Zweiteiliger Roman, nur der erste Teil spielt im Saarland. Im Mittelpunkt des Geschehens steht ein großes Grubenunglück in Dechen (vermutl. diente das Unglück von Reden 1907 als Vorbild). Detaillierte Darstellung des Arbeitermilieus.
Spielt in "Neuweiler" (d.i.Neunkirchen) im Saarrevier. Schildert das tragische Schicksal einer Industriellentochter, die mit der damals konventionellen Frauenrolle nicht zurechtkommt. Sozialgeschichtlich interessant wird der Roman durch die plastische Darstellung des Streikgeschehens von 1889 an der Saar, das episodenhaft in das Geschehen eingewoben ist (S. 219 - 280): "Der zeitliche und örtliche Rahmen der Handlung macht diesen Text zu einem Stück romanhafter Sozialgeschichtsschreibung des Neunkirchener Raumes." (Scholdt: Liesbet Dill. In: Saarländische Lebensbilder S. 224) Vermischung autobiographischer Momente mit authentischem Geschehen. Teilweise Änderung von Orts- und Personennamen, so wurde der Streikführer Nikolaus Warken umbenannt in "Bickel", sein Spitzname "Eckstein" zu "Schellenwurzel".
Spielt während des 1. Weltkrieges in dem kleinen saarländischen Hochwalddorf Bachweiler (d.i. Hausbach) bei Mettlingen (d.i. Mettlach). Dank des Engagements des Dorflehrers Spangenberg gelingt es, die nichtseßhaften und kriminellen Nagelschmiede und Kesselflicker der Hundsgasse in die bäuerliche Gemeinschaft des Dorfes einzu-gliedern. Aus ihnen werden seßhafte Arbeiter. Darüber hinaus wird der Zerfall des Wilhelminischen Reiches, der alten Ständeordnung und der Beginn einer neuen Zeit versinnbildlicht. "Die Standes- und Klassenunterschiede werden verschwinden und jeder wird ein Plätzchen an der Sonne haben - auch die Hundsgasser." (S. 459) Enthält detaillierte Schilderung der Arbeitsbedingungen in der Steingutfabrik "Steinbuch & Faber" (d.i. Villeroy & Boch).
Geschichte der Familie Helder in der Zeit vor 1914 bis 1934. Die Helders sind eine alteingesessene Saar-Familie, ein Zweig der Familie lebt in Frankreich. Edgar Helder, Besitzer einer Fabrik in Paris, hat nach 1870 die französische Staatsbürgerschaft angenommen, um seinen Besitz nicht zu verlieren (S. 18). Im Mittelpunkt steht das Schicksal des jungen Hans Helder, der an der Saar bei seinen Großeltern lebt. Anschaulich dargestellt werden anläßlich eines Besuches des franz. Teils der Familie an der Saar die aus unterschiedlichen politischen und kulturellen Traditionen erwachsenden Verständigungsschwierigkeiten. Der 1. Weltkrieg wird für die Familie zur Zerreißprobe: Ein tödlich verwundeter franz. Soldat, den Hans in einem Lazarettzug am Saarbrücker Bahnhof antrifft, übergibt ihm einen Brief an seine Eltern. Zu spät erkennt Hans, daß es sich um seinen Vetter Ferdinand handelte (S. 75 f). Nach 1918 lebt Hans zunächst bei seinem Vater in Halle, dann wieder im Saargebiet. Dargestellt werden Identitätsproblematik, auch praktische Probleme in der Zeit französischer Verwaltung (Einreise ins Saargebiet, Pässe).
Während es Dill in Teilen des Romans durchaus gelingt, die schwierige Situation der Bevölkerung an der Saar und in Elsaß-Lothringen unter wechselnder nationaler Herrschaft differenziert, wenn auch nicht immer ohne Stereotypen (vgl. insbesondere zu Sexualstereotypen im Vergleich, Scholdt: Grenze und Region, S. 210), darzustellen, fällt sie am Schluß in einen hemmungslosen völkischen Propagandataumel: Der inzwischen erwachsene Hans reist zum Niederwald-Denkmal, um eine Hitler-Rede zu hören (S. 167 ff). Die Feier ist ihm uneingeschränktes Treuebekenntnis zu Deutschland.
Arbeitswelt: Hüttenbesichtigung in Neunkirchen, S. 33 - 42; Bergwerksbesichtigung, S. 44 - 48; Stimmung der Bergleute nach 1918, S. 132 ff; tendenziöse Darstellung der Novemberrevolution aus Sicht des abstiegsbedrohten Bürgertums, S. 79 f, S. 129
Politischer Agitationsroman. Schildert den Abstimmungskampf im Saargebiet 1933 als Kampf der kommunistischen Arbeiter gegen die - meist faschistischen - Bonzen. Im Mittelpunkt des Geschehens stehen Werner, ein arbeitsloser Metalldreher aus Neunkirchen, und seine katholische Freundin Liesbeth Biesel, eine kleine Verkäuferin. Gerhard Schmidt-Henkel bezeichnet das Werk als "... einen kommunistisch-patriotischen Agitationsroman und einen Heimatroman zugleich". (Regler: Im Kreuzfeuer, Ffm. 1986, S. 235). Ralph Schock stellt den Roman von Inhalt und Struktur her in die Reihe der BPRS-Romane und -Erzählungen (Schock: Gustav Regler, S. 194). Bungert/Mallmann sehen darin "... Argumentationshilfen im antifaschistischen Kampf, ... ein Lehrbuch gegen die Nazis". Sie werten es als "saarländisches Braunbuch" in Romanform (Bungert/Mallmann: "Im Kreuzfeuer". In: Begegnung mit Gustav Regler, S. 30).
