergmannsgeschichten von der Saar. Bd.2. Saarbrücken: Buchverlag Saarbrücker Zeitung 1980
  92.  

  93. Bungert, Gerhard/Mallmann, Klaus-Michael: Mit Mussik unn Lyoner. Dritter Teil der Bergmannsgeschichten von der Saar. Mit Illustrationen von Michael Hardt. Saarbrücken: Buchverlag Sbr. Ztg. 1981
  94.  

  95. Schmidt, Lotte: Saarbrücker Schmunzelbuch. Humor des Alltags aus dem alten Saar-brücken. Mit Illustrationen von Fritz Ludwig Schmidt. Saarbrücken: Saarbrücker Druck u. Verlag 1984. Darin: S. 12 - 111
  96.  

  97. Schmidt, Lotte: Saarländisches Schmunzelbuch. Humor des Alltags aus Saarbrücken und Umgebung. Mit Illustrationen von Fritz Ludwig Schmidt. o.O: Buch und Kunstverlag GmbH 1989.
  98. 1.1.5. Betrachtungen, Essays, Feuilletons

     

  99. Petto, Alfred: An der Saar zuhaus. Ein Bildband. Saarbrücken: Minerva-Verlag 1955. 2. Aufl. 1956. 4. im Bild teilweise veränd. Aufl. 1962. 5. Aufl. 1962. 8. Aufl. 1979. 9. Aufl. 1981
  100. Saarland als Industrieland. Eingestreut sind episodenartige Auszüge aus Pettos Romanen und Erzählungen.

     

  101. Schmidt, Theo: An der Saarmaid Wanderweg. Bilder und Skizzen aus dem Saartal. Bd. 1. Hg. mit Förderung der Lehrerkammer des Saargebiets von Rektor Karl Schneider, Saarbrücken. Saarbrücken: Hofer 1924 (Unsere Saarheimat. Eine Reihe volkstümlicher Heimatschriften von der Saar)
  102.  

    Industrielandschaft an der Saar, Hüttenwerke und Gruben.

     

    1.2. Lyrik
     
    1.2.1. Gedichte
     
  103. Scharf, Ludwig: Lieder eines Menschen. München: Dr. E. Albert-Verlag 1892
  104.  

    Scharfs (S. Biographie) erster eigenständiger Gedichtband, Max Halbe und Julius Brand gewidmet. Drei Abteilungen: Prometheisches, Visionäres, Lyrisches.

    Kritik des Christentums, Pantheismus, Künstlerproblematik, Zivilisationskritik, Spott bürgerlicher Wohlanständigkeit, lebensphilosophische Abwehr philiströser Buchstaben-gelehrtheit, Naturverherrlichung und Sozialkritik ("Ein Gotteshaus", S. 37: Von der Sorge bedrohte Liebe der Weber) in häufig ekstatischen Versen.

     

  105. Matheis, Joh./Nießen, Heinr. (Hg.).: "Nach der Schicht". Bergmännische Gedichte und Lieder. Bildstock u. Rheydt: Selbstverlag 1901
  106.  

    Gedichte von Johann Matheis und anderen Autoren, vmtl. aus dem "Bergmannsfreund" zusammengestellt.

     

  107. Scharf, Ludwig: Tschandala-Lieder. Stuttgart: Axel Juncker Verlag 1905
  108.  

    Titel in Anlehnung an Nietzsche (Götzendämmerung). Vier Teile: Anatheme, Visionen, Hunger und Liebe, De Caelo. Vom Naturalismus geprägte und mitunter auf den Expressionismus vorausweisende Gedichte mit z.T. sozialrevolutionärer Tendenz, aber keine Agitationslyrik, eher eine anarchistische Außenseiterposition: Bürger- und Bildungshaß, Sehnsucht nach Tod und Ichverlust, Lob der Sinnlichkeit und des Bohème-Lebens, Aufbegehren gegen soziale Ungleichheit. Nähe zu Wedekind. Trotz Herkunft des Autors kein spezifischer Saar-Bezug.

     

  109. Rohr, Auguste: Empfindungen eines jungen Bergmanns in Liedern und Dichtungen. Stiring-Wendel: Selbstverlag 1931
  110.  

    Forbacher Dialekt. Aus dem Vorwort: "Es ist eine Sammlung von Liedern, die wir dem jungen Stiringer Dichter Auguste Rohr verdanken, der selbst Bergmann von Beruf, in schlichten Versen das geschildert hat, was der Bergmann in seiner Brust empfindet, wenn er tief drunten im Schacht seinen schweren Beruf ausübt, und dann auch, wenn wieder daheim, er im Vereine seiner Lieben die wenigen Stunden der Ruhe genießt, vor der nächsten Schicht."

