Open-Access-Strategien

1. Der grüne Weg (Self-Archiving, Selbstarchivierung)

Der grüne Weg bezeichnet die Bereitstellung bereits veröffentlichter wissenschaftlicher Dokumente auf Open-Access-Repositorien (Dokumentenservern) wissenschaftlicher Einrichtungen. Publikationen, deren Erstveröffentlichung in einer kostenpflichtigen Zeitschrift bzw. einem Verlag erfolgte, werden so kostenfrei zugänglich gemacht:

  • Institutionelle Repositorien: Bereitstellung fachübergreifender Veröffentlichungen der Angehörigen einer Institution. An der Saar-Uni heißt dieses Repositorium SciDok
  • Disziplinäre Repositorien: Bereitstellung von Veröffentlichungen eines bestimmten Fachgebietes unabhängig von der Institution. Das weltgrößte Open-Access-Archiv für Physik, Informatik und Mathematik ist arXiv

Open-Access-Repositorien finden Sie über OpenDOAR und ROAR

Wie funktioniert Self-Archiving und ist es erlaubt?

Mittlerweile gestatten viele Verlage, die akzeptierte Manuskriptfassung öffentlich zugänglich zu machen. Die rechtlichen Bedingungen sollten Sie vor der Archivierung aber unbedingt klären, idealerweise schon vor der Erstveröffentlichung.

  • Informationen über die verschiedenen Verträge zwischen Verlag und Urheber/in finden Sie auf open-access.net
  • Eine Übersicht vertraglicher Bedingungen einzelner Verlage bietet die SHERPA/RoMEO-Datenbank

 

Alternativ besteht die Möglichkeit, einen Vertragszusatz (author addendum) für die Speicherung auf einem Open-Access-Repositorium abzuschließen:

  • SPARC (Scholarly Publishing and Academic Resources Coalition) bietet die bekannteste Vorlage, das SPARC Author Addendum, zum kostenlosen Download an.
  • Informationen zum Schutz Ihrer Rechte als Autor finden Sie in der Broschüre Author Rights
  • Die Leibniz-Gemeinschaft bietet einen deutschsprachigen Formulierungsvorschlag für eine Vereinbarung zwischen Autor und Verlag als Vorlage für Vertragszusätze an.


Eine weitere Möglichkeit sind Textpassagen, die dem Verlagsvertrag hinzugefügt werden:

  • Der Verlag stimmt zu, dass der Autor das nichtexklusive Recht behält, eine digitale Kopie des Dokumentes vor/während/nach der Publikation durch den Verlag zeitlich unbeschränkt auf einen öffentlich zugänglichen akademischen Non-Profit-Server zu legen. Der Autor verpflichtet sich, das Originaldokument auf dem akademischen Non-Profit-Server zu zitieren.

    oder

  • Für eine Online-Veröffentlichung des Werkes wird dem Verlag ein einfaches Nutzungsrecht ohne Benutzungspflicht eingeräumt. Dem Autor steht es frei, das Werk mit dem Zeitpunkt des Erscheinens als Buchversion parallel kostenlos als PDF-Datei im Internet über seine Homepage, einen institutionellen Server oder ein geeignetes fachliches Repositorium öffentlich zugänglich zu machen.
2. Der goldene Weg (Erstveröffentlichung)

Die Erstveröffentlichung eines wissenschaftlichen Werkes in einer Open-Access-Zeitschrift oder einem Open-Access-Verlag wird als goldener Weg oder Gold Open Access bezeichnet. Der Unterschied zum klassischen kommerziellen Geschäftsmodell besteht im vollständigen Verzicht auf Subskriptionsgebühren. Diese Gebühren zahlen wissenschaftliche Bibliotheken für Abonnements gedruckter Zeitschriften an die Verlage. Für den Zugriff auf elektronische Zeitschriften werden Lizenzverträge zwischen Verlagen und Bibliotheken geschlossen.

Für Autoren kann das Publizieren auf dem goldenen Weg die Zahlung von Publikationsgebühren beinhalten. Diese werden häufig als Article Processing Charges (APC) bezeichnet und von einigen Zeitschriften für die Veröffentlichung angenommener Aufsätze erhoben.

Die Qualitätssicherung unterscheidet sich nicht von Nicht-Open-Access-Aufsätzen, da beide i.d.R. ein Peer-Review-Verfahren durchlaufen.

Im Gegensatz zum traditionellen Geschäftsmodell treten die Autoren meist nur das einfache, nicht das ausschließliche Nutzungsrecht an die Verlage ab. Ihre Aufsätze erscheinen oft unter einer freien Lizenz, bspw. einer Creative-Commons-Lizenz.

Weitere Informationen
  • Informationen und Zugang zu peer-reviewed Open-Access-Zeitschriften bietet das DOAJ - Directory of Open Access Journals.
  • Open-Access-Bücher finden Sie im DOAB - Directory of Open Access Books und der OAPEN Library.
  • Informationen zu unseriösen Journalen finden Sie auf der Seite Predatory Publishing.