Sentimentaler Liebesroman. Schildert das Schicksal einer saarländischen Bergmanns-familie während des 1. Weltkrieges. Elemente des trivialen Heimat- und Frauenromans, dazu Grenzlandproblematik. Stark ausgeprägte Volksreligiosität neben deutsch-nationalen Tendenzen (z.B. anti-französische und antisemitische Anspielungen, Frauen-bild). Einzig bemerkenswerte Aspekte: Erwähnung der Berufstätigkeit von Frauen und Arbeitseinsatz von Frauen im Ersten Weltkrieg: "Viele Frauen arbeiten an der Drehbank, bei der Bahn, Post und Straßenbahn. Es gibt bald keine Männerarbeit mehr, die nicht in Frauenhände übergeht. Nur in das Bergwerk unter Tage dürfen sie nicht einziehen." (S. 48)
Entwicklungsroman. Autobiographische Züge. Spielt in Wadringen (= Wadgassen) zu Beginn dieses Jahrhunderts. Schildert die Jugend von Ludwig Burgund, der aus einer alten Glasmacherfamilie kommt. Ludwig soll als das begabteste Kind der Familie studieren, um später Pfarrer zu werden. Diese für viele saarländische Arbeiterfamilien typische Situation beschreibt Kirschweng noch an anderer Stelle: "Da ist ein Junge in der Familie. Der Lehrer sagt, er sei besonders begabt, und der Pfarrer sagt es auch. Und sie kommen beide in das Bergmannshaus und erklären, wie sie helfen werden und wie andere noch helfen werden, damit aus dem Jungen etwas werden kann. Die Mutter sieht ihn schon am Altar stehen, und der Vater denkt heimlich für sich, er könnte doch auch Doktor werden oder sonst etwas in der Welt; sie sagen ja, und dann fängt für sie ein langandauerndes Martyrium an. Sie müssen ihren Fleiß zum Fanatismus steigern und ihre Sparsamkeit zum Geiz, und wenn ihre anderen Kinder die kleinen Freuden der Dorfkinder haben möchten, die doch ein paar Pfennig kosten, müssen sie sie abweisen. Jedes Pfund Butter von der Kuh muß verkauft werden und jedes Ei, das die Hühner legen. Und wenn der Mann schon längst ein Paar Schuhe notwendig hätte, dann sagt er, sie seien noch ganz gut, und er näht selber immer neue Stücke drauf, so daß das Gehen in ihnen schließlich eine Qual wird. Und die Frau, die noch jung ist, entschließt sich, zehn Jahre vor der Zeit alt zu sein und die Tracht der Alten zu tragen, weil das billiger ist." (GW Bd. 5, S. 123) Vgl. auch: Fischer, Wilhelm: Ein Bergmannssohn (Erz.). Im Handlungshintergrund noch andere Industrieberufe: Darstellung der Arbeit an der Walzstraße der Dillinger Hütte ( Kap. "Land an der Arbeit", GW Bd. 5, S. 143 ff). Frank Steinmeyer urteilte über Kirschwengs Verhältnis zu Lebens- und Arbeitsbedingungen der Arbeiterschicht: "Der Autor ergreift ganz in der Tradition der katholischen Kirche an der Saar Partei für die Arbeiter, setzt sich für eine Verbesserung ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen ein, ohne dabei jedoch zu einer wirklichen Analyse dieses Problems vordringen zu können." (Steinmeyer: Weil über allem Elend dieser Zeit, S. 189) Besonders im Kapitel "Land an der Arbeit" verweist Steinmeyer auf die "ästhetisierende Beschreibung des arbeitenden Menschen" (ebd., S. 193).
Mischung aus Roman und Autobiographie. Anfangs wird Jugend und Kindheit des Autors, dessen Vater Hüttenarbeiter in Neunkirchen war, erzählt.
Einsatz weiblicher Arbeitskräfte während des Ersten Weltkrieges im Neunkircher Eisenwerk. Berichtet von Aufwiegelungen und Streiktendenzen der Arbeiter bereits während der letzten Kriegsjahre. Deutschnationale Tendenzen.
Idyllisierender Heimatroman. Im Mittelpunkt steht das letzte Bergfest der Grube Reden im "Klinketal" vom Jahre 1910 bzw. 1912 (vgl. Rixecker, Hans: Bergmannsfest anno 1910. In: Heimatblätter 1987 für Heiligenwald, Landsweiler-Reden, Schiffweiler und Stennweiler, S. 59 f.). Die Schilderung beruht auf authentischem Material. Generationen-problem: Die Söhne der Hauptfigur Heinrich Körner "denken liberal"; ein Sohn "ist sogar sozialistisch angehaucht". Außerdem Konflikt durch überkommenes Standesdenken: Einfacher Bergmann soll nicht die Nichte des Steigers heiraten. Banale Liebesromanze.
Spielt vermutlich in der Zeit nach der Jahrhundertwende ( Erscheinen des "Halley'schen Kometen" im Jahr 1910 wird erwähnt) in dem fiktiven Dorf Lampenest, das stellvertretend für das typische saarländische Bergmannsdorf steht. Petto erzählt das Schicksal der Bergmannsbauernfamilie Mattes. Geschildert werden Arbeitsplatz und Alltagswelt, im Vordergrund stehen jedoch weniger soziale Probleme, sondern menschliche Konflikte. Im Generationskonflikt zwischen Vater Jakob und Sohn Emil Mattes wird symbolhaft das Auflösen der alten Ordnung - Arbeit, Hausbau und Familie - demonstriert.