     

  111. Groß, Adolf: Knappen, Kameraden. Bergmannsgedichte. Leipzig u. Hartenstein: E. Matthes o.J. (1942)
  112.  

  113. Korn, Albert: Schaffendes Volk. Saarländ. Werk- und Bauerngedichte. o.O.: Selbstverlag 1950. Und: Dillingen/Saar: Krüger o.J. Darin: Arbeitergedichte, S. 3 - 21
  114.  

  115. Groß, Adolf: Licht in Bergesnacht. Gedichte eines Bergmanns. Saarbrücken: Minerva-Verlag 1958. 2. erw. Aufl. 1963
  116.  

    Bergmannsgedichte. Teilweise traditioneller Blick auf den Bergmann und seine Lebensweise ("Es lebe der Bergmannsstand", S. 10), Gedichte zur Doppelbelastung in Landwirtschaft und Grubenarbeit ("Der Bergmannsbauer", S. 42), zu einzelnen Feiertagen, zu Grubenunglücken ("Der rasende Tod, S. 38). Keine Sozialkritik, z.T. religiöse Ausrichtung ("Gebet vor der Anfahrt", S. 19). Die Arbeit in der Grube als naturhaft-mythisches Geschehen, Bedrohung durch den personifizierten Tod. Gewisse Nähe zur älteren Arbeiterdichtung (Bröger/Lersch), auch zu Standesdichtung.

     

  117. Schneider, Erich: Sei mir gegrüßt vieltausendmal..... Heimatgedichte von Erich Schneider aus Hoof. Hg. vom Heimat- und Kulturverein Ostertal e.V. Hoof 1985
  118.  

    Heimatgedichte eines Bergmannssohns und Hüttenarbeiters. Thematisiert werden allerdings nicht Arbeitswelt und Industrie, sondern verschiedene Aspekte des dörflichen Lebens (von Dorffesten über Hochwasser bis zum Mitteilungsblatt), Stationen aus dem Lebensweg des Autors (Kriegsteilnahme, Gefangenschaft in Lothringen), Natur und Erntedank in gereimter Form.

     
    1.2.2. Lieder
     
  119. Koehler, Carl: Volkslieder von der Mosel und Saar. Mit ihren Melodien aus dem Volksmund gesammelt. Mit vgl. Anmerkungen und einer Abhandlung. von John Meier. Bd. 1. Halle a.d.S.: Niemeyer 1896. Darin: Wie edel ist das Bergmannsleben! S. 333 - 334; Das bergmännische Leben, S. 334 - 335; Bergleut' zu Hauf rufen: Glück auf, S. 335 - 336; Glück auf, S. 336 - 337; Glück auf, Glück auf! Der Bergmann kommt, S. 337 - 338; Bergmannsblut hat frischen Mut, S. 338 - 339; Es braust ein Ruf so schnell wie Pest, S. 361 - 362; Glück auf, Kameraden, durch Nacht zum Licht, S. 362 - 363; Ein Ruf geht über Berg und Thal, S. 363 - 364; Anmerkungen, S. 450 f.
  120.  

    Die letzten drei Lieder sind sozialdemokratisches Liedgut aus der Streikzeit 1889, die laut Herausgeber im Saarland entstanden sind. Der Titel "Glück auf, Kameraden, durch Nacht zum Licht" ist eine Umdichtung von Theodor Körners "Berglied" (vgl. Anmerkungen, S. 458).

     

  121. Koehler, Carl: Volks-Liederbuch. Eine Sammlung, insbesondere für den Gebrauch in berg- und hüttenmänn. Schulen. Leipzig: Breitkopf u. Härtel 1898.
  122. Darin: Bergleut' zu Hauf rufen: Glück auf!, S. 17; Da stehen wir und klagen, S. 20 - 21; Der Bergmann im schwarzen Gewand, einfach, schlicht, S. 21 - 22; Der Mensch soll nicht stolz sein, S. 23 - 24; Glück auf! Glück auf! der Bergmann (Steiger) kommt, S. 59 - 60; Glück auf! ihr Bergleut' jung und alt! S. 60 - 61; Glück auf! Ist unser Bergmannsgruß, S. 62 - 63; Heil dir, des Volkes Hort! S. 63; Schon wieder tönt vom Schachte her, S. 99 - 100; Schön ist das Bergmannsleben, S. 100 - 102; Was mit unverdross'ner Müh', S. 110 - 111; Wenn ich eins betrachte das bergmänn'sche Leben, S. 112 - 113; Wenn schwarze Kittel scharenweis, S. 114 - 115; Wie edel ist das Bergmannsleben, S. 116 - 117

     

  123. Saarlieder-Buch des Bundes der Saarvereine. Hg. vom Saar-Verein. Zusammengestellt von Th. Vogel. Berlin 1927
  124.  

  125. Lux, Hanns Maria: Schwur des Volkes. Kantate für Chor. Heidelberg 1933
  126.  

  127. Deutsch ist die Saar. Gesammelte Saarlieder. Berlin 1934
  128.  

  129. Saarvolk singt. Lieder und Gedichte für den Saarkampf. Saarbrücken 1934. Darin: Johannes Sorge: Der Saarbergmann, S. 20.
  130.  