Ursprünglich im Manuskript als zweibändiger Roman ("Die schwarze Mitgift" und "Die Tochter des Mars") konzipiert, vom Autor jedoch zur einbändigen Fassung gekürzt. Zeigt Leben und Wiederaufbau im Industriegebiet der unteren Saar nach dem Zusammenbruch von 1945. Vor der Folie der saarländischen Industrielandschaft rollt sich die tragische Liebesgeschichte zwischen Georg, dem aus dem Krieg heimgekehrten Sohn eines Hüttenmaurers, und Angelika, der Tochter eines ehemaligen Hausierers und Kriegsgewinnlers, ab. Den Erinnerungen an Elend, Grausamkeit und Zerstörung, aber auch einer zunehmend von Zweckrationalismus und Wohlstandschauvinismus geprägten Gegenwart versuchen sie durch Flucht in unbedingte Liebe zu entgehen, die angesichts der sozialen Schranken in der Katastrophe endet. Angelikas Vater, ein brutaler Empor-kömmling, jetzt Textilfabrikant, duldet die Verbindung zwischen dem einfachen Arbeiter und seiner jüngsten Tochter nicht. Die Liebenden widersetzen sich dem Verdikt des Alten, sind aber seiner kompromißlosen Rachsucht ausgeliefert, so daß ihnen nur ein nahezu mittelloses Vagabundenleben bleibt. Der Tod Angelikas nach der Geburt eines Sohnes und der sich anschließende Freitod Georgs führen schließlich zur Zerstörung auch der Arbeiterfamilie. Der Roman endet mit einer Wallfahrt der psychisch zerrütteten Mutter.
Als wiederkehrende Motive eingestreut in die Handlung sind Erinnerungen an den Krieg und an die NS-Zeit, Verstrickungen und Opposition (S. 201, S. 262), auch Situation der Zwangsarbeiter nach der Befreiung (S. 62). Allgegenwärtig ist christlich motivierte Zivilisations-, Technik- und Materialismus-Kritik, dargestellt werden die Auswirkungen der Auflösung traditioneller Gesellschaftsstrukturen.
Besonders Kapitel 20: Besuch bei einer Bergmannsfamilie (S. 193 - 203). Bergmanns-bauern als aussterbender Stand, Generationenproblem. "Bis zum vergangenen Herbst haben sie noch ihr Bergmannsland gebaut. Jetzt streiken die Kinder. Wo vier verdienen wollen sie nach Feierabend nicht mehr auf dem Acker schuften. Bei den Alten gehörte es zum Dasein. Es gab ihnen die Freiheit in der Ernährung und füllte ihr Leben aus. Bei der aufgeblühten Wirtschaft ließen viele ihre Äcker brachliegen und versteppen; Bauplätze, Wertobjekte; Streitobjekte für die Erben." (S. 192)
Spielt nach dem Zweiten Weltkrieg in der Lüneburger Heide, dann in der russischen Besatzungszone und in Berlin. Kap. 5 (S. 178 - 231) im Saarland. Titelheld war Pianist und wird nach Kriegsverletzung Arbeiter in einer Stahlbüromöbelfirma, später Hüttenarbeiter.
Geschichte der saarländischen Familie Schöber von 1945 bis 1956, erzählt aus der Perspektive des Sohnes Andreas. Der Großvater war Bergarbeiter, der Vater zunächst auch, später dann Vertreter (Aufstiegsproblematik, S. 87). Nachkriegsgeschichte aus regionaler Perspektive, verbunden mit Erzählungen insbesondere des Vaters über Krieg und NS-Zeit. Gruben-Beschreibungen und Darstellung von Lebensgewohnheiten der Bergarbeiter (S. 178, S. 212ff).
Liebes- und Kriminalroman, der zum Teil im Hüttenarbeitermilieu (Völklingen) spielt.
Die Darstellung insbesondere der Protagonistin, deren psychische Situation auch über die Konstruktion einer mutterlosen Kindheit nur bedingt plausibilisiert werden kann, schwankt zwischen sozialer Milieuschilderung und moralisierender Schuldzuschreibung (insbesondere in bezug auf Alkoholkonsum und Promiskuität).
Arbeitswelt: Reaktion einer Arbeiterfrau auf Entlassung ihres Mannes, S. 23; Beschreibung des Stahlwerkes, S. 26; Arbeiterdemonstration, S. 38; Selbstmord der Arbeiterfrau, S. 39 f; verzweifelter Versuch eines Jugendlichen, sozial aufzusteigen, S. 141.
Erschien zur Zeit der Sozialistengesetze. Wurde vom Verfasser, der evangelischer Pfarrer war, bewußt gegen den Einfluß der Sozialdemokraten an der Saar eingesetzt. Sehr polemisch. Bezichtigt die sozialdemokratischen "Agitatoren" der Volkverhetzung und -verführung. "Wovon leben diese Aufhetzer, die herumziehen und das Volk unzufrieden machen mit thörichtem Gerede? - Vom Schweiße der Arbeiter!" (S. 32) Gründung von Handwerkervereinen als Gegenmittel. Fauth selbst hatte in Gersweiler 1885 den ersten "Evangelischen Arbeiterverein" an der Saar gegründet. Es bestand zudem eine enge Verbindung zum "Evangelischen Wochenblatt", dessen Herausgeber Fauth war (vgl. Groth: Vor hundert Jahren... In: 200 Jahre Evangelische Kirche Gersweiler, S. 36 f). Seine Haltung gegenüber der Sozialdemokratie brachte er auch zum Ausdruck in der Schrift: Die Sozialdemokraten, was sie wollen, was sie sind. Ein Wort der Belehrung und ernsten Mahnung an die deutschen Arbeiter. Herborn 1890.
Spielt im saarländischen Bergmannsbauernmilieu. Volkserzieherische Tendenzen: Kindererziehung, Rolle der Hausfrau. Alkoholismus bei Arbeitern.
Darin: Kap.II.: "Was soll aus dem Jungen werden?" S. 5 - 8. Problem Berufswahl, Diskussion für und wider den Bergmannsstand. "Die Bergleute müssen den ganzenTag tief drunten in der Erde herumkrabbeln, in den engen Gängen und Strecken sich bücken und drücken, im Schmutz auf und ab klettern - das ist meine Sache nicht, ich bin ein Freund von Luft und Licht und Freiheit, von Sonnenschein und Vogelsang." (S. 7)
Im Mittelpunkt steht der Bergmann Lorenz Becker, der aus der bayrischen
Rheinpfalz eingewandert ist und sich als Kostgänger die Zuneigung
einer reichen Bauerntochter erschleichen will. Besonders Kap. 6: "Fährlichkeiten",
S. 57 - 69, Arbeit unter Tage.
Wendet sich gegen "Mischehe", die nach Fauths Ansicht zum Unglück führt. Fauth plädiert für eine strikte Trennung der Konfessionen. Polemisiert gegen Katholiken, ihr (damals) häufiger Kirchenbesuch wird als Ursache für ihre Armut hingestellt. "Der Alte ist Tagelöhner, der ein Haus voll Kinder hat. Die Mutter läuft jeden Tag in die Früh-messe und in die Vesper, statt ihre Arbeit zu tun. Schmutz und Schlamperei ist im Hause und Schmalhans meist Küchenmeister. Die Mädel arbeiten in den Ziegeleien und verstehen von der Hausarbeit keinen Deut."(S. 2) Die evangelische Familie dagegen wird folgendermaßen charakterisiert: "Wir sind durch Fleiß und Sparsamkeit vorwärts gekommen, daß wir ein schuldenfreies Haus und einen schönen Garten und ein paar Äckerlein unser Eigen nennen dürfen." (S. 2 f.) Historischer Hintergrund: In das ursprünglich protestantische Gebiet des ehemaligen Nassau-Saarbrücken kamen im 19. Jahrhundert vorwiegend katholische Arbeiter aus den kurtrierischen Landen, Hunsrück und Lothringen. Sie stellten das Proletariat; dagegen hatte die dünne protestantische Oberschicht die Führungspositionen inne. Laut Mallmann befürchtete der evangelische Pfarrer Petersen aus St. Johann bereits 1856 "eine uns überflutende katholische Bevölkerung", die ein "besonders unsittliches und leibliches Proletariat" aufweise; eine Wiederholung des "Teufelsjahres 1848" (Mallmann: "Aus des Tages Last machen sie ein Kreuz des Herrn." In: Schieder: Volksreligiosität in der modernen Sozialgeschichte, S. 155 f.)
Gegen Schundliteratur: Arbeiterfamilie verelendet durch Lektüre von minderwertigen Kolportageromanen.
Erschien erstmals 1881 im Feuilleton der "Saar-Zeitung", und 1887 als
Broschüre anläßlich der Reichstagswahl. Die beiden ersten
Publikationen enthielten keine Autorenangabe (vgl. Mallmann: "Aus des Tages
Last ..." In: Schieder: Volksreligiosität, S. 169. Und: Mallmann:
Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung, S. 93). Satire. Schlüsselerzählung.
"Sittengemälde des Saarreviers der 80er Jahre" (Bungert/Mallmann)
des vergangenen Jahrhunderts. Prangert die katastrophalen Zustände
im staatlichen Saarbergbau auf sozialkritisch pointierte Weise an. Enthüllt
Korruptionspraktiken. "Der Sulzbacher Pfarrer Hermann Laven kannte bereits
in den 1880er Jahren keine andere Parallele als chinesische Kohlenbergwerke,
um auf die bedrückende Lage der Arbeiter im Saarbergbau hinzuweisen."
(Mallmann/Steffens: Lohn der Mühen, S. 97). Mallmann ist der Auffassung,
daß Laven damit indirekt auch die Saarbergleute kritisierte, die
solche Zustände zuließen. (vgl. Mallmann: Die Anfänge der
Bergarbeiterbewegung, S. 93). Zur Wirkungs- und Rezeptionsgeschichte: Laut
Bungert/Mallmann war die erste Auflage der Satire der Aufmerksamkeit der
Bergwerksdirektion entgangen, beim Erscheinen der zweiten Auflage wurde
Strafantrag gestellt, die Broschüre konfisziert. Laven konnte der
strafrechtlichen Verfolgung entgehen, die Anklage gegen den Verlag wurde
schließlich eingestellt. (vgl. Bungert/Mallmann: "Der Sang vom Lao-Fumtse",
S. 3). Wie breit die Schrift in Arbeiterkreisen tatsächlich rezipiert
wurde, ist unklar.
Volkserzieherisch-moralisierend, aber auch sozialkritisch. Arbeitermilieu
wird sehr anschaulich dargestellt. Wendet sich hauptsächlich gegen
frühe Eheschließungen in Arbeiterkreisen, "durch welche das
Proletariat vermehrt werde..." (S. 90). Geschildert wird zuerst (Kap. I
u. II) das Leben des braven Bergmanns Friedrich Bohnenberger. Erschöpft
durch die Doppelbelastung von Gruben- und Feldarbeit, durch die andauernden
Schikanen der Vorgesetzten, ist er schon früh "bergfertig". Seine
geringe Pension reicht nicht aus, die Familie zu ernähren; also verdingt
er sich noch im Tagelohn. Später erhält er eine Stelle als Feld-
und Waldhüter. Das negative Gegenbild zu diesem recht-schaffenen Mann
ist seine Tochter Mariechen. Durch Flatterhaftigkeit und Faulheit verliert
sie nacheinander ihre Stellungen als Kindermädchen, Dienstmädchen,
Köchin, um schließlich in der Fabrik zu arbeiten. Danach heiratet
sie den ebenso unsoliden Bergmann Ferdinand Schnabel. Sie läßt
den Haushalt verkommen, treibt ihren Mann in den Alkoholismus, die Familie
in die Verelendung. Fauth fordert, daß sich Frauen vor ihrer Hochzeit
durch Stellungen als Dienstmädchen Kenntnisse in Haushaltsführung
erwerben. "Eine Arbeiterfrau muß kochen können, sonst ist ihr
Mann übel beraten." (S. 75) Daneben geht Fauth auf die Arbeit von
Frauen in Fabriken ein. Dies ist für ihn die Wurzel allen Übels.