    Der Bergmann als Verteidiger der deutschen Saar.

     

  131. Thamerus, Friedrich/ Schwartz, Josef: Saarhymne. Saarländer Liederblatt, Nr. 2, o. O. 1934
  132.  

  133. Bergmann, G.A.: Des deutschen Saarvolks Befreiungslied. Selbstverlag 1935
  134.  

  135. Glitz-Holzhausen, A./Schmitt-Ensdorf, E.: Frei ist die Saar. Acht neue Saarlieder. Neunkirchen 1935
  136.  

  137. Schicht und Feier. Lieder zur Arbeit und Geselligkeit des Saarbergmanns. Hg. v.d. Saargruben Aktiengesellsch. Saarbrücken. Würzburg: Stürtz o.J. (1938). Darin: Bergmannslieder, Kap. I, S. 1 - 42. Arbeits- und Handwerkslieder, Kap.II, S.43 - 56
  138.  

    Bergmannslieder sind ein problematisches Kapitel. Es sind im Saarland zwar zahlreiche Lieder bekannt, doch stammen die meisten aus anderen, älteren und traditionelleren Bergbaugebieten. Sie kamen durch zugereiste Bergleute in diese Region. Eigene Bergmannslieder aus dem Saarrevier sind erst ab 1850 überliefert (vgl. Mallmann: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung, S. 237).

    "Wir können hier im Saarkohlenrevier noch keine große Anzahl Bergmannslieder verzeichnen. Dies hängt mit der verhältnismäßig kurzen Zeit des regelrechten Baues unserer Gruben zusammen. Denn obschon auch unter Nassau-Saarbrückischer Herrschaft hie und da Kohlen zutage gefördert wurden, hatte sich dazumal ein eigentlicher Bergmannsstand in unserer Gegend noch nicht herausgebildet. Die Bauern des Köllertals und der Umgebung arbeiteten wohl soviel Kohle heraus, als sie für den Haushalt nötig hatten, allein das war auch alles und sie blieben daher mehr Bauer als sie Bergmann wurden." (Kloevekorn: Das Saarland, S. 335)

     
    1.3. Dramatik
     
    1.3.1. Schauspiele

     

  139. Schmidt, August: Abgebaut. Lebensbild in 2 Akten (Volksstück). Leipzig: Arbeiter-Theaterverlag A. Jahn o.J. (1929), (Soziale Mehrakter Nr. 41)
  140.  

    Wird dem saarländischen Autor August Schmidt zugeschrieben, von dem auch der Roman "Im Schatten der grauen Berge" stammt. Das Stück spielt jedoch im Rheinland in den zwanziger Jahren.

     

  141. Müller-Roden, Johannes: Ein Mann sagt die Wahrheit. Ein Rüpelspiel. Berlin: Bühnenvolksbundverlag 1932
  142.  

  143. Jörg, Theo: Front an der Saar. Schauspiel. Leipzig: Strauch o. J. (1934)
  144. Tendenziös, franzosenfeindlich. Der 3. Akt ähnlich wie "Wacht im Berg"

     

  145. Jörg, Theo: Wacht im Berg. Ein Saarspiel. Leipzig: Strauch o.J. (1934)
  146.  

    Polemisch, franzosenfeindlich. Deutlich nationalsozialistische Tendenzen. Unterstellt Frankreich Ausbeutung der Saargruben für militärische Zwecke, z.B. Aufrüstung. Spielt unter Tage.

     

  147. Kirschweng, Johannes: Spiel vom Dichter und Volk. Dem Andenken der Glasmacher unter meinen Vorfahren. Saarlautern: Hausen 1936. Und: GW Bd. 8. S. 181 - 192
  148.  

    Aus dem Vorwort zur ersten Ausgabe: "Das 'Spiel vom Dichter und Volk' wurde geschrieben für die erste Wiederkehr des Tages, an dem unsere Heimat zum Reich zurückkehrte. Es sollte darin die Verbundenheit mit den schaffenden Menschen dieses Landes ausgedrückt werden, insbesondere mit denen meiner Wadgasser Heimat, die einer uralten Überlieferung folgend ihr Brot als Glasmacher und Schleifer verdienen."