"In dieser Fabrik arbeiteten Männer und Mädchen in denselben
Räumen, und dieses nahe Zusammensein führe gar leicht zu bösen
Dingen. Er erklärte ferner dem Mariechen, daß die Fabrikarbeiterinnen
dem häuslichen Leben ganz entfremdet und meist schlechte Hausfrauen
würden." (S. 81) Sein Ideal ist ein patriarchalischer Fabrikherr,
der das Leben seiner Untergebenen überwacht und lenkt. Zeitkritischer
Aspekt: Stellung der Frau in Ehe und Berufsleben.
Bibliographisch nicht nachweisbar; laut Mallmann sind Exemplare vorhanden
im Kreisarchiv Saarbrücken, Landeshauptarchiv Koblenz, Stadtarchiv
Friedrichsthal. "Ein Berliner Gelegenheitsschriftsteller, 'Doktor Kurt',
bereist darin das Saarrevier, um die sozialen Mißstände zu eruieren
- Wilhelm II. im literarischen Vexierspiegel als Arbeiterkaiser und rettender
Erzengel zugleich. Trotz dieser unschwer erkennbaren Absicht wurde das
Pamphlet am 8. Oktober 1890 beschlagnahmt, da es den Inhalt des verbotenen
'Sang von Lao-Fumtse' partiell referierte." (Mallmann: Die Anfänge
der Bergarbeiterbewegung, S. 220)
Erzählungen aus Arbeitswelt und Alltagsleben saarländischer
Bergleute. Laut E. Rein-hard hat die Autorin noch zwei weitere Erzählbände
u.d.T. "Bergmannsblut" und "Schla-gende Wetter" verfaßt, die jedoch
bibliographisch nicht nachweisbar sind.
Polemisch, franzosenfeindlich. Spielt zur Zeit des Völkerbundes im Saargebiet. Rührselige Geschichte um die sog. "Domanialschulen". Die französische Verwaltung zwang die Kinder der Bergleute in die Grubenschulen, andernfalls drohten Repressalien, z.B. Degradierung, Arbeitsplatzverlust, Kündigung der Werkswohnung. In der vorliegenden Erzählung bringt ein Grubenunglück "Rettung". Das wundersame Entkommen aus Todesgefahr gibt der Hauptfigur, dem Steiger Bertram, wieder Mut, der französischen Grubenverwaltung zu trotzen und sein Kind doch nicht auf die Domanialschule zu schicken.
Französische Domanialschulen gab es im Saargebiet von 1920 bis 1935. Im Versailler Vertrag war die Einrichtung französischer Schulen für die Beschäftigten der französischen Grubenverwaltung legitimiert worden. Eigentümer der Domanialschulen war die französische Bergverwaltung Saarbrücken, die eine eigene Schulabteilung unterhielt. Die Schulen wurden bald auch saarländischen Volksschulkindern geöffnet. 1920 öffneten die ersten Schulen in Sulzbach und Saarlouis, "1925 gab es im gesamten Saargebiet 21 Orte mit französischen Schulen und etwa 5000 bis 5300 Schülern" (Ilgemann: "Franzosenschulen". Die französischen Domanialschulen in der Völkerbundszeit, S. 3; vgl. auch Lempert: "Das Saarland den Saarländern!", S. 71 - 74). Zum Teil wurde die Schülerwerbung offenbar mit Druck auf die Arbeitnehmer und ihre Familien betrieben, gleichzeitig wurden für den Fall eines Besuchs der Schule finanzielle Vergünstigungen in Aussicht gestellt. Bis 1933 wendeten sich fast alle Saar-Parteien gegen die Schulen, nach anfänglichem Zögern auch die KP. Die Schulpolitik der Regierungskommission wurde von Teilen der Saar-Bevölkerung als Versuch einer "pénétration pacifique" angesehen, was zum Teil wohl auch tatsächlich Überlegungen der französischen Verwaltung entsprach (Ilgemann, S. 6). Allerdings muß betont werden, daß die Domanialschulen im Verhältnis zur einheimischen Konfessionsschule fortschrittlich ausgerichtet waren (Koedukation, Interkonfessionalität, Verbot der Prügelstrafe, Lernmittelfreiheit; vgl. Mallmann/Steffens: Lohn der Mühen, S.164 ff).
Der sog. Schulkampf wurde von Anfang an im Zeichen völkischer und nationalistischer Propaganda und mit unbelegten und maßlosen Unterstellungen (angebliche Sex-Affären an den Schulen, Atheismus-Vorwurf) geführt, wobei der Einfluß des Klerus angesichts der laizistischen Ausrichtung der Schulen auch eine Rolle gespielt haben dürfte. Insbesondere für die sozialdemokratische und kommunistische Opposition stellte sich das Problem, daß eine Kritik der Domanialschulen mangels Alternativen ein Votum für die Konfessionsschule werden mußte.
Erzählungen aus der Arbeitswelt, verschiedene Berufe werden dargestellt. Gemeinsames Thema: Arbeitsunfälle. Die einzelnen Geschichten enthalten zwar keine Ortsangaben, spielen aber wahrscheinlich nicht im Saarland.
Kirschwengs bekannteste Erzählung (laut GW Bd. 1, Anmerkungen S.
332) beruht auf authentischer Vorlage. Kirschweng erzählt von Bau
und Erwerb des großväterlichen Hauses. Schicksalhaft ist Leben
und Tod des Großvaters mit dem Haus verwoben: Er stirbt nach Begleichung
der letzten Rate. Verdeutlicht den Stellenwert des eigenen Hauses für
den saarländischen Arbeiter. Lebensziel ist es, ein schuldenfreies
Haus zu haben. Typische Einstellung: "Aber als der Großvater heiratete,
da überkam ihn das unwiderstehliche Verlangen, für sich zu sein
mit seiner jungen Frau und etwas zu haben, was ihnen beiden ganz gehörte
und den Kindern später einmal." (GW, Bd.1, S. 27).
Proletarisierung einer Bauernfamilie. "Peter Pflumm besaß ein
kleines Anwesen an der mittleren Saar. Es hätte ihn und die Seinen
ernähren können, wenn alles seinen ruhigen und sicheren Gang
gegangen wäre, wenn der Kreislauf von Saat und Ernte, von Aufzucht
und Verkauf der Rinder und Schweine nicht immer wieder von der gewalttätigen
Hand des Schicksals auseinandergerissen worden wäre. So gab es Hagelschlag
und Mißernten, Seuchen unter dem Vieh und unaufhörliche Sorgen,
und da fing der bis dahin nüchterne Mann, Peter Pflumm, an zu trinken,
um das Quälende zu vergessen. Er vergaß es immer wieder, bis
es ihm über den Kopf gewachsen war und ihn und Frau und Kinder aus
dem kleinen warmen Bauernhaus hinausstieß."(GW, Bd. 1, S. 177) Pflumm
wurde Fuhrmann auf der Wadringer (=Wadgasser) Glashütte, "bekam ein
sicheres, wenn auch nicht allzu reichliches Brot und wohnte mit vielen
Familien zusammen in einem der großen Häuser, die zur Hütte
gehörten." (ebd., S. 177 f.) Verlust des Besitzes und der Heimat bedeutet
Entwurzelung und soziale Deklassierung. Im Erzählgeschehen ausführliche
Schilderung der Arbeitssituation in der Glasfabrik.
Sentimentale Geschichte um Standesbewußtsein und Bodenständigkeit der saar-ländischen Bergleute.
Konflikt zwischen zwei Schwestern. Die eine, Katrin Holler, hat ihre alte Erbtante gepflegt. Sie wurde durch die Erbschaft zwar eine wohlhabende Frau, mußte aber auf Familie und persönliches Glück verzichten. Ihre Schwester Elisabeth dagegen heiratete einen einfachen Arbeiter. Sie ist arm, aber glücklich. Katrin beneidet sie um dieses Glück. Schilderung des Arbeitermilieus: Heimkehr von der Schicht, Haushalt und Familie, aber auch Bedürftigkeit.
Recktenwald: " ... Abriß der Kindheit eines Jungen, der wie Vater
und Großvater in ein Leben 'unter Tage' wächst, zeichnet an
einem Einzelfall den ewigen Schichtwechsel des Lebens" (Über das Einfache
und Volkstümliche in der Erzählkunst. Nachwort zu Pettos Roman
"Und die Erde gibt das Brot", S. 278). Die Erzählung spielt gegen
Ende des 19. Jahrhunderts in einem nicht näher benannten saarländischen
Bergmannsdorf. Die Hauptfigur, Peter Hunsicker, ist Bergmann in der dritten
Generation. Bereits 1847 ist sein Großvater als Bauernbub in das
Kohlendorf gekommen. Hunsicker wächst in der Zeit der großen
Streikwelle auf. Detaillierte Schilderung von Arbeitsplatz und Arbeitsvorgängen,
Beschreibung der Industrielandschaft, Beleuchtung des sozialen Umfeldes.
Eingestreut sind Geschichten, Sagen und Anekdoten. Laut Wilhelm Dillinger
war diese Erzählung ursprünglich eine Auftragsarbeit mit dem
Ziel, "eine Darstellung des saarländischen Bergmanns zu geben; eine
Analyse, die soziologische und psychologische Gegebenheiten herausarbeiten
sollte" (Dillinger: Alfred Petto gest.)
Geschichte der Magd Margret Märtel. Diese wächst in ärmlichen Verhältnissen, ausgestoßen aus der Dorfgemeinschaft, auf. Sie erzieht Heini, den Sohn ihrer Schwester. Letztere beleiht kurz vor ihrem Tod das Familienland. Es gelingt Margret, das Land selbst zu ersteigern. Um die Summe aufzubringen, muß sie aber in die Stadt ziehen und sich als Wäscherin und Haushälterin verdingen. Mit Hilfe der wenigen ihr wohlwollenden Dorfbewohner gelingt es ihr, Heini Haus und Hof zu erhalten und für ihn weitere Landgüter für den Aufbau eines selbständigen Bauernhofes zu erwerben. Die verzehrende Arbeit in der Stadt rafft sie schließlich dahin, nachdem sie ein letztes Mal das eigene Haus gesehen hat. Thematisiert wird insbesondere der Stadt-Land-Gegensatz (S. 40 f, S. 68 f) und die Situation der in die Stadt abgewanderten Dorfbevölkerung (Arbeit am Hochofen, S. 90 ff). Dies geschieht bei aller Sensibilität für die Grausamkeit dörflicher Ausschließungsmechanismen aus einer deutlich modernitätskritischen, z.T. Land und "Scholle" idyllisierenden Perspektive.
Kein typischer Saarlandbezug
Der anarchistische Dichter beschreibt einen Besuch in Saarbrücken, wo er Teile seiner Jugend verbrachte. Beobachtungen zur Sozialstruktur, Bürgertum und Arbeiter, Kritik der spießbürgerlichen Lebensverhältnisse und patriarchaler Unternehmensführung. Vgl. Volksstimme (1067)
Jugenderinnerungen des Gründers der sozialdemokratischen "Saarwacht" und späteren Partei- und Gewerkschaftsfunktionärs. Geschildert wird eine von starrem Katholizismus und schwerer körperlicher Arbeit im Tonbergbau geprägte Jugend in der Rheinpfalz, die mit der Bekehrung zu den Idealen des Sozialismus ihren Abschluß findet. Probleme der politischen Emanzipation in dörflichen Strukturen, Volksfrömmigkeit an Rhein und Saar, Darstellung der Arbeit im Tonbergbau.