     

  149. Müller-Roden, Johannes: Der Kragenknopp. Ein frohes Spiel für ausgelassene Leute in 2 Aufzügen. Saarlouis: Hausen o.J. (1958)
  150. Schwank im Arbeitermilieu.

     

  151. Bungert, Gerhard/Mallmann, Klaus-Michael: Eckstein ist Trumpf. Ein Volksstück über die Anfänge der Gewerkschaften an der Saar. o.O. 1976. 1. Aufl. September 1979. Saarbr.: Selbstverlag der Autoren. 2. Fassung o.O. 1976. Und: Klippert, Werner: Hörspiele saarländischer Autoren. Dillingen 1982, 3. Fassung, S. 36-58
  152.  

    Handelt von Nikolaus Warken, dem Gründer des Rechtsschutzvereins und Anführer der Streikbewegung von 1889 an der Saar. Mit dem Ausspruch "Eckstein ist Trumpf" düpierte Warken einen Steiger, "Eckstein" wurde danach sein Spitz- und Kampfname. Das Theaterstück wurde laut einer Ankündigung in der "Saarheimat" vom SLT anläßlich des 125. Geburtstages des Streikführers in Auftrag gegeben und im Herbst 1976 uraufgeführt. Das sozialkritische Stück zeigt das Schicksal saarländischer Bergleute im 19. Jahrhundert, die Ausbeutung und Korruption in den Gruben, die schließlich zum Widerstand der Bergleute führte.

     

  153. Gulden, Alfred: Naatschicht. Ein Theaterstück in 3 Teilen. Saarbrücken: Saarbr. Druck u. Verlag 1979
  154. Sozialkritisch. Nachtschicht zerstört Familienleben und treibt Arbeiter in den Selbstmord.

     

  155. Gulden, Alfred: Splitter im Aug'. Stück in 14 Bildern. Reinbek b.Hamburg: Rowohlt Verlag GmbH, Theater Verlag 1984
  156. Sozialkritisch. Setzt sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit auseinander, zeigt die daraus erwachsenden psychischen und sozialen Probleme.

     
    1.3.2. Sprechchöre
     
  157. Lux, Hanns Maria: Das Herz der Saar. Ein Treuespiel in Not und Leid. Saarbrücken 1934
  158.  

  159. Bischoff, Oskar: Wir rufen Deutschland. Saar-Sprechchor. Stuttgart o.J.
  160.  

  161. Jörg, Theo: Die Befreiungsfeier. Gedicht und drei Sprechchöre. Leipzig o.J.
  162.  

  163. Jörg, Theo: Saarwacht. Sprechchöre für deutschen Kampf an der Saar. Trutzwacht. Jungwacht. Saarwacht. Saardeutsche sprechen. Gedenkt der Toten. Saarlouis o.J.
  164.  

  165. Kürten, Michael: Am Diebesschacht. Eine Chorlegende aus dem Schacht an der Saar. München o.J.
  166.  

    Legendenhaft gestaltetes, völkisches Singspiel über die Nutzung der Saar-Gruben durch Frankreich und die Folgen des Versailler Vertrages.

     

  167. Singer, Marcus (Hg.): Deutsch ist die Saar - immerdar. Ein Sing- und Gestaltungsspiel von deutscher Treue in Wort und Lied. Berlin o.J.
  168.  

  169. Werbelow, Rolf: Die Zeit wird reif. Saar-Sprechchöre. Neunkirchen o.J.
  170. Dichter, Volk, Bauern, Berg- und Hüttenarbeiter besingen die Hoffnung auf nationale Befreiung.

     

    1.3.3. Hörspiele

     

  171. Köhler, Karl/Lenz, Luise (d.i. Hugo Bock): "Die Saar ist deutsch!" Ein Hörspiel vom Kampf deutscher Menschen an der Saar gegen Separatismus. o. O. u. o. J. (Saarbrücken um 1950) (maschinenschriftliches .Manuskript)
  172.  

    Spielt nach dem Zweiten Weltkrieg im Saarland im Arbeitermilieu. Richtet sich gegen den Versuch, das Saarland politisch Frankreich anzugliedern. Ähnliche Tendenzen wie in der Völkerbundszeit von 1920 - 1935.

     

  173. Kraus, Heinrich: Don Schang. Schwank. o.O. u. o.J. (gesendet vom SWF 1966) (maschinenschriftliches Manuskript)
  174.  

    1.3.4. Fernsehspiel
     
  175. Kraus, Heinrich: Die Buddik. E story aus Dengmoad oder eine Geschichte aus dem Saarland. o.O. (Bruchmühlbach-Miesau) o.J. (1983) (als Manuskript vervielfältigt)
 
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