Vier ausführliche Kapitel Osterroths zu seiner Zeit im Saarrevier, geplant als Fortsetzung seiner Jugenderinnerungen. Dargestellt werden die Geschichte der Arbeiterbewegung an der Saar (Rückblick auf den Rechtsschutzverein) und Osterroths eigene Tätigkeit nach 1901 in zum Teil anekdotischer Form: Versuche, die SPD regional zu verankern, Wahlkandidaturen, Reorganisierung des Bergarbeiterverbandes, Krämer-Hilger-Prozeß, Verbreitung der Broschüre "Saarabien vor Gericht", Gründung der "Saarwacht" und mehrfache Inhaftierung. Bemerkungen zur Mentalität der regionalen Parteimitglieder: Die Rückständigkeit des Bürgertums habe eine besonders radikale, antirevisionistische Ausrichtung der Sozialisten an der Saar bewirkt, was aber gleichzeitig die Art von Sozialismus gewesen sei, die der Reaktion für ihre Unterdrückungspläne am willkommensten gewesen sei.
Franz Osterroths Biographie arbeitet im wesentlichen die von seinem Vater überlieferten Materialien auf. Es liegen zwei Kapitel vor ("Sturmjahre in 'Saarabien'" und "Der Redakteur der 'Saarwacht'"), die Teile eines umfangreichen Manuskriptes zu sein scheinen.
Erfahrungen und Beobachtungen eines Knappschaftsarztes in den Bergarbeiterdörfern um Elversberg (Tittelvitz war ein bekanntes Original, er wohnte in Elversberg). Schildert das Leben der Bergleute, Armut und Krankheit. Ortsnamen wurden verändert. Teilweise stark nationalsozialistisch engagiert. Vgl. Scholdt: Grenze und Region, S. 75 - 82
Triem stammt aus einer Bergarbeiterfamilie aus dem pfälzischen Lambsborn (bei Landstuhl). Ebenso wie sein Vater fährt er 1918, mit 15 Jahren, auf der saarländischen Grube Heinitz ein: "Unsere Großväter konnten sich noch von Landarbeit ernähren. Die Väter aber mußten, weil der Raum zu eng wurde, zu den Hüttenwerken und Kohlengruben, die dreißig Kilometer von unserem Heimatort entfernt liegen. Wir haben also nur zu entscheiden, ob wir zur Hütte oder zur Zeche wollen." Schonungslos realistische Darstellung der Arbeitsverhältnisse unter Tage, soziale Ungerechtigkeiten, Hunger und Not der Kriegsjahre.
Lebensbeschreibung aus klassenkämpferischer Sicht. Schildert die ersten 27 Lebensjahre des späteren SED-Parteifunktionärs. Kindheit und Jugend im damals noch deutschen Lothringen (vgl. Biographie). Grenzlandproblematik vorherrschend. Besonders: Streik auf den Solvaywerken in Saaralbe 1906 (S. 121 f.). Einfluß der Kirche auf Arbeiterschaft verbunden mit der langsamen Ausbreitung der Sozialdemokratie (Reichstagswahlen 1907, S. 126 f.). Darstellung der Industriestadt Neunkirchen (S. 226 f.).
Saarland als Industrieland. Eingestreut sind episodenartige Auszüge aus Pettos Romanen und Erzählungen.
Industrielandschaft an der Saar, Hüttenwerke und Gruben.
Scharfs (S. Biographie) erster eigenständiger Gedichtband, Max Halbe und Julius Brand gewidmet. Drei Abteilungen: Prometheisches, Visionäres, Lyrisches.
Kritik des Christentums, Pantheismus, Künstlerproblematik, Zivilisationskritik, Spott bürgerlicher Wohlanständigkeit, lebensphilosophische Abwehr philiströser Buchstaben-gelehrtheit, Naturverherrlichung und Sozialkritik ("Ein Gotteshaus", S. 37: Von der Sorge bedrohte Liebe der Weber) in häufig ekstatischen Versen.
Gedichte von Johann Matheis und anderen Autoren, vmtl. aus dem "Bergmannsfreund" zusammengestellt.
Titel in Anlehnung an Nietzsche (Götzendämmerung). Vier Teile: Anatheme, Visionen, Hunger und Liebe, De Caelo. Vom Naturalismus geprägte und mitunter auf den Expressionismus vorausweisende Gedichte mit z.T. sozialrevolutionärer Tendenz, aber keine Agitationslyrik, eher eine anarchistische Außenseiterposition: Bürger- und Bildungshaß, Sehnsucht nach Tod und Ichverlust, Lob der Sinnlichkeit und des Bohème-Lebens, Aufbegehren gegen soziale Ungleichheit. Nähe zu Wedekind. Trotz Herkunft des Autors kein spezifischer Saar-Bezug.
Forbacher Dialekt. Aus dem Vorwort: "Es ist eine Sammlung von Liedern, die wir dem jungen Stiringer Dichter Auguste Rohr verdanken, der selbst Bergmann von Beruf, in schlichten Versen das geschildert hat, was der Bergmann in seiner Brust empfindet, wenn er tief drunten im Schacht seinen schweren Beruf ausübt, und dann auch, wenn wieder daheim, er im Vereine seiner Lieben die wenigen Stunden der Ruhe genießt, vor der nächsten Schicht."
Bergmannsgedichte. Teilweise traditioneller Blick auf den Bergmann und seine Lebensweise ("Es lebe der Bergmannsstand", S. 10), Gedichte zur Doppelbelastung in Landwirtschaft und Grubenarbeit ("Der Bergmannsbauer", S. 42), zu einzelnen Feiertagen, zu Grubenunglücken ("Der rasende Tod, S. 38). Keine Sozialkritik, z.T. religiöse Ausrichtung ("Gebet vor der Anfahrt", S. 19). Die Arbeit in der Grube als naturhaft-mythisches Geschehen, Bedrohung durch den personifizierten Tod. Gewisse Nähe zur älteren Arbeiterdichtung (Bröger/Lersch), auch zu Standesdichtung.
Heimatgedichte eines Bergmannssohns und Hüttenarbeiters. Thematisiert werden allerdings nicht Arbeitswelt und Industrie, sondern verschiedene Aspekte des dörflichen Lebens (von Dorffesten über Hochwasser bis zum Mitteilungsblatt), Stationen aus dem Lebensweg des Autors (Kriegsteilnahme, Gefangenschaft in Lothringen), Natur und Erntedank in gereimter Form.
Die letzten drei Lieder sind sozialdemokratisches Liedgut aus der Streikzeit 1889, die laut Herausgeber im Saarland entstanden sind. Der Titel "Glück auf, Kameraden, durch Nacht zum Licht" ist eine Umdichtung von Theodor Körners "Berglied" (vgl. Anmerkungen, S. 458).
Darin: Bergleut' zu Hauf rufen: Glück auf!, S. 17; Da stehen wir und klagen, S. 20 - 21; Der Bergmann im schwarzen Gewand, einfach, schlicht, S. 21 - 22; Der Mensch soll nicht stolz sein, S. 23 - 24; Glück auf! Glück auf! der Bergmann (Steiger) kommt, S. 59 - 60; Glück auf! ihr Bergleut' jung und alt! S. 60 - 61; Glück auf! Ist unser Bergmannsgruß, S. 62 - 63; Heil dir, des Volkes Hort! S. 63; Schon wieder tönt vom Schachte her, S. 99 - 100; Schön ist das Bergmannsleben, S. 100 - 102; Was mit unverdross'ner Müh', S. 110 - 111; Wenn ich eins betrachte das bergmänn'sche Leben, S. 112 - 113; Wenn schwarze Kittel scharenweis, S. 114 - 115; Wie edel ist das Bergmannsleben, S. 116 - 117
Der Bergmann als Verteidiger der deutschen Saar.
Bergmannslieder sind ein problematisches Kapitel. Es sind im Saarland zwar zahlreiche Lieder bekannt, doch stammen die meisten aus anderen, älteren und traditionelleren Bergbaugebieten. Sie kamen durch zugereiste Bergleute in diese Region. Eigene Bergmannslieder aus dem Saarrevier sind erst ab 1850 überliefert (vgl. Mallmann: Die Anfänge der Bergarbeiterbewegung, S. 237).
"Wir können hier im Saarkohlenrevier noch keine große Anzahl Bergmannslieder verzeichnen. Dies hängt mit der verhältnismäßig kurzen Zeit des regelrechten Baues unserer Gruben zusammen. Denn obschon auch unter Nassau-Saarbrückischer Herrschaft hie und da Kohlen zutage gefördert wurden, hatte sich dazumal ein eigentlicher Bergmannsstand in unserer Gegend noch nicht herausgebildet. Die Bauern des Köllertals und der Umgebung arbeiteten wohl soviel Kohle heraus, als sie für den Haushalt nötig hatten, allein das war auch alles und sie blieben daher mehr Bauer als sie Bergmann wurden." (Kloevekorn: Das Saarland, S. 335)
Wird dem saarländischen Autor August Schmidt zugeschrieben, von dem auch der Roman "Im Schatten der grauen Berge" stammt. Das Stück spielt jedoch im Rheinland in den zwanziger Jahren.
Tendenziös, franzosenfeindlich. Der 3. Akt ähnlich wie "Wacht im Berg"
Polemisch, franzosenfeindlich. Deutlich nationalsozialistische Tendenzen. Unterstellt Frankreich Ausbeutung der Saargruben für militärische Zwecke, z.B. Aufrüstung. Spielt unter Tage.
Aus dem Vorwort zur ersten Ausgabe: "Das 'Spiel vom Dichter und Volk' wurde geschrieben für die erste Wiederkehr des Tages, an dem unsere Heimat zum Reich zurückkehrte. Es sollte darin die Verbundenheit mit den schaffenden Menschen dieses Landes ausgedrückt werden, insbesondere mit denen meiner Wadgasser Heimat, die einer uralten Überlieferung folgend ihr Brot als Glasmacher und Schleifer verdienen."
Schwank im Arbeitermilieu.
Handelt von Nikolaus Warken, dem Gründer des Rechtsschutzvereins und Anführer der Streikbewegung von 1889 an der Saar. Mit dem Ausspruch "Eckstein ist Trumpf" düpierte Warken einen Steiger, "Eckstein" wurde danach sein Spitz- und Kampfname. Das Theaterstück wurde laut einer Ankündigung in der "Saarheimat" vom SLT anläßlich des 125. Geburtstages des Streikführers in Auftrag gegeben und im Herbst 1976 uraufgeführt. Das sozialkritische Stück zeigt das Schicksal saarländischer Bergleute im 19. Jahrhundert, die Ausbeutung und Korruption in den Gruben, die schließlich zum Widerstand der Bergleute führte.
Sozialkritisch. Nachtschicht zerstört Familienleben und treibt Arbeiter in den Selbstmord.
Sozialkritisch. Setzt sich mit dem Thema Arbeitslosigkeit auseinander, zeigt die daraus erwachsenden psychischen und sozialen Probleme.
Legendenhaft gestaltetes, völkisches Singspiel über die Nutzung der Saar-Gruben durch Frankreich und die Folgen des Versailler Vertrages.
Dichter, Volk, Bauern, Berg- und Hüttenarbeiter besingen die Hoffnung auf nationale Befreiung.
Spielt nach dem Zweiten Weltkrieg im Saarland im Arbeitermilieu. Richtet sich gegen den Versuch, das Saarland politisch Frankreich anzugliedern. Ähnliche Tendenzen wie in der Völkerbundszeit von 1920 - 1935.